Leipziger Neuseenland Verändern die neuen Seen unser Klima?

Eingriffe in die Natur haben oft Nebenwirkungen, die sich erst viel später zeigen. Wie ist es in der Region südlich von Leipzig, wo gewaltige Seen entstanden: Beeinflussen sie das Klima?

Ganz gleich zu welcher Jahreszeit man die Gegend heute besucht: Nur wenig erinnert noch daran, dass es im Südraum von Leipzig Anfang der 1990er-Jahre wüst aussah.

Braunkohlebagger hatten über Jahrzehnte gewaltige Flächen in eine knarzige, staubige Mondlandschaft verwandelt und die Bagger fraßen sich scheinbar unaufhaltsam von Süden in Richtung Leipzig. Der Bergbau wurde mit der Wende fast vollständig gestoppt, das Areal im Süden Leipzigs ist inzwischen ein Naherholungsgebiet mit vielen Seen. Die größten sind Störmthaler, Markkleeberger, Cospudener und Zwenkauer See.

Aber was bedeutet es eigentlich für eine Region, in der es vorher keine Wasserflächen von derartigen Ausmaßen gab, wirken die sich aufs Klima aus? Diplom-Meteorologe Robert Scholz vom Deutschen Wetterdienst sagt:

Im Leipziger Süden ist es deutlich trockener geworden. Aber auch im Norden von Leipzig, und wenn man ein bisschen größer um Leipzig herumguckt, kann man sagen, dass es in ganz Mitteldeutschland zu trocken ist in den letzten Jahren.

Robert Scholz, Diplom-Meteorologe

Besteht da also ein Zusammenhang zwischen der Entstehung gewaltig großer Wasserflächen einerseits und weniger Niederschlägen andererseits? Meteorologe Scholz zufolge beeinflusst diese neue Seenlandschaft höchstens das Mikroklima. Ähnliche Effekte haben Wissenschaftler auch bei großen Windparks gemessen, die zwar den Wind bremsen aber nicht so relevant, um wirklich Einfluss auf das Wetter zu haben.

Das Wetter wird beeinflusst durch die Temperatur, die in Seenähe etwas langsamer ansteigt, durch den Wind, der doller weht und im Herbst manchmal auch durch eine erhöhte Nebelneigung.

Robert Scholz, Diplom-Meteorologe

Ein richtiger Wettermacher ist die Leipziger Seenlandschaft aber wohl nicht. Anschaulich zeigt sich das, wenn man die zum Beispiel vergleicht mit dem Bodensee. Dessen Wasserfläche ist mit 536 Quadratkilometern weit größer als die der Leipziger Südseen mit ihren zusammen knapp 24 Quadratkilometern.

Größenvergleich der neuen Seen südlich von Leipzig mit dem Bodensee.
Alle vier großen Seen zusammen würden flächenmäßig 22 mal in den Bodensee passen. Bildrechte: Robert Rönsch

Und auch ein Blick auf die Klima-Prognosen zeigt, dass es einen allgemeinen Trend zu mehr Dürre im Sommer und mehr Niederschlägen im Winter gibt. Auf unserer interaktiven Klimakarte können sie sich diese Modelle für ihren Ort anzeigen lassen.

(sm/lfw)

4 Kommentare

MDR-Team vor 28 Wochen

@W.Merseburger,
die Meteorologen des DWD haben, wie sie im Video ja auch sagen, keinen erhöhten Niederschlag festgestellt.
"Das Wetter wird beeinflusst durch die Temperatur, die in Seenähe etwas langsamer ansteigt, durch den Wind, der doller weht und im Herbst manchmal auch durch eine erhöhte Nebelneigung", sagt Robert Scholz, Diplom-Meteorologe.
Für mehr reicht die Größe der Seen offenbar nicht aus, wie auch der Vergleich mit dem Bodensee zeigt.

Olaful vor 28 Wochen

Ja logisch wird es durch die Seen nicht trockener. Wenn wäre doch genau das Gegenteil der Fall. Interessant wäre zu wissen, ob der Grundwasserspiegel um Leipzig nach dem Ende der Tagebaue wieder das alte Niveau erreicht hat.

W.Merseburger vor 28 Wochen

Dieser Artikel ist sehr interessant mit der Aussage, dass keine so richtig messbare Klimaänderung durch diese Seen stattfindet. Diese Frage wird nämlich auch seit der Flutung des Geiseltalsee im Süden von Sachsen-Anhalt immer wieder gestellt. Allerdings wird eine Frage nicht gestellt. Durch die neuen riesigen Seen im Großraum Leipzig einschließlich Geiseltal verdunsten Unmengen an Wasser. Dieser Wasserdampf geht ja nicht verloren und müsste eigentlich zu stärkerem Niederschlag führen?