Erfolgreicher Start Mission Mars2020 – Technik aus Jena und MDR Wissen fliegen mit

Pünktlich 13:50 Uhr unserer Zeit ist die Atlas V 541 Rakete heute (30. Juli) von Cape Canaveral gestartet. Nach mehr als zehn Jahren Vorbereitung beginnt damit ein neues Mars-Abenteuer der NASA. Neben einem Rover soll zum ersten Mal ein Fluggerät auf einem anderen Planeten landen und dort fliegen. Mit an Bord ist auch Technik aus Jena und MDR Wissen.

Eine Rakete startet
30. Juli 2020, 07:50 Ortszeit. Die Atlas V 541 startet von Cape Canaveral. An Bord die neue Mission Mars2020. Bildrechte: Youtube/NASA

Für die NASA ist das Projekt Mars2020 eines der wichtigsten des Jahres. Doch der Rover und der Helikopter sind nicht allein unterwegs. Fast 700.000 Menschen fliegen mit – auch MDR Wissen. Wie das geht? An Bord des Rovers ist ein Chip, auf dem alle Namen der Menschen (oder wie in unserem Fall der Redaktion), die mit auf den Mars wollen und sich dafür bei der NASA angemeldet haben, eingraviert sind. Und zwar in extrem klein. Die Textzeilen sind kleiner als ein Tausendstel der Breite eines menschlichen Haares (75 Nanometer). Dadurch passen alle Namen auf einen einzigen Chip in Cent-Größe.

Boarding Pass
Der Boarding-Pass von MDR Wissen für die Reise zum Mars. Bildrechte: NASA/ MDR Wissen

Viel wichtiger ist aber die Technik. Der Rover Perseverance (Beharrlichkeit) selbst soll mindestens ein Marsjahr arbeiten – also 687 Tage. Helikopter Ingenuity (Einfallsreichtum) wird, wenn es klappt, das erste menschliche Fluggerät auf einem anderen Himmelskörper sein. Die Kameras werden 360-Grad-Panoramen und 3D-Bilder liefern und ein Bohrer soll Gesteinsproben aus einigen Zentimeter Tiefe entnehmen, die 2030 zurück zur Erde transportiert werden sollen. Und auch Mitteldeutschland ist wieder mit dabei, wie schon beim letzten Marslander InSight. Thermosensoren und Objektive aus Jena sind mit an Bord.

Eine Hand hält einen Minisensor.
Thermosensor aus dem Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena. Drei dieser Sensoren kommen im Mars-Rover Perseverance zum Einsatz. Bildrechte: Sven Döring/ Leibniz-IPHT

Während manche sich angesichts von drei Missionen in wenigen Tagen bereits die Frage stellen, warum gerade alle zum Mars wollen – und andere Planeten wie etwa die Venus außen vor sind –, ist für Planetenforscher Ernst Hauber vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) der Grund ganz klar. Weil wir hier wichtige Antworten finden – auch für die Erde.

Ist das, was wir auf der Erde kennen, allgemein gültig oder ist das eine Besonderheit, ist die Erde eine Ausnahme? Dafür müssen wir andere Planeten studieren. Der Mars ist deswegen so interessant, weil er Wasser auf seiner Oberfläche hatte und immer noch in Form von Eis hat, und weil er deswegen als einziger Planet im Sonnensystem bewohnbar gewesen sein könnte.

Ernst Hauber, DLR-Planetenforscher

Der Platz, an dem die Mission am 18. Februar 2021 landen soll, ist deshalb von besonderer Bedeutung. Es ist der Krater Jezero, der sich am westlichen Rand von Isidis Planitia befindet, einem der größten Einschlagsbecken auf dem Mars, nördlich des Marsäquators bei etwa 18 Grad Breite und 77 Grad Länge.

Eine Karte des Planeten zeigt die Landestellen der Marsmissionen
Die Landeplätze aller bisherigen und aktuellen Missionen. Mars2020 oberhalb der Mitte im vierten Quadrat von rechts. Bildrechte: NASA/JPL/USGS-MOLA;DLR

Sehr wahrscheinlich war dieses Gebiet vor etwa 3,5 Milliarden Jahren ein See (daher auch der Name, Jezero steht im Slawischen für See). Wissenschaftler halten es für möglich, dass Flüsse, die in Jezero mündeten und durch ihn gespeist wurden organische Moleküle oder andere potenzielle Anzeichen mikrobiellen Lebens, vielleicht sogar Mikroorganismen, mit sich führten, so das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR).

Wenn Menschen statt Roboter den Mars erforschen

Der Mars "könnte also von Organismen besiedelt gewesen sein", so Planetenforscher Hauber. "Das ist eine der wichtigsten Fragen, der wir nachgehen mit der Planetenforschung." Natürlich keine kleinen grünen Männchen, aber auch keine Pflanzen, so Hauber, sondern allerkleinste Mikroorganismen, und die vielleicht sogar im Marsboden, Meter unter der Erde.

Mars Helicopter Ingenuity 1 min
Bildrechte: NASA

Noch sind es Roboter, die den Mars erkunden. Aber die Pläne für bemannte Flüge existieren bereits. Doch das Leben auf dem Mars wird alles andere als Spaß. Die einzige Behausung ist anfangs die Landekapsel. Laufen auf dem Mars geht nur in extrem sicheren Schutzanzügen. Und alles Lebensnotwendige ist knapp – Wasser, Essen, Sauerstoff. Sollte man wegen all der Schwierigkeiten das Erkunden des Mars nicht weiter den Robotern überlassen? Planetenforscher Hauber widerspricht.

Der Mensch ist nun mal sehr viel flexibler und schneller, was solche Sachen betrifft. Man würde also Proben nehmen, man würde viel gezielter nach bestimmten Dingen schauen können, man könnte besser nach Leben suchen als mit robotischen Missionen, man könnte insgesamt sehr viel mehr machen.

Ernst Hauber

gp

1 Kommentar

Naturfreund vor 11 Wochen

Ich sehe durch solche Missionen auch die positiven Fähigkeiten der Menschen bestätigt. Würde ich selbst dorthin fliegen, dann würde ich angesichts des menschlichen Chaos auf unserem Planeten nicht wieder zur Erde zurück wollen - trotz aller Widrigkeiten auf dem Mars . Aber allein unsere Leistungen in der Computertechnik, Sensorik und Antriebstechnik, die vielen ungenannten Wissenschaftler und Techniker, für eine Mission in gnadenloser Umgebung aus Strahlung, Staub, Kälte, Hitze, ec.. sind der Notwendigkeit geschuldet unsere ungewisse Zukunft zu erforschen und ggf. zu sichern. Diese Ungewissheiten sind nicht nur menschlicher Art - auch die Veränderungen im Universum und der Verbleib unserer Existenz allgemein machen solche teuren Forschungen notwendig. Ich hoffe nur, dass die diesmal endlich ein leistungsstarkes Bohrgestänge mitgenommen haben... Ansonsten wünsche ich dieser Mission viel Erfolg, weil es auch mich als Laien in technischer Sichtweise sehr begeistert.