gemeinsam gegen Hassrede
Gemeinsamer Widerstand nimmt Hassrede den Wind aus den Segeln. Bildrechte: Colourbox.de

Zusammenhalt Warum wir viele Stimmen gegen Hassrede brauchen

25. März 2024, 16:42 Uhr

Hassrede macht betroffen, ob in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Fußballstadion oder in den sozialen Medien. Immer mehr Menschen gehen dagegen vor. Je mehr und je einiger, desto besser, zeigt eine neue Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Proträtfoto einer Frau mit eine rosa Bluse.
Bildrechte: Stefan Huhn

Die Zahl der Menschen, die von Hassreden betroffen sind, ist seit Jahren gleich hoch. Einer forsa-Umfrage zufolge sehen sich allein 76 der Befragten mit Hate Speech im Internet konfrontiert, vor allem jüngere Nutzer im Alter von 14 bis 24 Jahren. Die gute Nachricht ist, dass sich immer mehr Betroffene dagegen wehren und die Verfasser melden.

Die Zahl derer, die sich engagierten, stieg seit 2019 von 25 auf 30 Prozent der Befragten. Jeder einzelne Widerstand gegen verbale Attacken hilft. Doch um Schaden abzuwenden und eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, braucht es viele und vor allem einige Stimmen, so das Ergebnis der Untersuchung von Jimena Zapata und ihrem Team.

Kollektiver Widerstand wirkt stärker als Einzelreaktionen

In zwei Online-Experimenten mit britischen Teilnehmern überprüften die Forschenden, wie der Widerstand Unbeteiligter auf die Wahrnehmung von verbalen Attacken wirkt. Dazu zeigten die Forschenden in 329 Teilnehmern Szenen, in denen jemand eine Hassrede hält.

Der Effekt des Vorfalls auf die Außenstehenden war nicht nur abhängig davon, ob es Widerstand gab oder Schweigen. Entscheidend war auch, wie viele Personen sich einheitlich positionierten oder sich passiv verhielten. War es nur eine Person, beeinflusste das die Wahrnehmung der Testpersonen nicht. Waren es drei Personen, schon.

In einem weiteren Experiment mit 269 Testpersonen bestätigte sich, dass nicht nur die Zahl der Personen entscheidend war, sondern auch deren Einigkeit. Nur einstimmiger Widerstand sorgte dafür, dass die Hassrede ihre Wirkung geringer entfalten konnte.

Wir orientieren uns an dem, was andere tun

"Wenn wir als soziale Wesen mit Vorfällen konfrontiert werden, die wir eindeutig als schädlich für andere identifizieren, reagieren wir zum einen auf der Grundlage von individuellen moralischen Prinzipien, zum anderen auf sozialen: Wir orientieren uns daran, was andere tun", ordnet Jimena Zapata, Studienautorin und Philosophin, die Ergebnisse ein.

Vor diesem Hintergrund geht sie auch davon aus, dass der Schaden durch stille Zuschauer nicht deshalb entsteht, weil sie sofort als Täterunterstützer wahrgenommen werden, sondern weil die Unsicherheit darüber zunimmt, wie wir als Gesellschaft mit Minderheiten und benachteiligten Gruppen umgehen sollen. Hier sehen die Forschenden Chancen zur Veränderung: Je mehr Menschen gegen Hassreden vorgehen, desto eher brechen sie die Norm des Schweigens.

Hasskommentare: Melden und Löschen

Was verbale Attacken in sozialen Medien betrifft, sind das Löschen von Kommentaren, die Anzeige und die strafrechtliche Verfolgung das Mittel der Wahl. So sehen es etwa dreiviertel der Teilnehmer an einer forsa-Umfrage. Hilfesuchende können sich unter anderem an die Landesmedienanstalten wenden oder an das Kompetenznetwerk Hass im Netz.

Links/Studien

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Nachrichten | 21. März 0024 | 13:06 Uhr

43 Kommentare

AlexLeipzig vor 3 Wochen

Shantuma, Sie behaupten: eine Mobilisierung gegen den "Mobbenden", wie Sie die Person nennen, ist nicht anders als die genaue Umkehrung der Situation.
Damit ist absolut keinem geholfen. Weder dem Opfer noch der mobbenden Person" - dem möchte ich ganz klar widersprechen: natürlich hilft es dem Opfer, wenn viele Stimmen ihm klar mitteilen, "wir stehen an deiner Seite, du bist nicht allein". Und es weist die Täter in die Schranken.

MDR-Team vor 3 Wochen

Eine Einordnung: Die Zusammenarbeit zwischen Sendern und Künstlern ist an unterschiedliche Konditionen gekoppelt. Am Ende obliegt es dem Sender, eine Entscheidung darüber zu treffen und ob man sich auf eine Basis einigen kann. Wir bitten dabei auf Unterstellungen a lá "Sie unterstellen allen oben gelisteten Antisemitis, antidemokatische Äußerungen und Beleidigungen." zu verzichten. Wir haben lediglich auf den rechtlichen Rahmen hingewiesen und darauf, dass die genannten Künstler und Künstlerinnen weiterhin präsent sind, Auftritte haben etc. Falls es in Einzelfällen zu keiner Zusammenarbeit kommt, kann dies unterschiedliche Gründe haben.

MDR-Team vor 3 Wochen

Shantuma,
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