Covid-19 Corona könnte saisonale Erkrankung werden - wenn wir Herdenimmunität erreichen

Covid-19 könnte sich wie eine gewöhnliche Grippe entwickeln und jährlich wiederkehren. Dazu müssten wir aber erst eine breite Immunität entwickeln - bis dahin bleiben umfangreiche Corona-Schutzmaßnahmen nötig.

Corona-Viren, Blutprobe, Impfdosis und Spritze
Bildrechte: imago images / Alexander Limbach

Wie sich die Grippe-Viren verhalten, wissen wir nur allzu gut: Alljährlich befallen sie uns in der kalten Jahreszeit und verursachen Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen und teilweise noch Schlimmeres. Mit einer jährlich erneuerten Schutzimpfung lässt sich dieses Problem aber zumindest in Teilen in den Griff bekommen.

Schutzmaßnahmen werden uns lange beschäftigen

Das neuartige Coronavirus könnte sich ähnlich verhalten, wie Wissenschaftler aus dem Libanon und Katar nun herausgefunden und als Studie im Fachportal "Frontiers in Public Health" veröffentlicht haben. Demnach könnte die Sars-CoV-2 verursachte Krankheit Covid-19 vor allem in Erdregionen mit gemäßigtem Klima saisonal wiederkehren - allerdings erst, wenn Herdenimmunität erreicht wurde, also ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung immun gegen Covid-19 ist.

Bis dahin werde die neue Krankkeit auch zwischen ihren jeweiligen Saisons zirkulieren, betonen die Forscher um Dr. Hassan Zaraket von der American University in Beirut und Dr. Hadi Yassine von der Qatar University in Doha. Darum sei es auch besonders wichtig, Sars-CoV-2 so schnell wie möglich mit den bekannten Schutzmaßnahmen wie Masken, Social Distancing und Handdesinfektion in den Griff zu bekommen.

Der Mediziner Dr. Hassan Zaraket
Dr. Hassan Zaraket. Bildrechte: Dr. Hassan Zaraket.

Covid-19 ist gekommen, um zu bleiben und es wird ganzjährig ausbrechen, bis wir Herdenimmunität erreicht haben.

Dr. Hassan Zaraket, Virologe

Auch andere Coronaviren kommen saisonal wieder

Die Forscher stützen ihre Vorhersage auf den Fakt, dass die meisten Viren, die die Atemwege befallen, einem Jahreszeitenmuster folgen. So treten die Grippe und verschiedene von Coronaviren verursachte Erkrankungen in gemäßigten Klimaregionen vor allem im Winter auf, während sie in den Tropen das ganze Jahr über zirkulieren. Die Übertragung dieser Virenarten hängt ähnlich wie bei Sars-CoV-2 besonders von der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit ab.

Beim neuartigen Coronavirus ist die sogenannte Basisreproduktionszahl R0 aktuell noch deutlich höher als bei Grippeviren, da die Bevölkerung zu großen Teilen noch keine Immunität gegen sie aufgebaut hat. Das wird sich aber nach Ansicht der Wissenschaftler langfristig ändern, wenn eine Herdenimmunität erreicht ist. Die Verbreitung von Sars-CoV-2 wird dann abhängiger von saisonalen Faktoren, wie es auch schon bei den Coronaviren NL63 und HKU1 passiert ist.

Corona-Immunität hält nicht auf lange Sicht

Eine weitere im Fachjournal "Nature Medicine" erschiene Studie bestätigt die Annahme, dass sich Sars-CoV-2 auf lange Sicht wie die Grippe oder andere Coronaviren verhalten wird. Demnach könnte eine Immunität nur relativ kurzfristig wirken und Wieder-Infektionen mit Sars-CoV-2 zur Regel werden.

Lia van der Hoek
Die Medizinerin Dr. Lia van der Hoek. Bildrechte: Lia van der Hoek

Die Mediziner von der Uniklinik Amsterdam um die Erstautorin Lia van der Hoek untersuchten dafür die Blutproben von zehn Männern, die seit 1980 in regulären Intervallen genommen wurden, auf das Vorkommen der vier saisonal wiederkehrenden Coronaviren HCoV-NL63, HCoV-229E, HCoV-OC43 und HCoV-HKU1. Ein Anstieg der Antikörper wurde dabei als neue Infektion gewertet.

Pro Patient wurden drei bis 17 Ansteckungen mit einem Coronavirus beobachtet, mit Ansteckungsintervallen zwischen sechs und 105 Monaten. Eine Neuinfektion gab es im Schnitt nach zwölf Monaten. Ein weiteres Ergebnis: Die geringste Infektionsrate bei den Blutproben gab es in den Monaten Juni, Juli, August und September, was darauf hindeutet, dass die allgemeine Ansteckungsgefahr in gemäßtigen Klimaregionen im Winter steigt - ähnlich könnte es bei Sars-CoV-2 sein.

cdi

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