Influenza in Deutschland Grippesaison 20/21: Corona statt Influenza

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Das Robert Koch-Institut registriert weiterhin kaum Grippefälle in der Saison 2020/21. Bei Labortests werden immer wieder Corona-Infektionen nachgewiesen, Influenzafälle gibt es dagegen kaum.

Mutter sitzt am Bett von krankem Sohn.
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Update 25.01.

Im Vorjahr waren die Grippefallzahlen in der zweiten Kalenderwoche stark angestiegen, in diesem Jahr bleiben sie weiterhin konstant niedrig. Die Influenzainfektionen sind nach wie vor kaum messbar.

Von Laboren bestätigte Grippefälle in Deutschland
Kalenderwoche 48 49 50 51 52 53/01 02 Gesamt seit Woche 40 (Anfang Oktober)
2019/20 277 398 769 1.149 776 1.441 2.821 8.597
2020/21 26 25 24 27 27 15/34 29 334

Update 19.01.

Lockdown und Abstandsgebote dämmen nicht nur Corona, sondern vor allem die Grippe und Erkältungen ein. Die Werte liegen auch zum Jahresbeginn deutlich unter denen der Vorjahre. Beim sogenannten Sentinelsystem schicken einige über Deutschland verteilte Arztpraxen Laborproben von Patienten mit Erkältungssymptomen ein. Dazu führt der aktuelle Influenza-Wochenbericht aus: "Im Nationalen Referenzzentrum für Influenzaviren wurden in der ersten Kalenderwoche 2021 in insgesamt 34 der 138 eingesandten Sentinelproben respiratorische Viren [also Viren, die die Atemwege angreifen] identifiziert, darunter 14 mit Rhinoviren und 20 mit SARS-CoV-2. Influenzaviren wurden nicht nachgewiesen."

Update 07.01. - Influenza bleibt die Ausnahme

Der Trend setzt sich fort, auch in den letzten Tagen des Jahres. Zum Jahreswechsel 2020/2021 ist laut RKI die "Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE-Raten) in der Bevölkerung (GrippeWeb) ... im Vergleich zu den Vorwochen bundesweit weiter zurückgegangen".

Update 28.12. - Auch zum Jahreswechsel kaum Influenza

Auch zum Jahresende 2020 gibt es weiterhin kaum Neuinfektionen von Influenza. Im Vorjahr gewann zu dieser Zeit die Grippewelle an Dynamik.

Update 21.12. - Influenza stabil niedrig

Während zum Jahresende 2019 die Kurve der Influenzafälle steil ansteigt, bleibt sie 2020 stabil niedrig. Auch in der 50. Meldewoche (5.-11.12.) bleibt die Zahl der von Laboren bestätigten Grippefälle in Deutschland unter 30.

Update 15.12. - kaum neue Influenzafälle

Auch in der 49. Meldewoche 2020 (28.11. bis 04.12.) registriert die Arbeitsgemeinschaft Influenza nur wenige Neuansteckungen mit Grippe.

Update 08.12. - Influenza Inzidenz auf niedrigem Niveau

Ende November 2019 nahm die Grippesaison des Vorjahres ganz langsam an Fahrt auf. In der Kalenderwoche 48 (23. bis 29. November 2019) wurden mehr als 200 neue Infektionen mit Influenzaviren gemeldet. Davon ist das Jahr 2020 weit entfernt. Die coronabedingten Abstandsgebote und Hygieneregeln dämmen die Ausbreitung der Grippe stark ein, die Zahl der gemeldeten Infektionen bleibt auf einem niedrigen Niveau stabil. Das gilt für alle Altersgruppen, wie auch die aktuellste Auswertung der Daten aus dem Citizen-Science Protal "Grippe-Web" zeigt. Mit "Grippe-Web" sammelt die Arbeitsgemeinschaft Influenza beim Robert Koch-Institut Selbstauskünfte über den Gesundheitszustand der Teilnehmer.

Update 27.11. - Coronamaßnahmen verhindern Influenza in Hong Kong

Die Zahl der Grippefälle bleibt weiterhin deutlich unter der des Vorjahres. Immer mehr Studien zeigen, dass die Corona-Schutzmaßnahmen auch in den USA und in Hong Kong zu weniger Übertragungen von Erkältungs- und Influenzaviren führen. Dafür könnte nach dem Stopp der Kontakverbote die Supergrippewelle drohen.

Update 4.11. - Kaum Influenza in Australien

Nach wie vor treten nur sehr wenige Infektionen mit Influenza auf, im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigen die aktuellen Werte der Arbeitsgemeinschaft Influenza, Stand 43. KW (17.-23.10.2020). Die Zahlen können allerdings noch nachträglich steigen, da die Labore noch Fälle nachmelden können.

Zum Herbstbeginn befürchteten viele Fachleute: Trifft die Corona-Pandemie auf die Grippewelle, könnte die Zahl freier Krankenhausbetten zusammenschmelzen, wie ein Eiswürfel unter einem Brennglas.

Allerdings zeigt sich derzeit: Seit die Beschränkungen wegen der Pandemie in Kraft sind, ist von der Grippe praktisch nichts mehr zu sehen. Weder in Europa, wo die Zahl der Grippefälle im März und April praktisch unter die Schwelle der Messbarkeit gesunken war, noch in Australien oder Neuseeland, wo in den Südhalbkugel-Wintermonaten Juni bis September praktisch kaum Grippefälle gezählt wurden.

Keine Grippe in Australien

Das Robert Koch-Institut gibt in Deutschland wöchentlich einen Influenzabericht heraus. Der aus der 42. Kalenderwoche, also der Zeit zwischen dem 12. und dem 18. Oktober, zeigte: Gerade einmal 15 Fälle von Influenza haben deutsche Labore in dieser Zeit diagnostiziert und an das RKI gemeldet. Für die Woche lag die Aktivität der Grippeviren in insgesamt 23 Ländern, darunter Deutschland, unter den definierten Schwellenwerten. Noch ist es deutlich zu früh, von einem Ausfall der Grippewelle zu sprechen. Aber die Daten passen zu den Beobachtungen, die ein Forscherteam um Thomas Hills vom medizinischen Forschungsinstitut Neuseeland gemacht hat.

Die Wissenschaftler werteten die WHO-Aufzeichnungen der diesjährigen Grippemonate auf der Südhalbkugel aus. Dort sind die kalten Monate April bis September. In diesem Jahr sei die Influenza-Aktivität dort kaum messbar gewesen, schreiben die Forscher im Fachblatt "The Lancet". Und zumindest für Australien können sie ausschließen, dass vor allem auf Corona ausgerichtete Teststrategien die Grippeerreger nur übersehen hätten. Dort wurden mehr Grippetests durchgeführt, als in den Vorjahren, die aber weniger Influenzaviren nachweisen konnten.

Abstandsregeln künftig auch gegen Grippewellen?

Die Daten bestätigen Vermutungen, wonach die Schutzmaßnahmen gegen Corona – Maskenpflicht, Abstandgebote, Verbote von Veranstaltungen und Versammlungen – einen exzellenten Job gegen die Grippe erledigen. Vor diesem Hintergrund solle darüber nachgedacht werden, welche dieser nicht-pharmazeutischen Eingriffe sinnvolle Instrumente bei künftigen Grippe-Epidemien sein könnten, schreiben die Wissenschaftler.

57 Kommentare

MDR-Team vor 7 Tagen

Hallo @Rain Man, könnten Sie bitte kennzeichnen woher dieses Zitat stammt? Danke. Und einen ewigen Lockdown will niemand. Auch nicht die Regierung. Und natürlich muss geprüft werden, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche nicht. Da die Fallzahlen aber leider nicht wesentlich zurückgehen und das Gesundheitssystem absolut an seinen Grenzen ist, können die Maßnahmen noch nicht gelockert werden. Auch in Hinblick auf die Mutation des Virus, die für eine zusätzliche Belastung sorgen könnte. LG, das MDR-Wissen Team

MDR-Team vor 7 Tagen

Hallo @wo geht es hin, die aktuellen Zahlen der WHO zeigen, dass die USA noch immer die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit Corona aufweisen. Derzeit sind es 392.641 Fälle. In Deutschland sind es 47.622 Fälle. Natürlich sind die meisten der Betroffenen in der Risikogruppe der älteren Personen zu finden. Sie sind viel anfälliger für einen schweren oder tödlichen Verlauf als andere. deshalb stehen sie bei der Impfpriorität auch an erster Stelle. LG, das MDR-Wissen Team

MDR-Team vor 7 Tagen

@Rain Man, in Deutschland herrscht Meinungsfreiheit. Regierungskritiker werden nicht zensiert, solange sie mit ihren Äußerungen keinen Straftatbestand erfüllen und sich auf den jeweiligen Plattformen an die Regeln halten. Natürlich bedeutet das nicht, dass ihre Meinung unkommentiert bleibt. LG, das MDR-Wissen-Team