Bessere Stimmung durch Virtual Reality Ausflug in die Natur? Ein Foto reicht schon fürs Gemüt!

Eine natürliche, grüne Umgebung tut unserer Stimmung gut – das wissen wir bereits. Und was passiert, wenn sie nicht echt ist? Das wollten Forschende aus Hamburg – vor dem Hintergrund der Isolation im Lockdown – genauer wissen.

Mädchen oder junge Frau sizt auf einem Fahrrad, fährt entlang eines Zaunes über einen Feldweg und trägt dabei eine Brille für Virtual oder Augmented Reality. Verträumte Stimmung mit warmen Farben.
Bitte nicht nachmachen – zumindest, wenn man durch die Brille nichts sieht. Bildrechte: Pixabay/Pexels

Waren Sie schon mal bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt und haben sich gefragt, was dieser Bildschirm vor Ihrer Nase soll? Der mit den Bildern von Hügeln, Wiesen und Wäldern. Wahrscheinlich sind nicht alle Zahnärztinnen und Zahnärzte damit ausgestattet, aber dort, wo es der Fall ist, stellt sich die berechtigte Frage: Was soll das bringen? Schließlich wissen wir, dass wir immer noch im eher beunruhigenden Behandlungsstuhl sitzen und nicht durch Bergwälder streunen.

Wie in die Natur kommen, wenn es nicht geht?

Der Anblick allein reicht aber bereits. Eine Studie der Universität Hamburg bescheinigt den Bildschirmansichten, die vom Bohren und Füllen ablenken sollen, eine positive Wirkung. Grundlage der Forschungsarbeit des Teams des Fachbereichs Informatik sowie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sind zahlreiche Studien, die belegen, dass eine natürliche, grüne Umgebung eine positive Wirkung auf unser Wohlbefinden hat. So eine Umgebung ist in Lockdown-Zeiten nicht allen zugänglich, zum Beispiel Menschen in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Die Forschenden wollten wissen, ob für den positiven Effekt auch einfach Fotos und 360-Grad-Videos von Waldumgebungen ausreichen.

Und, welche Umgebung hebt Ihre Stimmung?

Mit diesen Testbildern wurde das Experiment durchgeführt.

Wald mit Laubbäumen und trockenem Laub auf dem Boden
Mit diesen Testbildern wurde das Experiment durchgeführt. Bildrechte: Universität Hamburg/Fariba Mostajeran et al.
Wald mit Laubbäumen und trockenem Laub auf dem Boden
Mit diesen Testbildern wurde das Experiment durchgeführt. Bildrechte: Universität Hamburg/Fariba Mostajeran et al.
Kleine Straße mit flachen Häuserfassaden aus Backstein links und rechts
Mit diesen Testbildern wurde das Experiment durchgeführt. Bildrechte: Universität Hamburg/Fariba Mostajeran et al.
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Ausgangslage für die Untersuchung waren drei verschiedene Umgebungen: Ein norddeutscher Laubwald, eine kleine Straße zwischen Häuserfassaden und ein weißes Rechteck auf schwarzem Hintergrund als Kontrollumgebung. Diese Motive wurden 34 Probandinnen und Probanden mit einer Virtual-Reality-Brille zunächst als einfache Fotos und anschließend in Form von 360-Grad-Videos gezeigt. Die Teilnehmenden mussten anschließend Fragen zu Stimmung, Stress und ihrem körperlichen Wohlbefinden beantworten.

Und siehe da:

Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Waldumgebung einen positiven Effekt auf die Stimmung hatte und die städtische Umgebung unabhängig von der Art der Präsentation die Stimmung störte.

… so die Informatikern Fariba Mostajeran, Erstautorin der Studie. Das Interessante: Um die Stimmung zu erreichen, reichte ein Foto aus, auch wenn sich der Eindruck bei einem 360-Grad-Video verstärkt.

Informatik hilft (wieder mal) im Lockdown

"Die Resultate deuten drauf hin, dass auch ein virtueller Aufenthalt im Wald sich positiv auf unser Gemüt auswirken kann", resümiert Mostajeran. "Es gibt somit Hoffnung, dass, auch wenn es gerade nur eingeschränkten Zugang zur Natur gibt, wir dank informatischer Methoden die negativen Effekte von Isolation, Quarantäne oder Urbanisierung reduzieren können." Und: Bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt braucht es auch künftig keine VR-Brille. Das Foto auf dem Bildschirm reicht vollkommen aus.

flo

Link zur Studie

Die Studie Effects of exposure to immersive videos and photo slideshows of forest and urban environments erschien am 17. Februar 2021 im Fachjournal Nature Scientific Reports.

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