Vaporizer ein Gesundheitsrisiko Schwere Lungenschäden durch E-Zigaretten

E-Zigaretten schaden der Lunge. Selbst der Dampf ohne Nikotin kann die normale Lungenstruktur und Lungenfunktion stören, zeigte eine Studie im September 2019. Eine neue Studie aus den USA dokumentiert nun die Auswirkungen in den Lungen. Ärztinnen und Ärzte wollen damit für bessere Früherkennung sensibilisieren und Patienten vor schweren Eingriffen bewahren. Alternative Behandlungen genügten oft. Auch in Deutschland rauchen fast 2,5 Millionen Menschen elektrisch.

Dampf aus einer E-Zigarette - Ein Mann zeigt dabei den Daumen nach unten.
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Die Diskussion um die gesundheitlichen Folgen der E-Zigaretten bekommen auch die Hersteller zu spüren. In Deutschland rechnet der "Verband des eZigarettenhandels e.V." mit einem Umsatzeinbruch von mindestens 20 Prozent. So steht es im aktuellen Jahresbericht des Verbandes. Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie macht der Branchenverband auch die sogenannte "EVALI-Krise" verantwortlich. Demnach führen massive Lungenschäden zu einem Vertrauensverlust der Raucherinnen und Raucher.

In den USA hat die Radiologische Gesellschaft Nordamerika weitere Studien durchgeführt, die Ärztinnen und Ärzten dabei helfen sollen, Schädigungen an der Lunge frühzeitig zu erkennen. So sollen schneller korrekte Diagnosen gestellt werden und unnötige Biopsien vermieden werden. Dabei sind nicht nur ältere Menschen betroffen, denn vor allem in der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen wird gerne zur E-Zigarette gegriffen.

Drei Kriterien für EVALI

EVALI ist die englische Abkürzung für Lungenverletzungen, die mit der Benutzung von E-Zigaretten oder anderen Vaping-Produkten assoziiert werden. Demnach liegt EVALI vor, wenn seit Auftreten der Symptome für mindestens 90 Tage elektronisch geraucht wurde, bei Aufnahmen vom Brustkorb Auffälligkeiten festgestellt wurden und keine anderen Quellen, wie Infektionen, für die Symptome infrage kommen.

Der Radiologe Michael B. Gotway hat CT-Aufnahmen von 26 EVALI-Patienten untersucht und Gemeinsamkeiten festgestellt. Bei allen E-Raucherinnen und Rauchern fand er milchglasartige Trübungen. Im CT waren sie durch das klare Weiß gut zu erkennen. Auch eine Verdichtung der Lunge erkannte der Mediziner.

Wir haben herausgefunden, dass milchglasartige Trübungen, manchmal mit Verdichtungen, zu den häufigsten Krankheitsbildern gehört.

Michael B. Gotway

Für Ärztinnen und Ärzte ist das ein Hinweis auf mögliche Folgen des Vapings, sollten sie auf derartige Symptome insbesondere bei jungen Menschen stoßen. Kurzatmigkeit und Schmerzen in der Brust seien weitere Auffälligkeiten bei jüngeren Patienetn, die mit dem Konsum von E-Zigaretten in Verbindung stehen.

Wir hoffen, mit unserer Studie Radiologen bewusst zu machen, dass wenn unklare Lungen-Trübungen bei jüngeren Patienten vorliegen, auch Verletztungen durch E-Zigaretten Schuld sein können.

Michael B. Gotway

Gotway plädiert dafür, dass medizinisches Personal, die Möglichkeit stets im Hinterkopf behält. Am Ende profitieren vor allem die Patienten, die einer Lungen-Operation aus dem Weg gehen können. Stattdessen genüge es, das Rauchen von E-Zigaretten einzustellen. Gegebenenfalls unterstützt durch eine Therapie mit Corticosteroide, einem Hormon aus der Nebennierenrinde.

Ergänzung 28.08.2020

Im Artikel wird auf EVALI eingegangen. Hierbei geht es um schwere Lungenschädigungen bei mindestens 2.800 Menschen sowie 68 Todesfälle in den USA. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung wird Vitamin-E-Acetat damit in Verbindung gebracht, allerdings sei es nicht nachgewiesen, "dass diese Substanz tatsächlich für die Erkrankungen verantwortlich ist". Weiter wird darauf verwiesen, dass in Deutschland nikotinhaltige Liquids keine Vitamine enthalten dürfen. Beim Gebrauch rechtskonformer nikotinhaltiger Produkte sei es also unwahrscheinlich, E-Liquids mit einem hohem Gehalt von Vitamin E-Acetat zu beziehen. Grundsätzlich gelte aber, dass "sowohl nikotinhaltige als auch nikotinfreie E-Zigaretten die Gesundheit beeinträchtigen" können.

Link zur Studie

Die Studie ist unter dem Titel "Pulmonary Injury Resulting from Vaping or e-Cigarette Use: Imaging Appearances at Presentation and Follow-up" im Fachmagazin Radiology: Cardiothoracic Imaging erschienen. Sie umfasste 26 Patienten, die die EVALI-Kriterien erfüllten und sich einer CT und Biopsie oder einer anderen Art der Gewebeentfernung unterzogen hatten.

(tg)

40 Kommentare

mule4002 am 29.08.2020

Lieber MDR,
die Kritik von "Tyr" ist bei weiten sachlicher und berechtigter als ihr Artikel.

Nur weil es nicht auszuschließen ist, dass es auch andere Ursachen als "illegale Substanzen" geben könnte die EVALI auslösen können, sollte man doch die Hauptursache nicht verschweigen? Wozu wurde wohl Vitamin E Acetat verwendet?

Ganjaman am 29.08.2020

"Dass EVALI durch illegale Subtanzen verursacht wird, wie es der von verlinkte Artikel erklärt, sagt nicht, dass das die einzige Ursache ist."
Diese Aussage ist falsch. Die Autoren der Studie von der Radiologischen Gesellschaft Nordamerika gehen sehr wohl nur von Fällen aus,
bei denen Tetrahydrocannabinol (THC) und chemische Verbindungen inhaliert wurden. Alle CT-Aufnahmen waren von EVALI-Patienten.

Yokai am 29.08.2020

Natürlich wäre es das Beste komplett zu verzichten, aber das schaffen nunmal nur die Wenigsten. Deshalb ist ein Umstieg zum Dampfen und eine schrittweise Reduzierung des Nikotins für viele eine gute Chance den Weg aus der Tabaksucht zu finden.

Reißerische Headlines und Bilder bewirken nur, dass die Menschen weiter Rauchen.