Immunabwehr NS2: Forscher finden Eiweiß, das RSV, Corona und Grippe tödlich macht

Viren wie Corona oder RSV können bei einer Infektion extrem hohe Viruslasten entwickeln, die zu tödlichen Entzündungen führen. Forscher haben nun ein Protein entdeckt, das der Schlüssel zu diesem Problem sein könnte.

Eine in blau und orange eingefärbte elektronenmikroskoipische Aufnahme zeigt das RS-Virus, dessen Form an den Buchstaben L erinnert.
Das respiratorische Synzytial-Virus auf einer elektronenmikroskopischen Aufnahme. Bildrechte: imago/Science Photo Library

US-Forscher haben ein Schlüsselprotein von RSV entdeckt, das für die mitunter schweren bis tödlichen Krankheitsverläufe verantwortlich ist. Das NS2 Protein kann demnach in Zellen einen wichtigen Immunmechanismus unterdrücken und so dafür sorgen, dass sich das Virus zunächst unkontrolliert vermehren kann. Auch andere Atemwegsviren wie Sars-CoV-2 oder Influenza A verfügen über dieses Protein. Es könnte also ein wichtiges Ziel für die Entwicklung von Medikamenten werden, die schwere Krankheitsverläufe verhindern können.

Viele RSV-Fälle im vergangenen Herbst

RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) ist ein Virus, das vor allem bei Kindern gefährliche Lungenentzündungen auslösen kann. Im Schatten der Corona-Pandemie sorgte RSV im vergangenen Herbst für viele Klinikeinlieferungen von Kindern in Europa und den USA. Ein Team um Kim Chiok von der Washington State University hat nun durch den Vergleich verschiedener Varianten des Virus das NS2-Protein entdeckt, das laut den Forschern entscheidend dafür ist, wie schwer eine Infektion verläuft.

Mikrofotografie Respiratorisches Synzytial-Virus
Bei einer Infektion mit RSV kommt es wie bei Corona mitunter zur Bildung sogenannter Synzytien. Das sind miteinander verschmolzene Zellen, die von den Viren zu regelrechten Virusfabriken umgebaut wurden. Bildrechte: IMAGO / Image Source

RSV infiziert genau wie Sars-CoV-2 oder Influenza A die sogenannten Epithelzellen, also Zellen, die die Grenze des Körpers zur Umwelt bilden, etwa im Lungengewebe. In diesen Zellen gibt es eigentlich das körpereigene Protein Beclin1, das aktiv wird, wenn Viren eindringen. Dann legt Beclin1 eine Art Rüstung an und bekämpft die Eindringlinge. NS2 wiederum zerstört diese Rüstung und macht dadurch Beclin1 unwirksam. So kann sich das Virus so stark in den Epithelzellen vermehren, dass die Immunabwehr schließlich mit einer überschießenden Entzündungsreaktion reagiert. Diese wiederum kann dann zur Ursache für den schweren bis tödlichen Verlauf der Infektion werden.

Laut den Autoren der Studie könnte NS2 also ein geeignetes Ziel für die Entwicklung von antiviralen Medikamenten werden, die gegen RSV, aber auch gegen die Grippe oder Corona wirksam sein könnten.

(ens)

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