Hebamme und Geburtshelferin Sophie 60 min
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Geburtsmedizin Plazenta-Schäden verraten Müttern Gesundheitsprobleme

22. September 2024, 15:00 Uhr

Die Plazenta, oder der Mutterkuchen, ist ein phänomenales Organ, das ungeborene Kinder im Mutterleib versorgt. In der Forschung wird ihr Potential aber unterschätzt, sagt ein US-Forschungsteam.

In der Geburtshilfe und in der Neugeborenenversorgung spielt die Plazenta bisher keine große Rolle. Das sollte sich unbedingt ändern, mahnt jetzt ein Forschungsteam aus den USA. "Man sollte Plazenta nicht länger als Restgewebe behandeln", schreibt Mana Parast. Oder einfacher gesagt: Der Mutterkuchen ist kein schäbiger Rest oder nutzloses Abfallgewebe.

Parast ist Ärztin und Professorin an der School of Medicine der University of California San Diego. Mit einem Team hat sie untersucht, wie viele Veröffentlichungen es über das Organ gibt, über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren (1970 bis 2022). Verglichen mit Forschungsarbeiten über das Gehirn erreicht die Plazenta-Forschung demnach nicht einmal fünf Prozent dessen, was allein übers Gehirn veröffentlicht wurde.

Was Plazenta-Veränderungen verraten

Parast schreibt in ihrem Artikel im Fachmagazin Trends in Molecular Medicine: "An der Plazenta kann man nicht nur ablesen, was in der Schwangerschaft falsch lief, sondern aus ihr auch Informationen beziehen, die für weitere Schwangerschaften und die spätere Gesundheit von Mutter und Kind nützlich sind."

Plazenta noch verbunden mit neugeborenem Kind
Es gibt Routinen in den Geburtsstationen. Teil der Routinen sollten Plazenta-Analysen sein, sagen US-Forscher. Bildrechte: IMAGO / Wirestock

Spezielle Gewebeschäden an der Plazenta geben der Forscherin zufolge Hinweise auf künftige Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Mutter. Andere Schäden am Mutterkuchen verraten, wie weitere Schwangerschaften verlaufen können, ob ein Risiko für eine Präemklampsie (Bluthochdruck und übermäßige Eiweißausscheidungen) oder eine weitere Totgeburt bestehen könnte. Bislang wird die Plazenta nur dann untersucht, wenn es zu einer Totgeburt kam. Noch andere Veränderungen an der Plazenta werden unter anderem auch mit einer kleinen Geburtsgröße des Kindes oder kardiovaskulären Problemen der Mutter in Verbindung gebracht.

Deshalb plädieren Parast und ihr Team dafür, standardmäßig in der Geburtshilfe und Frühgeburts-Versorgung die Plazenta zu untersuchen und analysieren. Das könnte das Verständnis für die Hintergründe von Schwangerschaftskomplikationen oder Totgeburten erhöhen.

Placenta-Forschung in Hamburg und Jena

Die Plazenta wird in Kliniken entsorgt, sozusagen als Abfall. Sie ist "das am wenigsten erforschte Organ", heißt es beim Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, wo die Entzündungen der Plazenta Forschungsgegenstand sind. Auch die Uniklinik Jena untersucht das verborgene Potential dieses wichtigen Organs. In verschiedenen Projekten werden gespendete Blut- und Gewebeproben aus gesunden und veränderten Plazenten erforscht. Hier informiert die Universität über ihre verschiedenen Forschungsansätze.

Links/Studien

Incorporating placental pathology into clinical care and research. Hier lesen Sie den kompletten Artikel.

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 05. Mai 2024 | 19:00 Uhr

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