Still-Studie Pfeffer in der Muttermilch – prägt das die Ernährungsgewohnheiten?

Über die Muttermilch kommen Säuglinge in Kontakt mit Nahrungsvorlieben der Mutter. Von Knoblauch und Kaffee weiß man, dass geruchs- oder geschmacksaktive Stoffe in die Milch übergehen. Aber wie ist das mit stark gewürzten Speisen, machen scharfe Speisen die Muttermilch scharf? Und hat das Einfluss auf die späteren Ernährungsgewohnheiten der Kinder?

Currygericht in einer Schale
Curry in der Stillzeit: Geht die Schärfe in die Muttermilch? Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Stillende Mütter können vermutlich Vorträge über die Hinweise halten, was sie alles essen und trinken sollen. Oder eben auch nicht, wegen all der Stoffe, die sonst in die Muttermilch übergehen könnten.

Aber wie ist das eigentlich mit scharfen Speisen, die zum Beispiel Chili, Kurkuma, Ingwer, Pfeffer enthalten: Kommt das über die Muttermilch beim Baby an, und wenn ja, wie viel? Und könnte also über die Muttermilch bereits eine Prägung für spätere Vorlieben für Süßes, Herzhaftes oder Scharfes erfolgen? Dieser Frage hat sich ein Forschungsteam der Technischen Universität München angenommen. Untersucht wurde das mit einem standardisierten Currygericht, das stillende Frauen verzehrten. Zu verschiedenen Zeitpunkten danach wurde dann die Muttermilch untersucht. Bereits eine Stunde nach dem Verzehr war Piperin, der Stoff, der Pfeffer scharf macht, nachweisbar und tatsächlich für mehrere Stunden in der Milch zu finden. Nicht aber die Scharfstoffe aus Ingwer, Chili oder der im Curry enthaltene Stoff Curcumin.

Unterhalb der Wahrnehmungsgrenze eines Erwachsenen

beim Stillen eingeschlafenes Baby
Wonach das wohl schmeckt? Bildrechte: imago/blickwinkel

Die Forscher schließen daraus insgesamt: Es gibt keine Eins-zu-Eins-Übertragung. Professorin Corinna David vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und Molekulare Sensorik an der TU München, die diese Untersuchung geleitet hat, erläutert bezogen auf Piperin, den Scharfmacher im Pfeffer: "Die beobachteten maximalen Konzentrationen von 14 bis 57 Mikrogramm pro Liter lagen bei etwa 70- bis 350-fach unter der geschmacklichen Wahrnehmungsgrenze eines Erwachsenen."

Ihr Kollege Roman Lang hält es daher für unwahrscheinlich, dass die Säuglinge die Schärfe bewusst wahrnehmen. Trotzdem sei es denkbar, "dass durch die Muttermilch eine Desensibilisierung für Schärfe stattfindet", wie es im Forschungsbericht heißt. Oder stark vereinfacht gesagt: Es ist also möglich, dass Kinder, die als Säuglinge "gepfefferte Milch" trinken, später auch eine höhere Schärfe-Toleranz haben könnten.

Link zur Studie

Die Studie "Dietary Piperine is Transferred into the Milk of Nursing Mothers" ist in "Molecular Nutrition Food Research" erschienen. Hier können Sie sie nachlesen.

(lfw)

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