Influenza in Deutschland Grippesaison 20/21 ist ausgefallen - Erster Vogelgrippefall bei Menschen

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Die strengen Coronaregeln haben weltweit zu einem nahezu völligen Stillstand der Grippeinfektionen geführt. Allerdings kam es jetzt in China erstmals zur Infektion eines Menschen mit dem Vogelgrippevirus H10N3.

Mutter sitzt am Bett von krankem Sohn.
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Update 02. Juni - Erstmals Vogelgrippe beim Menschen

Einem Bericht der tagesschau zufolge ist in China erstmals ein Mensch mit dem Vogelgrippevirus H10N3 angesteckt worden. Der 41 Jahre alte Mann sei Ende April mit Fieber in ein Krankenhaus in der Provinz Jiangsu eingeliefert worden. Chinesische Mediziner stufen das Virus als wenig gefährlich ein, bei Vögeln führe es kaum zur Krankheitssymptomen.

Von Laboren bestätigte Grippefälle in Deutschland
Kalenderwoche 15 16 17 18 19 20 Gesamt seit Woche 40 (Anfang Oktober)
2019/20 528 449 176 121 285 232 186.919
2020/21 9 14 9 8 5 8 564

Update 08.05.: Weltweit kaum noch Grippe

Die Hygiene- und Abstandsregeln wirken, das lässt sich vor allem an der Zahl der Grippeinfektionen studieren. Seit über einem Jahr ist die Influenza nahezu verschwunden, nicht nur in Deutschland, sondern praktisch weltweit, wie das Wissenschaftsmagazin Scientific American berichtet. Anders als bei Sars-CoV-2 haben viele Menschen bereits eine Immunität gegen den ein oder anderen Stamm der Grippeviren. Die Folge: Während sich Corona auch während der Hygiene- und Abstandsregeln noch ausbreiten kann, weil es auf Bevölkerungsebene fast überall noch wenig Immunität gibt, hat die Grippe es wirklich schwer. In den gesamten USA wurden in der aktuellen Grippesaison nur rund 600 Todesfälle durch die Influenza gezählt. Im Vorjahr waren es noch über 22.000.

Was die Folgen dieses Phänomens sind, darüber sind sich die Wissenschaftler uneins. Einige Kritiker befürchten, dass einigen Menschen nun praktisch so etwas wie eine Immunerfahrung fehlt und sie später heftiger an der Grippe erkranken könnten, wenn die Viren zurückkehren. Andere Forscher argumentieren, durch die niedrigen Fallzahlen würden auch mögliche Mutationen gebremst, wodurch Impfstoffe effektiver sein und die Influenza längere Zeit zurück halten könnten.

Update 01.02. - So funktioniert das Sentinelsystem

Beim Sentinelsystem schicken einige repräsentativ ausgewählte Arztpraxen jede Woche Proben zu Labortests von Patienten, die mit Atemwegserkrankungen in eine Sprechstunde gekommen sind. Von den insgesamt 158 eingeschickten Proben in der dritten Kalenderwoche 2021 (16 bis 22. Januar) enthielten 27 respitatorische Viren. Von diesen 27 wiederum enthielten 17 das Sars-Coronavirus-2, neun gewöhnliche Rhinoviren und eine ein saisonales, humanes Coronavirus. Influenzaviren konnten bei Sentinel wieder nicht gefunden werden (die Zahlen aus der Tabelle stammen von den noch umfänglicheren Pflichtmeldungen aller Labors an das Robert Koch-Insitut).

Update 08.12. - Influenza Inzidenz auf niedrigem Niveau

Ende November 2019 nahm die Grippesaison des Vorjahres ganz langsam an Fahrt auf. In der Kalenderwoche 48 (23. bis 29. November 2019) wurden mehr als 200 neue Infektionen mit Influenzaviren gemeldet. Davon ist das Jahr 2020 weit entfernt. Die coronabedingten Abstandsgebote und Hygieneregeln dämmen die Ausbreitung der Grippe stark ein, die Zahl der gemeldeten Infektionen bleibt auf einem niedrigen Niveau stabil. Das gilt für alle Altersgruppen, wie auch die aktuellste Auswertung der Daten aus dem Citizen-Science Protal "Grippe-Web" zeigt. Mit "Grippe-Web" sammelt die Arbeitsgemeinschaft Influenza beim Robert Koch-Institut Selbstauskünfte über den Gesundheitszustand der Teilnehmer.

Update 27.11. - Coronamaßnahmen verhindern Influenza in Hong Kong

Die Zahl der Grippefälle bleibt weiterhin deutlich unter der des Vorjahres. Immer mehr Studien zeigen, dass die Corona-Schutzmaßnahmen auch in den USA und in Hong Kong zu weniger Übertragungen von Erkältungs- und Influenzaviren führen. Dafür könnte nach dem Stopp der Kontakverbote die Supergrippewelle drohen.

Update 4.11. - Kaum Influenza in Australien

Nach wie vor treten nur sehr wenige Infektionen mit Influenza auf, im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigen die aktuellen Werte der Arbeitsgemeinschaft Influenza, Stand 43. KW (17.-23.10.2020). Die Zahlen können allerdings noch nachträglich steigen, da die Labore noch Fälle nachmelden können. Zum Herbstbeginn befürchteten viele Fachleute: Trifft die Corona-Pandemie auf die Grippewelle, könnte die Zahl freier Krankenhausbetten zusammenschmelzen, wie ein Eiswürfel unter einem Brennglas.

Allerdings zeigt sich derzeit: Seit die Beschränkungen wegen der Pandemie in Kraft sind, ist von der Grippe praktisch nichts mehr zu sehen. Weder in Europa, wo die Zahl der Grippefälle im März und April praktisch unter die Schwelle der Messbarkeit gesunken war, noch in Australien oder Neuseeland, wo in den Südhalbkugel-Wintermonaten Juni bis September praktisch kaum Grippefälle gezählt wurden.

Keine Grippe in Australien

Das Robert Koch-Institut gibt in Deutschland wöchentlich einen Influenzabericht heraus. Der aus der 42. Kalenderwoche, also der Zeit zwischen dem 12. und dem 18. Oktober, zeigte: Gerade einmal 15 Fälle von Influenza haben deutsche Labore in dieser Zeit diagnostiziert und an das RKI gemeldet. Für die Woche lag die Aktivität der Grippeviren in insgesamt 23 Ländern, darunter Deutschland, unter den definierten Schwellenwerten. Noch ist es deutlich zu früh, von einem Ausfall der Grippewelle zu sprechen. Aber die Daten passen zu den Beobachtungen, die ein Forscherteam um Thomas Hills vom medizinischen Forschungsinstitut Neuseeland gemacht hat.

Die Wissenschaftler werteten die WHO-Aufzeichnungen der diesjährigen Grippemonate auf der Südhalbkugel aus. Dort sind die kalten Monate April bis September. In diesem Jahr sei die Influenza-Aktivität dort kaum messbar gewesen, schreiben die Forscher im Fachblatt "The Lancet". Und zumindest für Australien können sie ausschließen, dass vor allem auf Corona ausgerichtete Teststrategien die Grippeerreger nur übersehen hätten. Dort wurden mehr Grippetests durchgeführt, als in den Vorjahren, die aber weniger Influenzaviren nachweisen konnten.

Abstandsregeln künftig auch gegen Grippewellen?

Die Daten bestätigen Vermutungen, wonach die Schutzmaßnahmen gegen Corona – Maskenpflicht, Abstandgebote, Verbote von Veranstaltungen und Versammlungen – einen exzellenten Job gegen die Grippe erledigen. Vor diesem Hintergrund solle darüber nachgedacht werden, welche dieser nicht-pharmazeutischen Eingriffe sinnvolle Instrumente bei künftigen Grippe-Epidemien sein könnten, schreiben die Wissenschaftler.

106 Kommentare

MDR-Team vor 20 Wochen

@FactCheckCheck,
wenn Sie die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht überzeugen, ist das völlig in Ordnung. Wir möchten lediglich zu bedenken geben, dass Meinungen keine Fakten sind. Das geschieht erst, wenn Sie Aussagen wie "Grippe ist ansteckender als Corona" valide belegen können.
Wie Sie zur Erkenntnis kommen, dass die Daten von destatis keine Übersterblichkeit zeigen, können wir leider nicht nachvollziehen: https://www1.wdr.de/nachrichten/uebersterblichkeit-corona-statistik-erklaert-100.html

MDR-Team vor 20 Wochen

@FactCheckCheck,
wir haben Ihnen bereits geschrieben, warum die Maßnahmen gegen Corona eine Ausbreitung der Grippe verhindern.

Zur Grundimmunität: Welche Studie belegt, dass SARS und MERS zu einer Grundimmunität gegen SARS-CoV-2 geführt haben sollen?

Weiterhin suggeriert Ihr Kommentar, dass das Tragen von Masken gesundheitsschädlich sei. Diese Behauptung wurde mehrfach widerlegt, z.B. hier: https://www.br.de/nachrichten/wissen/faktenfuchs-koennen-masken-schaedlich-sein,Rwt3EGA

FactCheckCheck vor 20 Wochen

Ok, immerhin wird wohl eine eigentlich selbstverständliche Hygiene mal vorausgesetzt. Manche Virologen gehen schon von einer Grundimmunität wegen SARS und MERS aus und Versuche mit Blutproben haben auch eine schnelle Anpassung an SARS-COV2 gezeigt. Grippe kann auch seine Spikes austauschen, was COV nicht kann. Könnte es das nicht doch ansteckender machen? Inkubationszeit sollte auch keine Rolle spielen. KANN länger sein bei COV. COV verbreitet sich evtl. etwas länger unbemerkt und bleibt unbemerkt. Grippe merkt man eher, ja und trotzdem gingen die Leute raus und in die Arbeit. Maske hält auch nicht davor ab, sich ins Gesicht zu fassen. Grundimmunität, Inkubationszeit und vermeintlich bessere Hygiene der Leute erklärt es nicht für mich. Auszug vom Statistischem Bundesamt über Sterbefälle der letzten Jahre zeigt auch keine Übersterblichkeit. Letzten Jahre mit Grippe sogar schlimmer, was es für mich gefährlicher und ansteckender macht. Frage nach Gefälle und Unwirksamkeit bei COV bleibt.