Rollentausch Eltern sein: Bei diesen Tieren kümmert sich Papa

Mama wärmt und füttert, Papa jagd oder trollt sich ganz - dieses Rollenbild trifft nicht auf alle Eltern im Tierreich zu. Die Seepferdchen sind die wohl bekannteste Klischeebrecher, aber nicht die einzigen. Ob Insekten, Fische, Vögel, Wirbeltiere - quer durch alle Klassen finden sich Vertreter, die es anders machen und damit ihrer Art die Zukunft sichern.

Je eher sich eine Mutter im Tierreich nicht mehr oder nicht mehr so intensiv um ihre Jungen kümmern muss, desto eher ist sie für neuen Nachwuchs bereit. Damit kann sie für mehr Nachkommen sorgen und den Bestand ihrer Art besser sichern. Das ist das Motiv für den Rollentausch bei Riesenwanzen, Seepferdchen, Nandus, Darwin Nasenfröschen und Schneeregenpfeifern.

Mann samt Nachwuchs einfach abgehängt: Die Riesenwanzen

Sie machen ihrem Namen mit einer Körperlänge von bis zu 12 cm alle Ehre. Es gibt verschiedene Arten, die jedoch alle in fließenden oder stehenden Gewässern leben und sich dort eher am Grund aufhalten.

Riesenwanzen
Männliche Riesenwanze mit dem Nachwuchs, der noch aus den Eiern schlüpfen muss Bildrechte: IMAGO / Ardea

Für die Brautwerbung steigen die Männchen nach oben und machen wortwörtlich Wellen, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Konsequen: Die Weibchen kleben ihnen bis zu 100 Eier auf die Flügel und machen sich auf und davon. Zurück bleibt der flugunfähige Riesenwanzenmann samt Nachwuchs, mit dem er Liegestütze machen muss, damit das Wasser die Eier gut umspült. Etwa eine Woche muss der Vater durchhalten, dann schlüpfen die Jungtiere. Wenn er Glück hat, kratzt ihm das nächste Weibchen die Reste der Eierschalen noch von den Flügeln.

Uns Menschen ähnlicher, als wir denken: Seepferdchen

Männliche Seepferdchen sind berühmt für ihre Schwangerschaften und damit eine Rarität im Tierreich.

Seepferdchenmann bei der Geburt
Ein Seepferdchenmann bei der Geburt seiner Jungen. Bildrechte: imago/Bluegreen Pictures

Denn sie tragen die Jungtiere wirklich in ihrer Bauchtasche aus, in der sie etwa 24 Tage lang heranreifen. Was wir erst seit einer Studie aus dem Jahr 2015 wissen: Seepferdchenmänner haben etwas mit menschlichen Müttern gemeinsam. Sie versorgen ihren Nachwuchs mit Nährstoffen, entsorgen Ausscheidungen und sorgen für den Gasaustausch – ähnlich wie mit einer Plazenta. Verlassen die Jungen die Bauchtasche, sind sie von da an auf sich gestellt. Die väterliche Fürsorge endet damit.

Mit Eierklau zu mehr Attraktivität: Dreistachelige Stichlinge

Dreistachliger Stichling, Männchen in Laichfaerbung beim Nestbau,
Beim Dreistacheligen Stichling bauen die Männchen die Nester und hüten die Brut. Bildrechte: imago images/blickwinkel

Während viele Fischarten ihren Nachwuchs sich selbst überlassen, kümmern sich Dreistachelige Stichlinge fürsorglich - zumindest die Männchen. Sie bauen ein Nest, verteidigen es gegen Fressfeinde und wedeln ihren Eiern frisches Wasser zu, damit sie genug Sauerstoff bekommen. Oft stehlen die Fischväter sogar befruchtete Eier anderer Männchen und beschützen sie mit. 2001 konnte nachgewiesen werden, dass etwa 30 Prozent aller Nester fremde Eier enthielten. Offenbar ist das für Stichlingsdamen anziehend. Je mehr Eier ein Männchen in seinem Nest hat, desto interessanter war es für Weibchen mit noch unbefruchteten Eiern.

Helikopterväter im Harem: Nandus

Nandu (Rhea Americana) mit Küken, beim Überqueren eines Feldweges.
Unter den wachen Augen des Helikoptervaters: Familienalltag bei den Nandus Bildrechte: imago/imagebroker

Nandus können nicht fliegen, trotzdem könnte man die Männchen Helikopterväter nennen. Sie lassen nichts und niemanden an ihren Nachwuchs, nicht einmal die Mutter. Sie darf die Eier legen und sich dann trollen. Kinderpflege ist bei den südamerikanischen Laufvögeln Männersache. Sie bauen das Nest, sie brüten und sie bewachen die Kleinen mit Argusaugen. Da ein Nanduhahn einen Harem bis zu zwölf Weibchen um sich schart, die dann alle ihre Eier in sein Nest legen, kommen bis zu 30, in seltenen Fällen sogar bis zu 80 Eier zusammen.

Zum Fressen gern: Darwin-Nasenfroschväter und ihre Jungen

Frosch "Rhinoderma Darwinii"
Forschvater mit Jungtieren im Stimmbeutel Bildrechte: imago/Nature Picture Library

Die Fortpflanzungsmethode der Darwin-Nasenfrösche ist einmalig. Die Weibchen legen ihre Eier auf dem Waldboden in einem Laubhaufen versteckt ab. Schlüpfen die Kaulquappen, nimmt der Froschvater sie über sein Maul auf und gibt ihnen in seinem geräumigen Stimmbeutel Asyl. Damit sind sie vor Fressfeinden geschützt und können behütet heranwachsen. Ernährt werden die Kleinen durch ein schleimiges Sekret. Diese Rundumversorgung wird ihnen allerdings nur zuteil, bis sie zu kleinen Fröschen geworden sind. Dann öffnet der Vater das Maul und wirft sie hinaus.

Arbeitsteilung: Weißbüschel- und Krallenaffen

Es muss ja nicht immer ein absoluter Rollentausch sein. Bei einigen Affenarten zum Beispiel die Männchen den Weibchen die Jungtiere ab - im wahrsten Sinne des Wortes. Sie tragen sie auf dem Rücken, wie zum Beispiel bei den Weißbüschelaffen. Oder sie zeigen ihnen, wie sich feste Nahrung besorgt. Krallenaffen in Südamerika ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Da zeigen auch schon mal die Väter, wie es geht. Damit entlasten sie die Mütter, die dann eher wieder trächtig werden und der Arterhaltung dienen können.

Weißbüschelaffen
Bei den Weißbüschelaffen zeigen die Männchen dem Nachwuchs, wie man sich Nahrung besorgt. Bildrechte: IMAGO / Nature Picture Library

0 Kommentare