Insekten Stadtleben macht Hummeln größer

Nicht nur die Menschen zieht es in die Städte - auch die Hummeln fühlen sich dort mittlerweile pudelwohl. Und den Stadthummeln sieht man ihr Cityleben mittlerweile sogar an - sie werden immer größer.

Ackerhummel
Bildrechte: imago images / blickwinkel

Wer in der Stadt lebt, hat es einfach raus. Größer, besser, effizienter. Die Rede ist hier übrigens von Hummeln, nicht dass Missverständnisse aufkommen. Die Stadthummeln sind den Land-(Ei-)Hummeln überlegen, vor allem weil sie größer sind. Das haben Antonella Soro und Panagiotis Theodorou herausgefunden, beide Zoologen an der Universität Halle. Und die Größe hat viele Vorteile für die Stadthummel.

Große Bienen haben größere Muskeln, größere Flügel. Sie können besser mit Wind umgehen und sie können sich besser um Hindernisse drum herum manövrieren. Das haben Studien gezeigt.

Antonella Soro, Zoologin an der Uni Halle

Größere Hummeln transportieren mehr Pollen

Die Vorstellung einer dünnen, agilen, windschnittigen Hummel ist also falsch. Ganz im Gegenteil: Je größer die Hummel, desto besser und weiter kann sie fliegen. Und desto besser kann sie auch bestäuben, erklärt Theodorou.

Dr. Panagiotis Theodorou untersucht eine Pflanze.
Der Hallenser Zoologe Panagiotis Theodorou. Bildrechte: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg /Panagiotis Theodorou

Wir wissen aus vorherigen Studien, dass größere Hummeln mehr Pollen transportieren können und damit besser Pflanzen bestäuben können als kleine Hummeln.

Panagiotis Theodorou, Zoologe an der Uni Halle

Auch große Hummeln haben ihre Probleme

Diesen Zusammenhang konnten die Wissenschaftler in ihrer neuen Studie bestätigen. So viele Vorteile, aber warum ist es überhaupt so, dass Hummeln in der Stadt größer sind als ihre Artgenossen auf dem Land, um rund vier Prozent?

Es könnte nämlich auch genau andersherum sein. Denn es gibt Gründe dafür, dass Hummeln in der Stadt kleiner sein könnten. Große Hummeln haben ebenso Probleme, vor allem mit Hitze, erläutert Antonella Soro.

Dr. Antonella Soro
Die Zoologin Dr. Antonella Soro von der Uni Halle. Bildrechte: Antonella Soro privat

Sie müssen ihre Temperatur stärker regulieren und das kostet sie Energie. Hummeln haben Mechanismen mit Hitze umzugehen. Wenn es sehr heiß ist verbrauchen sie viel Energie. In der Konsequenz ist es effizienter klein zu sein in einer heißen Umgebung.

Antonella Soro

Und Hitze findet man vor allem in der Stadt. Je dichter man ins Zentrum kommt, desto wärmer wird es. Hier wäre eine kleine Hummel also eigentlich im Vorteil. Aber: Die Hummel ist ja groß. Es gibt also einen anderen Effekt, der einen größeren Druck auf die Hummel ausübt.

Den haben die Wissenschaftler schon ausfindig gemacht: Es gebe mehr grüne Flächen in den Städten, verglichen mit modernen Landwirtschaftsflächen, erklärt Antonella Soro, aber die seien meistens isoliert. Wenn also Städte fragmentierter sind, dann ist es von Vorteil für die Hummel größer zu sein, weil sie dann besser und weiter fliegen kann.

Wir haben die Größe der Hummel in Zusammenhang gesetzt mit dem Grad der Fragmentierung in Städten. Dafür haben wir die Menge an Straßen genommen als Wert der Fragmentierung. Wir konnten dann sehen, dass es eine eindeutige Korrelation gibt, zwischen der Menge der Straßen und der Größe der Hummeln.

Antonella Soro

Hummeln reagieren auf nicht-optimale Umgebung

Das heißt: Die Straßen zerstückeln die Wohnflächen der Hummeln, sie schaffen Distanzen. Kleine Hummeln haben es dann schwerer. Daran zeigt sich: Zwar zieht es immer mehr Hummeln in die Städte, aber trotzdem sind die Lebensbedingungen hier nicht optimal.

Die gute Nachricht der Studie ist daher: Die Hummeln reagieren auf die nicht-optimale Umgebung. Die Hummeln verändern sich und passen sich ihrer Umgebung an. Evolution findet statt. Das Ganze wird aber nicht ewig funktionieren, gibt die Zoologin Soro zu bedenken.

Hummeln können nicht für immer wachsen. Sie können ja nicht zu Drei-Meter-Super-Monster-Hummeln werden, also sollten wir die Tatsache, dass sie wachsen eher als Warnsignal werten. Sie reagieren auf Fragmentierung, aber das bedeutet eben auch, dass sie gestresst sind. Also darf die Fragmentierung der Städte nicht weiter voranschreiten, soweit nämlich, dass Hummeln irgendwann damit nicht mehr zurechtkommen.

Antonella Soro

Nicht weiter voranschreiten, oder bestenfalls weniger werden. Und das ist nicht mal schwierig, sagen Antonella Soro und Panagiotis Theodorou. Meistens muss man dafür nicht mal mehr machen, sondern weniger: Eine Wiese nicht mähen, Sträucher einfach wachsen lassen.

Natürlich kann die Stadtplanung auch aktiv werden: Parks und Wiesen miteinander verbinden durch Alleen, begrünte Fassaden und Dächer. Ein solches grünes Natur-Netz kommt dann übrigens nicht nur den Hummeln zu Gute. Solche grünen Korridore transportieren auch kühle frische Luft in die Stadt. Und die brauchen am Ende alle Stadtbewohner und Bewohnerinnen, egal ob klein oder groß.

0 Kommentare