Entwicklung an der TH Lübeck KI kann Whisky am Geruch erkennen

Künstliche Intelligenz (KI) wird immer leistungsfähiger. Deutsche Forschende haben nun eine KI entwickelt, die in der Medizin helfen soll – und demonstrieren ihr Können am Geruch von Whisky.

Whiskyglas vor Whiskyfässern
Verschiedene Whisky-Sorten unterscheiden kann die in Lübeck entwickelte KI noch nicht. Bildrechte: imago/imagebroker

Die Wissenschaftler der Technischen Hochschule Lübeck um Prof. Horst Hellbrück forschen schon seit Längerem zu den Möglichkeiten des praktischen Einsatzes von Künstlicher Intelligenz. Ihre aktuellste Entwicklung funktioniert wie eine künstliche Nase aus Kunststoff und kann beispielsweise Whisky am Geruch erkennen. Wird die Spirituose an die Apparatur gehalten, leuchtet ein grüner Smiley auf – mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent.

KI könnte in der Medizin Anfangsdiagnosen erstellen

"Wir sind aber noch nicht so gut wie ein Spürhund", betont Hellbrück. Zwischen Scotch und Bourbon kann das Gerät noch nicht unterscheiden, erst recht nicht zwischen einzelnen Whiskey-Sorten. Die KI mit Schweinsnase verfügt über vier Sensoren mit denen unter anderem die Kohlenmonoxid-Konzentration in der Luft gemessen werden kann. Damit lassen sich dort verschiedene Stoffe unterscheiden. "Wir wollen damit zeigen, wie sich KI anwenden lässt. Man benötigt dafür keine Großrechner mehr", erklärt der Entwickler. Dazu kosten die einzelnen Bauteile zusammen auch weniger als 100 Euro. Das vorgestellte Gerät kann dabei nicht nur Whisky, sondern etwa auch Kaffee in der Raumluft erkennen. Dazu könnte die KI beispielsweise auch warnen, wenn an einem Industrie-Arbeitsplatz die Konzentration von Gefahrstoffen zu hoch ist. "Und zwar bevor der Mensch mit den Problemen kämpft", so Hellbrück.

Außerdem sollen künftig auch Einsätze in der Medizin möglich sein. Derzeit wird an einer Technik gearbeitet, um per Smartphone in der Hausarzt-Praxis zum Beispiel Augen zu untersuchen und über die KI erste Diagnosen stellen zu können. Damit sollen später vor allem auf dem Land die weiten Wege zu Facharzt-Praxen teilweise wegfallen. "Wir wollen damit jetzt aber nicht den Augenarzt ersetzen", sagt Hellbrück. Stattdessen sollen es beispielsweise Diabetes-Patienten künftig leichter haben, indem Kontroll-Untersuchungen beim Hausarzt erfolgen und sie nicht immer zu Spezialisten müssen. Letztlich müsse beim Thema KI noch viel erklärt werden, um mögliche Ängste zu nehmen, betont der Experte. Dabei sei die Technik auch heute schon weit verbreitet: "Oft merken die Menschen gar nicht, dass sie es mit einer KI zu tun haben. Wenn man den Nutzen spürt, verliert man auch die Angst davor."

dpa/cdi

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Bildrechte: Technische Universität Dresden

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