Raumfahrt: Cosmic Kiss Matthias Maurer fliegt mit der Himmelsscheibe ins All

Mit dem Saarländer Matthias Maurer wird der zwölfte Deutsche in den Weltraum aufbrechen. Im Herbst soll der ESA-Astronaut mit der Crew-3 Mission von SpaceX zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Seine Mission Cosmic Kiss ist eine Liebeserklärung ans All und das Logo zeigt ein Stück mitteldeutsche Kulturgeschichte: die Himmelsscheibe von Nebra. MDR WISSEN hat mit dem deutschen Raumfahrer gesprochen.

Matthias Maurer in seinem Raumanzug
Bildrechte: ESA/NASA

Im Herbst 2021 wird es soweit sein. Mit der Raumkapsel Crew Dragon vom privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX soll Matthias Mauer zusammen mit drei weiteren Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. 

Dabei ist es gar nicht so lange her, dass Maurer seine Raumfahrtausbildung abgeschlossen hat. Am 25. September 2018 stand er auf der Bühne des Europäischen Astronautenzentrums in Köln. Jan Wörner, der ehemalige Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA, verkündete in die Menge der Zuschauenden: "Wir werden es schaffen, dass innerhalb der nächsten drei Jahre geflogen wird." Er behielt Recht.

Die Crew-3-Mission wird wie die vorherigen beiden SpaceX-Missionen vom amerikanischen Raumhafen Cape Canaveral starten. Somit ist Mauer einer der ersten Astronautinnen und Astronauten, die seit 2020 wieder von amerikanischem Boden aus in den Weltraum fliegen.

Vorbereitung: Training in Houston

Während MDR WISSEN mit Maurer spricht, befindet der sich in Houston (Texas). "Ich lerne gerade die Systeme der ISS kennen und mache mich ein bisschen damit vertraut, wie meine Raumkapsel, die SpaceX Dragon-Kapsel funktioniert", erzählt Maurer. Neben den technischen Systemen muss sich der Materialwissenschaftler auch körperlich und mental auf die Mission vorbereiten.

Ein halbes Jahr in der Schwerelosigkeit zu sein, das ist natürlich nicht für jeden etwas. Im freien Fall um die Erde zu purzeln – physikalisch gesehen ist es nämlich genau das – erfordert schon eine gewisse Vorbereitung.

Matthias Maurer

"Völlig schwerelos wie ein Schmetterling"

Sobald Maurer und die anderen Astronauten die Schwerelosigkeit erreichen, sind ihre Körper gewissen Gefahren ausgesetzt. Der Mensch ist nämlich für die Schwerkraft und nicht die Schwerelosigkeit gemacht, erörtert der ESA-Mann: 

Die Knochen lösen sich auf, die Muskeln bauen sich ab. Wir haben eine Verschlechterung bei den Augen. Das ist ein Problem. Dann verändert sich auch das Immunsystem, das wird schwächer. Gleichzeitig werden die ganzen Mikroben im Weltraum aggressiver. Wegen der Weltraumstrahlung mutieren die schneller.

Matthias Maurer

Trotz der Risiken freut sich Maurer auf seinen Einsatz im Weltall. Zum einen wird die ISS seit zwanzig Jahren von Menschen bewohnt und man wisse schon grob, was dort alles mit dem menschlichen Körper geschehe. Dann ist da aber noch die Faszination, in den Weltraum zu fliegen und diese triumphiert für Maurer über den Risiken. 

Ich freue mich absolut auf den Moment, hochzukommen und dann hineinzugleiten in diese ja recht große Station – im Vergleich zu der kleinen Kapsel, mit der ich da hochreise. Dann in neunzig Minuten einmal komplett um die Erde zu reisen, die Erde zu beobachten, wie ein Schmetterling in der Schwerelosigkeit zu gleiten und unseren tollen Planeten dabei zu beobachten.

Matthias Maurer

Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer

Matthias Maurer in seinem Raumanzug
Matthias Mauer ist der letzte ESA-Astronaut im aktuellen Kader. Auf diesem Porträt ist er vor den Flaggen der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der Bundesrepublik Deutschland zu sehen. Bildrechte: ESA/NASA
Matthias Maurer in seinem Raumanzug
Matthias Mauer ist der letzte ESA-Astronaut im aktuellen Kader. Auf diesem Porträt ist er vor den Flaggen der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und der Bundesrepublik Deutschland zu sehen. Bildrechte: ESA/NASA
Matthias Maurer in seinem Raumanzug
Im Herbst 2021 befindet er sich auf der Internartionalen Raumstation ISS. Mit seiner Mission "Cosmic Kiss" wird er der zwölfte Deutsche im Weltraum sein. Bildrechte: ESA/NASA
Matthias Maurer in seinem Raumanzug
So sieht die volle Montur des Saarländers aus, wenn er sich für einen Weltraumspaziergang bereit macht. Bildrechte: ESA/NASA
Matthias Maurer in seinem Raumanzug
Ein halbes Jahr lang wird sich der Materialwissenschaftler Mauer in der Schwerelosigkeit befinden, bevor er im Frühjahr 2022 zurück zur Erde kehren wird. Bildrechte: ESA/NASA
Astronaut Matthias Maurer
Eine zukünftige Mission könnte ihn sogar zum Mond führen. Doch bis dahin wird es noch ein paar Jahre dauern. Bildrechte: ESA/Sabine Grothues
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Mauer, das Versuchskaninchen

Während seines halbjährigen Aufenthaltes auf der ISS müssen Maurer und seine Kolleginnen und Kollegen einige Tests über sich ergehen lassen. Damit die Forschenden mehr über den Einfluss der Schwerkraft auf den Menschen und die Raumfahrenden verstehen, werden Blut- und Speichelproben genommen. Außerdem müssen Stuhl- und Urinproben abgegeben werden. "Ich bin nicht nur ein bisschen Versuchskaninchen. Ich bin sogar sehr viel Versuchskaninchen", sagt Maurer ganz gelassen. 

Er wird aber nicht nur Versuchsgegenstand sein. Er wird auch selbst auf der ISS forschen. Ein ganz wichtiges Thema ist dabei, wann eine spontane Entzündung von Feuer in der Schwerelosigkeit möglich ist und wann nicht. Dies dient der Sicherheit, so Maurer, und erklärt warum: "Die Apollo 1-Kapsel ist zerstört worden und da sind zwei Astronauten aufgrund eines Feuers in der Kapsel gestorben" Angst habe der gebürtige Saarländer aber nicht. Zwar müsse man "Gefahren und Risiken in Kauf nehmen", aber er verlasse sich auf die Arbeit der ISS-Ingenieure und des ganzen Teams.

Cosmic Kiss: Die Mission

Als Materialwissenschaftler wird Maurer in Experimenten zudem leichte mit schweren Metallen kombinieren. Auf der Erde würden sich die schweren Stoffe am Boden absetzen, ähnlich wie bei einer Gemüsesuppe, bei der sich die schweren Lebensmittel am Topfboden sammeln. In der Schwerelosigkeit könne sich aber nichts am Boden absetzen und es könnte zu ganz neuen Materialien kommen, die man in Zukunft womöglich auch auf der Erde herstellen könne.

Die meisten Menschen sagen: Der Weltraum ist spannend, der Weltraum ist faszinierend. Und wenn mich die Leute fragen: Was machst du eigentlich da oben, wie schläfst du, wie duschst du, wie isst du, wie es der normale Tagesablauf, dann sehe ich immer: Die Leute träumen eigentlich alle davon, auch Astronautin oder Astronaut zu sein.

Matthias Maurer

Neben den komplizierten Dingen wird sich Maurer den All-täglichen Situationen stellen. Geschlafen wird übrigens in Schlafsäcken, die an der Wand festgemacht sind. Ansonsten würden er und seine Kolleginnen und Kollegen nachts wegdriften, so Maurer. Einer der Astronautinnen und Astronauten klebt dabei unter der Decke, ein anderer auf dem Boden und die anderen zwei schlafen im Stehen. "Aber in der Schwerelosigkeit ergibt das ja gar keinen Unterschied", fügt Maurer hinzu.

Das Logo der ESA-Mission ›Cosmic Kiss‹
Das Logo der ESA-Mission ›Cosmic Kiss‹ Bildrechte: ESA

Liebeserklärung an den Weltraum und Nebra

Das Missionsmotto Cosmic Kiss sei übrigens "eine Liebeserklärung an den Weltraum", schwärmt der baldige zwölfte Deutsche im All. Das Logo symbolisiert das mitteldeutsche Kulturgut der Himmelsscheibe von Nebra.

Denn sie zeigt, dass bereits die Menschen vor fast 4.000 Jahren in den Himmel geschaut haben und sich dieselben Fragen gestellt haben, die wir uns heute stellen, findet Astro-Matthias: "Wie funktioniert das Universum? Wie ist es entstanden? Gibt es Leben da draußen? Wie kam das Leben eigentlich auf die Erde? Und wie ist unser Sonnensystem entstanden?" Die Himmelsscheibe hat er übrigens noch nicht in natura gesehen, möchte es aber nach seiner Rückkehr zur Erde nachholen.

Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine
Die Himmelsscheibe von Nebra steht in einer Glasvitrine. Bildrechte: dpa

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