Schnüffeln für die Biodiversität Wie Artenspürhunde seltene Molche schützen

Sie gelten als der beste Freund des Menschen – und sind möglicherweise auch sein fleißigster Helfer, denn: Hunde unterstützen uns in unzähligen Lebensbereichen. Und nicht nur uns Menschen: Als "Artenspürhunde" leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt bedrohter Tier- und Pflanzenarten, unter anderem im Leipziger Auwald.

Ein Hund schaut in die Kamera 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kammmolche gelten in Sachsen als stark gefährdete Art. Forscherinnen und Forscher wollen sie deshalb gerne schützen – dazu müssen sie aber zunächst mehr über die Tiere herausfinden. Das ist gar nicht so einfach, denn Molche leben den Großteil des Jahres versteckt. In der kalten Jahreszeit verkriechen sie sich in ihre frostsicheren Winterquartiere, bis zu zwei Meter tief unter der Erde. Im Naturschutzgebiet Burgaue im Leipziger Auwald bekommen die Artenschützer bei der Suche nach den Molchen Unterstützung durch einen speziell trainierten Spürhund.

Border Collie findet Molche

Ein Hund und eine Frau sind auf einer Wiese unterwegs
Ökologin Dr. Annegret Grimm-Seyfahrt mit ihrem Spürhund Bildrechte: André Künzelnmann / UFZ

Border Collie Zammy und seine Besitzerin, die Ökologin Dr. Annegret Grimm-Seyfahrt, können die Molche in ihren Winterquartieren finden – dank Zammys feiner Hundenase. Der Artenspürhund ist auf den Geruch der Molche trainiert und findet ihre Löcher im Waldboden. In einem Projekt des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) wird erforscht, wo sich die Kamm- und Teichmolche im Naturschutzgebiet aufhalten.

Mensch und Hund arbeiten bei der Suche nach Molchen eng zusammen: Die Forscherin zeigt dem Hund an, in welcher Richtung er suchen soll. Hat der Hund etwas gefunden, beginnt die sogenannte "Feinsuche", dann wird Zentimeter für Zentimeter abgeschnüffelt - auf der Suche nach dem Eingang der Höhle, in der der Molch lebt.

So funktioniert die Hundenase

Eine Grafik zeigt ein Hundehirn.
Bildrechte: MDR/ Jörg Schwulst

Alle Dinge, die nach etwas riechen, geben flüchtige Molkeüle in die Luft ab. Die meisten Gerüche sind Gemische aus hunderten verschiedener Moleküle. Wenn ein Hund etwas Spannendes riecht, erhöht sich seine Atemfrequenz: Er atmet dann etwa 300 Mal pro Minute ein und aus. Über die Nasenlöcher gelangen die Geruchsmoleküle in die Nasenhöle zu den Riechschleimhäuten. Dort sitzen wiederum die Riechzellen, die Impulse ans Gehirn weiterreichen. Beim Hund sind ganze zehn Prozent des Gehirns fürs Riechen zuständig. Zum Vergleich: Beim Menschen ist es lediglich ein Prozent.

Wie leben Molche im Auwald?

Aus der Arbeit mit dem Spürhund erhoffen sich die Forscherinnen und Forscher neue Erkenntnisse über die Lebensraumnutzung der Tiere.

Kammmolch im Leipziger Auwald
Bildrechte: Annegret Grimm-Seyfahrt

Besonders gerne mögen Molche sogenanntes Totholz: abgestorbene Bäume oder Baumteile, die sich im Wald befinden. Für die Molche ist das wertvoll, weil sie dort Tages- und Überwinterungsverstecke finden. Wer die Tiere schützen will, muss also nicht nur ihre Laichgewässer erhalten, sondern auch sicherstellen, dass sie weiterhin Zugang zu solchen Verstecken haben.

Eine nicht-invasive Methode

Dass der Artenspürhund die Molchverstecke finden kann, ist gerade im Naturschutzgebiet wertvoll, denn er gilt als "nicht-invasiv": Wenn er im Wald nach Tieren sucht, ist das nur ein minimaler Eingriff in die Natur. Fast alle Hunderassen sind für diese Arbeit geeignet, sagt Dr. Annegret Grimm-Seyfahrt. Besonders gut als Artenspürhund trainierbar seien allerdings Hütehunde. "Das sind Hunde, die besonders gerne mit dem Menschen zusammenarbeiten, so etwas auch gerne lernen und für mich arbeiten", sagt die Ökologin.

Wichtig ist das Anzeigeverhalten

Die Forscherin hat ihren Artenspürhund Zammy selbst ausgebildet, aktuell trainiert sie auch noch einen weiteren Welpen. Besonders wichtig sei dabei, dass der Hund das sogenannte "Anzeigeverhalten" gut lernt, sagt Dr. Annegret Grimm-Seyfahrt: "Wenn wir nach lebenden Tieren suchen, zum Beispiel Amphibien, dann ist das natürlich auch unglaublich wichtig: Wir wollen die Tiere finden, ihnen aber nichts tun."

Aktuelle Studie zeigt, wie effektiv die Hunde sind

Sie selbst hat schon in mehreren Projekten mit ihrem Spürhund Zammy zusammengearbeitet. In einer aktuellen Übersichtsstudie im Fachjournal "Methods in Ecology and Evolution" untersuchte Dr. Annegret Grimm-Seyfahrt gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaftlerinnen, welche Rolle Artenspürhunde weltweit im Naturschutz spielen. Dafür werteten die Forscherinnen 1220 wissenschaftliche Veröffentlichungen aus.

Eines der Ergebnisse: Seit 1930 werden Spürhunde weltweit in immer neuen Aufgabenfeldern zum Artenschutz eingesetzt. Sie suchen hauptsächlich nach Tieren, aber auch nach Pflanzen, Pilzen oder Bakterien. Und sie sind effektiv: In mehr als 85 Prozent der Fälle waren die Hunde besser als alle anderen Methoden des Monitorings. Sie entdeckten beispielsweise mehr Schwarzbären, Fischmarder und Rotluchse als Kamerafallen.

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