Influenza in Deutschland Grippesaison 20/21: Seit einem Jahr keine Grippe mehr

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Seit Einführung der Coronaregeln im März 2020 registriert das Robert Koch-Institut kaum noch Grippefälle. Bei Labortests werden immer wieder Corona-Infektionen nachgewiesen, Influenzafälle gibt es dagegen kaum.

Mutter sitzt am Bett von krankem Sohn.
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Update 04. Mai - Ein Jahr ohne Influenza

Die Zahl der Influenzainfektionen in Deutschland bleibt dank der Coronaregeln weiterhin stabil niedrig. In 2020 wurde dieses Phänomen erstmals in der Kalenderwoche 13 richtig deutlich sichtbar. Mit anderen Worten: Deutschland ist seit nunmehr einem Jahr praktisch grippefrei.

Von Laboren bestätigte Grippefälle in Deutschland
Kalenderwoche 11 12 13 14 15 16 Gesamt seit Woche 40 (Anfang Oktober)
2019/20 19.422 10.967 3.685 1.318 523 437 185.535
2020/21 12 13 8 11 11 13 533

Update 01.02. - So funktioniert das Sentinelsystem

Beim Sentinelsystem schicken einige repräsentativ ausgewählte Arztpraxen jede Woche Proben zu Labortests von Patienten, die mit Atemwegserkrankungen in eine Sprechstunde gekommen sind. Von den insgesamt 158 eingeschickten Proben in der dritten Kalenderwoche 2021 (16 bis 22. Januar) enthielten 27 respitatorische Viren. Von diesen 27 wiederum enthielten 17 das Sars-Coronavirus-2, neun gewöhnliche Rhinoviren und eine ein saisonales, humanes Coronavirus. Influenzaviren konnten bei Sentinel wieder nicht gefunden werden (die Zahlen aus der Tabelle stammen von den noch umfänglicheren Pflichtmeldungen aller Labors an das Robert Koch-Insitut).

Update 08.12. - Influenza Inzidenz auf niedrigem Niveau

Ende November 2019 nahm die Grippesaison des Vorjahres ganz langsam an Fahrt auf. In der Kalenderwoche 48 (23. bis 29. November 2019) wurden mehr als 200 neue Infektionen mit Influenzaviren gemeldet. Davon ist das Jahr 2020 weit entfernt. Die coronabedingten Abstandsgebote und Hygieneregeln dämmen die Ausbreitung der Grippe stark ein, die Zahl der gemeldeten Infektionen bleibt auf einem niedrigen Niveau stabil. Das gilt für alle Altersgruppen, wie auch die aktuellste Auswertung der Daten aus dem Citizen-Science Protal "Grippe-Web" zeigt. Mit "Grippe-Web" sammelt die Arbeitsgemeinschaft Influenza beim Robert Koch-Institut Selbstauskünfte über den Gesundheitszustand der Teilnehmer.

Update 27.11. - Coronamaßnahmen verhindern Influenza in Hong Kong

Die Zahl der Grippefälle bleibt weiterhin deutlich unter der des Vorjahres. Immer mehr Studien zeigen, dass die Corona-Schutzmaßnahmen auch in den USA und in Hong Kong zu weniger Übertragungen von Erkältungs- und Influenzaviren führen. Dafür könnte nach dem Stopp der Kontakverbote die Supergrippewelle drohen.

Update 4.11. - Kaum Influenza in Australien

Nach wie vor treten nur sehr wenige Infektionen mit Influenza auf, im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigen die aktuellen Werte der Arbeitsgemeinschaft Influenza, Stand 43. KW (17.-23.10.2020). Die Zahlen können allerdings noch nachträglich steigen, da die Labore noch Fälle nachmelden können.

Zum Herbstbeginn befürchteten viele Fachleute: Trifft die Corona-Pandemie auf die Grippewelle, könnte die Zahl freier Krankenhausbetten zusammenschmelzen, wie ein Eiswürfel unter einem Brennglas.

Allerdings zeigt sich derzeit: Seit die Beschränkungen wegen der Pandemie in Kraft sind, ist von der Grippe praktisch nichts mehr zu sehen. Weder in Europa, wo die Zahl der Grippefälle im März und April praktisch unter die Schwelle der Messbarkeit gesunken war, noch in Australien oder Neuseeland, wo in den Südhalbkugel-Wintermonaten Juni bis September praktisch kaum Grippefälle gezählt wurden.

Keine Grippe in Australien

Das Robert Koch-Institut gibt in Deutschland wöchentlich einen Influenzabericht heraus. Der aus der 42. Kalenderwoche, also der Zeit zwischen dem 12. und dem 18. Oktober, zeigte: Gerade einmal 15 Fälle von Influenza haben deutsche Labore in dieser Zeit diagnostiziert und an das RKI gemeldet. Für die Woche lag die Aktivität der Grippeviren in insgesamt 23 Ländern, darunter Deutschland, unter den definierten Schwellenwerten. Noch ist es deutlich zu früh, von einem Ausfall der Grippewelle zu sprechen. Aber die Daten passen zu den Beobachtungen, die ein Forscherteam um Thomas Hills vom medizinischen Forschungsinstitut Neuseeland gemacht hat.

Die Wissenschaftler werteten die WHO-Aufzeichnungen der diesjährigen Grippemonate auf der Südhalbkugel aus. Dort sind die kalten Monate April bis September. In diesem Jahr sei die Influenza-Aktivität dort kaum messbar gewesen, schreiben die Forscher im Fachblatt "The Lancet". Und zumindest für Australien können sie ausschließen, dass vor allem auf Corona ausgerichtete Teststrategien die Grippeerreger nur übersehen hätten. Dort wurden mehr Grippetests durchgeführt, als in den Vorjahren, die aber weniger Influenzaviren nachweisen konnten.

Abstandsregeln künftig auch gegen Grippewellen?

Die Daten bestätigen Vermutungen, wonach die Schutzmaßnahmen gegen Corona – Maskenpflicht, Abstandgebote, Verbote von Veranstaltungen und Versammlungen – einen exzellenten Job gegen die Grippe erledigen. Vor diesem Hintergrund solle darüber nachgedacht werden, welche dieser nicht-pharmazeutischen Eingriffe sinnvolle Instrumente bei künftigen Grippe-Epidemien sein könnten, schreiben die Wissenschaftler.

100 Kommentare

goffman vor 1 Wochen

@ FactCheckCheck: Vielleicht sollten Sie Ihre Behauptungen checken, bevor Sie diese als Fakten verkaufen. Hier mal eine Studie von 2010! die zum Ergebnis kommt, dass schon Masken und Handhygiene die Ausbreitung von Influenza verringern: "Unmasking the Confusion of Respiratory Protection to Prevent Influenza-Like Illness in Crowded Community Settings"
Titus L. Daniels, Thomas R. Talbot, The Journal of Infectious Diseases, Volume 201, Issue 4, 15 February 2010, Pages 483–485

Auch für Covid-19 gibt es mittlerweile haufenweise seriöse Studien, welche die Wirksamkeit der Maßnahmen belegen.

Ich denke Sie machen den Fehler und verwechseln Wirksamkeit mit 100% Schutz.

Wieso ist es so schwer zu akzeptieren, dass die Maßnahmen gegen beide Krankheiten wirken, aber weil eine eben infektiöser ist, diese trotz der Maßnahmen nicht komplett verhindert, sondern eben nur eingedämmt wird? (und das wird sie, wie der Internationale Vergleich zeigt)

MDR-Team vor 1 Wochen

@FactCheckCheck,
das ist richtig: Die Maßnahmen gegen Corona verhindern eine Ausbreitung der Grippe. Gründe gibt es viele: Beispielsweise ist die Inkubationszeit bei Grippe kürzer als bei COVID-19. SARS-CoV-2 hat damit die Möglichkeit, sich viel länger unbemerkt weiter zu verbreiten. Auch ist COVID-19 ansteckender, weil es z.B. (anders als bei Grippe) keine Grundimmunität in der Bevölkerung gibt. Zudem könnte es eine Rolle spielen, dass sich Coronaviren im oberen Rachenraum vermehren, während das bei Grippenviren eher im tieferen Atemtrakt geschieht.

FactCheckCheck vor 1 Wochen

Grippe 80-120nm <> SARS-CoV-2 60-140nm
Ach ja-es sind doch die Aerosole und die werden von der Maske gefiltert, weil sie dann eine Größe haben, die FFP3 und sogar die notwendige FFP2 filtern können. Ändert sich bei Grippe die Größe der Tröpfchen in den Aerosolen? Sind die Tröpfchen mit Corona kleiner und werden dann schlechter gefiltert? Sind wohl die neuen Supermutationen, weil zu beginn sogar ein Tuch ausreichte.