Coronavirus Intensivmediziner: Lockdown-Öffnungen erst ab April

Deutsche Intensivmediziner warnen vor einem Ende des Lockdowns ab 7. März, der eine enorme dritte Welle von Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen zur Folge hätte. Ab April wäre die Lage beherrschbarer.

Eine Ärztin auf Intensivstation
Pflegerin auf der Intensivstation der Dresdner Uniklinik (Archivbild): Die deutsche Vereinigung für Intensivmedizin warnt vor raschen Lockerungen des Lockdowns, sonst drohe eine dritte Welle. Bildrechte: IMAGO / Max Stein

Mediziner und Wissenschaftler der Deutschen Vereinigung der Intensivmediziner (DIVI) haben mit drastischen Zahlen vor raschen Lockerungen des Lockdowns gewarnt. Würde ab 7. März geöffnet, drohten je nach Virustyp zwischen 6.000 und im schlimmsten Fall bis zu 25.000 neue Covid-19-Patienten auf deutschen Intensivstationen. "Eine solche Belastung wäre nach den ersten beiden Wellen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kliniken kaum noch zu verkraften", sagte der frühere DIVI-Präsident Professor Uwe Janssens bei eine Pressekonferenz am Donnerstag.

Bei Öffnung im März droht dritte Welle

Basis sind Berechnungen zur Reproduktionsrate (R) des bisherigen sogenannten Wildtyps des Coronavirus sowie der neuen britischen Variante B.1.1.7.. Unter den Bedingungen des aktuellen Lockdowns liegt R gegenwärtig bei 0,85. Zudem wurden verschiedene Geschwindigkeiten bei den Impfungen einberechnet.

Werde zum 7. März geöffnet, könne der R-Wert auf 1,2 bis 1,5 steigen. Selbst wenn es gelänge, die Zahl der täglichen Impfungen auf 350.000 zu steigern, drohte eine dritte Welle von neuen Patienten auf den Intensivstationen. "Dann landen wir mindestens wieder bei einer Belegung von 4.000 Betten", sagte DIVI-Experte Christian Karagiannidis.

Drei Wochen bringen den Unterschied

Könnten die Lockerungen dagegen bis zum 1. April hinausgezögert werden, würde auch bei langsam voranschreitenden Impfungen eine gefährliche dritte Welle verhindert werden. "Nur drei Wochen mehr Disziplin machen hier einen enormen Unterschied", sagte Karagiannidis.

Die Forscher betonen, dass sich die Zuverlässigkeit der Rechenmodelle im Rückblick bestätigt habe. "Die Abweichungen liegen bei fünf bis zehn Prozent, sind also sehr genau", sagte Professor Andreas Schuppert von der RWTH Aachen. Bislang sei es damit gelungen, die tatsächlichen Belastungen der Intensivstationen zutreffend vorauszuberechnen. Die hatten mit über 6.000 Covid-19-Patienten im Januar den bisherigen Höhepunkt in der Pandemie verkraften müssen.

(ens)

1 Kommentar

Ritter Runkel vor 10 Wochen

Leider wurden Therapien in der ganzen Zeit sträflich vernachlässigt, da man zu sehr auf die Impfung fixiert war. Es gibt ein paar interessante Ansätze bezüglich der Therapien, die sollten jetzt, da es ja endlich Impfstoff gibt, weiterverfolgt werden und angewendet werden. Zum Beispiel wurde in der Uni Gießen eine Schwachstelle im Spikeptotein gefunden, die man benutzen könnte, um das Virus am Replizieren zu hindern. Wenn man jetzt den Fokus auf Therapien richten würde, könnte man dem Virus Herr werden. Ich frage mich schon länger, warum Therapien nicht richtig erforscht wurden, weil meines Erachtens Impfung und Therapie Hand in Hand gehen sollten.