90 Jahre nach seiner Entdeckung Pluto: Jetzt rede ich!

"Warmduscher, Kohlenstoff-Matsch!" nennt er uns. Anlässlich des 90. Jahrestages seiner Entdeckung schildert Pluto nun selbst seine Sicht auf die Ereignisse und die Diskussionen um seinen Status. MDR Wissen Redakteurin Frederike Pauli hat ihm zugehört und mitgeschrieben.

Planet Erde als weißer Punk auf farbigen Streifen
Die Erde - aus sechs Milliarden Kilometer Entfernung von der Raumsonde Voyager 1 am 14. Februar 1990 aufgenommen. Bildrechte: NASA/JPL-Caltech

Haaaallo! Sie da hinten! Schauen Sie mal auf das Bild hier oben. So sehen sie ungefähr aus meiner Perspektive aus! Soll ich Ihnen mal etwas sagen, Sie Nervensägen?! Mich interessiert es kein bisschen, was Sie von mir denken! Vor 90 Jahren haben Sie festgestellt, dass es mich gibt. Glückwunsch! Und weil Sie fälschlicherweise dachten, ich hätte die Masse Ihrer Erde, haben Sie mir die Bezeichnung "Planet" verpasst.

Sie sollten wissen: Ich bin Exzentriker. Ich habe keine Lust, irgendwelchen Kategorien zu entsprechen! Deshalb ziehe ich auch lieber in Ruhe meine exzentrische Bahn, weit weg von Ihrem seltsamen und hitzigen Trubel. Sie Warmduscher! Mit 150 Millionen Kilometern kleben Sie geradezu auf der Sonne! Ist ja eklig! Ich halte lieber 7,3 bis 4,4 Milliarden Kilometer Abstand von diesem Möchte-Kernreaktor. Und wie bitte? Sie wollen eine eindeutigere Zahl!? Keine Chance. Ich lege mich da nicht fest. Ich bin WIE GESAGT exzentrisch unterwegs. Und nö, kein Interesse: Ich schmelze jedenfalls nicht vor diesem Wasserstoff-Helium-Monster dahin! Bei mir ist es immer um die angenehmen minus 200 Grad kühl.

Zwergplanet - das ist eine Frechheit

Pluto
Am Boden von Pluto wird es über minus 200 Grad kalt. Bildrechte: NASA/JHUAPL/SwRI

Ich sei ein "Planet", hielten Sie nach meiner Entdeckung fest. Und jetzt: Kein Planet mehr! Haha! Ernsthaft? Ich lach mich rund! Ach nee! Ich bin ja schon rund. Dann lache ich mich eben unrund – und bin dann plötzlich eher ein Asteroid, nach Ihrer Definition. Sie nennen mich seit Neuestem Zwergplanet. ZWERGPLANET!?! Das ist eine Frechheit! Obwohl ok. Ich habe 3.500 Meter hohe Berge. Die haben Sie vielleicht mit einer Zipfelmütze verwechselt. Aber ansonsten?! Mein Durchmesser beträgt ca. 2.300 Kilometer, behaupten Sie.

Schön. Damit bin ich kleiner als Ihr dämlicher Mond. Aber was interessiert mich dieser langweilige Brocken?
Ein Mond… Wie öde! Ich bin zwar klein aber ich habe selber fünf Monde, von denen Sie bislang wissen! FÜNF! Mein Großer, der Charon, nervt mich manchmal. Der ist riesig. Rund 1.200 Kilometer Durchmesser. Aber die Kleinen mit ihren 50 Kilometern machen mir viel Freude. Diese Rasselbande.  

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Die Pluto-Monde. Bildrechte: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute

Was soll der Quatsch mit dem Herzen

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Die NASA Sonde New Horizon erreichte als erste Raumsonde am 14. Juli 2015 Pluto. Bildrechte: Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute

Letztens, da kam hier Besuch vorbei. Tun Sie doch nicht so! Ich weiß, dass Sie das waren! Sie wollten bloß mal schauen, was hier so los ist, was? New Horizons haben Sie die Spanner-Sonde genannt, die schamlos meine Oberfläche begafft hat. Seither bestaunen Sie meine herrlichen Eiswüsten. Zu Recht! Und weil Sie nördlich meines Äquators ein, wie Sie es nennen, "Herzchen" entdeckt haben, gibt’s seitdem niedliche Stoff-Plutos bei Ihnen zu kaufen, die ein Herz in den Händen halten… Ich fasse es nicht. Das ist ALBERN! Und ich bin nicht niedlich! NICHT NIEDLICH!

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Ein Name macht Karriere. Walt Disneys Pluto. Bildrechte: imago images/Rüdiger Wölk

Nur weil so ein seltsamer Vogel namens Walt Disney einen komischen Hund nach mir benannt hat und seitdem eine sprechende Maus den Namen Pluto immer so komisch ausspricht… Ich möchte Ihnen mal was stecken! Ich bin hier hinten nicht alleine, klar?! Sie haben ja selber schon festgestellt, dass ich mich im, wie sie es nennen, „Kuipergürtel“ befinde, also ganz am Rande des Sonnensystems noch hinter der Umlaufbahn von Neptun. Legen Sie sich mit mir an, legen Sie sich mit allen Außenseitern hier an. Ich bin weder der Kleinste noch der Größte in meiner Clique.

Es gibt hier einen, den Sie Eris nennen. Der ist größer als ich. Weil Ihnen der dann 2005 endlich mal aufgefallen ist, so nach dem Motto, "Och, den gibt’s ja auch!", ging Ihre ganze Diskussion los. Von wegen, der müsse dann ja der zehnte Planet sein und wie viele Planeten solle es denn noch im Sonnensystem geben? Die Bekannten reichen doch!

Plötzlich müssten Sie umdenken

Sie sind echt so einfältig! Haha! Was wäre los, wenn Sie noch welche entdeckten? Das wäre ja anstrengend! Dann müssten Sie, oh nein, "UMDENKEN" und die ganzen Schulbücher müssten umgeschrieben werden. Viel zu viel Altpapier.

Deshalb haben Sie sich bei der Generalversammlung Ihrer Internationalen Astronomischen Union (IAU) überlegt, ganz genau im Jahr 2006 Ihrer seltsamen Zeitrechnung, lieber mir den "Planeten-Status" abzuerkennen, als ständig irgendwelche neuen Planeten zu entdecken.

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Pluto ist eine Eiswelt. Bildrechte: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute

Ich bin Ihnen also nicht einzigartig genug, ein Planet zu sein. Aha. Na toll! Gucken Sie sich doch selber mal an. Von Ihnen gibt’s über sieben Milliarden! Und Sie behaupten ständig, jeder von Ihnen wäre einzigartig. Lächerlich! Sie Kohlenstoff-Verbindungs-Matsch! Während ich einmal laut lache, sind in Ihrer Zeitrechnung schon wieder fünf Generationen vergangen. Und Sie diskutieren über mich, als würde mir das was bedeuten!

Manche von Ihnen wollen wieder "Planet" zu mir sagen! So NASA-Typen namens Jim  Bridenstine und Alan Stern zum Beispiel und seit Kurzem gibt’s die Aktion #plutoforplanet. Hach, na gut, irgendwie auch süß von Ihnen. Ein bisschen geschmeichelt fühl ich mich da doch.

Aber trotzdem: Eris, Sedna, Makemake, Haumea, Orchus gibt’s aber auch noch und viele mehr, die Sie noch gar nicht KENNEN! Für die können Sie sich ja auch mal einsetzen. Ihnen ist ja scheinbar langweilig dahinten auf dem blauen Dings.

Pluto
Sieht aus wie ein Herz. Ist aber ein gewaltiger Gletscher aus gefrorenem Stickstoff. Bildrechte: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute

Machen Sie das ruhig. Und jetzt möchte ich in Ruhe weiter meine exzentrische Bahn ziehen. Vielleicht brüte ich ja nur zum Spaß mal eine Lebensform aus. Ich hab nämlich auch unterirdische Ozeane. Irgendwas ganz Schräges! Hahahaha!

Achso und schicken Sie mir bitte so ein Pluto-Plüsch-Teil. Die sind irgendwie doch ganz süß.

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