Steigender Meeresspiegel in North Carolina, USA.
Steigender Meeresspiegel in North Carolina, USA. Bildrechte: stock.adobe.com – Red Lemon

Wissen-News Mehr Erdbeben durch menschengemachten Klimawandel

30. Mai 2024, 16:34 Uhr

Steigende Meeresspiegel infolge des Klimawandels erhöhen den Druck zwischen tektonischen Platten – mit steigender Erdbebengefahr insbesondere in den Küstenregionen der Welt. Das hat eine Potsdamer Studie ergeben.

Der menschengemachte Klimawandel wird weltweit zu mehr und teils sogar stärkeren Erdbeben führen. Das prognostizieren Forschende des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ in Potsdam und der University of Southern California. Als Ursache sehen die Forschenden den mit dem Klimawandel fortschreitenden Anstieg des Meeresspiegels weltweit. Dieser Anstieg ist in der Fachwelt unstrittig und wird jährlich vom Weltklimarat IPCC prognostiziert. Hinzu kommt die zunehmende Stärke von extremen Wetterereignissen wie Stürmen. Beides erhöht den mechanischen Druck im Gefüge tektonischer Platten und führt zu Änderungen in den seismischen Zyklen – mit steigender Erdbebengefahr insbesondere in den Küstenregionen der Welt.

Typische Temperaturanzeige an Apotheke in grünem Kreuz mit 37 Grad, davor unascharf Mann mit Handy am Ohr, Blick leicht von unten 8 min
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Erdbeben: Seismische Zyklen sind regelmäßige Kreisläufe

Erdbeben entstehen durch das plötzliche, ruckartige Verschieben von Gesteinsmassen im Untergrund. Dabei wird Energie in Form seismischer Wellen freigesetzt, die sich vorher durch die großräumige kontinuierliche Verschiebung und gleichzeitigem Verhaken der Erdplatten über lange Zeiträume aufgestaut hat.

Dieser Ladeprozess schreitet so lange fort, bis die Festigkeit des Gesteins überschritten wird und das Gestein an irgendeiner Stelle nachgibt, bricht und rutscht. Danach startet der Ladeprozess von Neuem und bildet so einen wiederkehrenden Kreislauf von Laden und Entladen auf sogenannten tektonischen Störungen. Man nennt dies einen seismischen Zyklus. Je nach den geologischen Randbedingungen kann er Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte lang sein.

Maximal bis zu 70 Meter Meeresspiegel-Anstieg möglich

Durch den menschengemachten Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Atmosphäre schmilzt das Festland-Eis, im Wesentlichen in der Antarktis und auf Grönland. In der Folge steigt weltweit der Meeresspiegel und dieser Prozess beschleunigt sich ständig. Betrug die Rate zwischen 1901 und 1990 noch 1,4 Millimeter pro Jahr, waren es zwischen 1970 und 2015 schon 2,1 und zwischen 2006 und 2015 bis zu 3,6. Gegenüber dem Zeitraum 1986 bis 2000 wird der Meeresspiegel dem IPCC-Bericht 2023 zufolge im Jahr 2100 im Mittel zwischen 0,43 und 0,84 Meter steigen. Bei Abschmelzen allen Landeises sagen Expertinnen und Experten langfristig sogar einen Anstieg um etwa 70 Meter voraus.

Ob es zu diesem Extrem-Szenario kommen wird, hängt wesentlich von der Einhaltung der Klimaziele und damit der weiteren Emission von Treibhausgasen ab. Fest steht: Auch bei strikter Reduktion werden die oben beschriebenen Effekte noch Jahrhunderte andauern. Hinzu kommt eine wachsende Häufigkeit von Extremwetter-Ereignissen, insbesondere von starken Stürmen.

cdi/pm

Links/Studien

Die Studie "Global Warming Will Increase Earthquake Hazards through Rising Sea Levels and Cascading Effects" wurde im Fachjournal "Seismological Research Letters" veröffentlicht.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 08. Mai 2024 | 16:00 Uhr

11 Kommentare

MDR-Team vor 3 Wochen

@Niemann
Es stimmt, dass Menschen zu oft in Überflutungsgebiete bauen, was die Auswirkungen von Überschwemmungen verschärft. Dies ändert aber nichts daran, dass in einer Vielzahl von Studien bestätigt wurde, dass der derzeitige Klimawandel menschengemacht ist (https://www.mdr.de/wissen/faktencheck/faktencheck-klimawandel-102.html). Dieser verläuft aktuell auch viel schneller als frühere natürliche Wandel.
LG, das MDR-WISSEN-Team

Niemann vor 3 Wochen

Mit deñ Klimawandel das ist so eine merkwürdige Sache. Da baut der Mensch in Überflutungsgebiete immer wieder und wenn dann die Überflutung alles wieder zerstört ist der sogenannte menschengemacht Klimawandel schuld. Ja der Mensch schon der immer wieder dort baut. Und überhaupt, wer hat denn den Klimawandel gemacht als es noch keine Menschen gab? Neutrale Wissenschaft kann das beantworten, aber das wiederspricht dann der Theorie von menschengemacht. Dieser Widerspruch wird von den Klimafanatiker dadurch aufgelöst indem sie eine eigene Wissenschaft kreieren, alle Andersdenkende als Klimaleugner diffamiert und sanktioniert. Die Bodenstabilität war schon immer ein Problem hinsichtlich bestimmter Geo- und Wetterereignisse. Doch es hat keinen interessiert wenn es in einem weit entfernten und menschenleeren Gebiet geschah. Doch heute siedelt der Mensch in solchen Gebieten und schimpft dann, wenn Schaden passiert, auf den angeblich menschengemachten Klimawandel. Klimawandel gab schon immer!!!

Georg11 vor 3 Wochen

Vor ein paar Wochen veröffentlichte der Geowissenschaftler Ulf Büntgen (Cambridge) einen Artikel mit dem Titel „The importance of distinguishing climate science from climate activism“ (Die Bedeutung der Unterscheidung zwischen Klimawissenschaft und Klimaaktivismus). Er schreibt: „Ich bin besorgt darüber, dass Klimawissenschaftler zu Klimaaktivisten werden, weil Wissenschaftler nicht a priori Interesse am Ergebnis ihrer Studien haben sollten...und es gibt Belege für eine strategische und selektive Kommunikation wissenschaftlicher Informationen für den Klimaschutz“. Er spricht ebenfalls von einer „anhaltenden pseudowissenschaftlichen Jagd nach rekordverdächtigen Hitzewellen und damit verbundenen hydroklimatischen Extremen.“, ähnlich auch Mick Hulmes Buch „Climate Change isn't Everything: Liberating Climate Politics from Alarmism“. Irgendie erinnert mich die MDR-Berichterstattung daran. Weniger dramatische Stimmen wie Bjorn Lomborg existieren in der Wahrnehmung des MDR nicht.