Vulkanogie Jahresrückblick Oktober: Was der Vulkanausbruch des Ätna mit den Eruptionen auf La Palma zu tun hat

Nicht nur Corona – auch Vulkane, Vögel, Planeten, Spinnen und Ähnliches fesselten unsere Leser in diesem Jahr. MDR WISSEN zeigt im Jahresrückblick 2021 die beliebtesten Artikel jedes Monats abseits von Corona. Im Oktober brechen der Vulkan Cumbre Vieja auf La Palma sowie der Ätna auf Sizilien aus. Wir fragen uns: gibt es einen Zusammenhang zwischen Eruptionen?

Sonnenaufgang über dem Ätna 3 min
Bildrechte: IMAGO / UIG

Seit fünf Wochen speit der Vulkan Cumbre Vieja auf La Palma Magma - die Urlaubsinsel ist jetzt Vulkan-Insel. Sie liefert ein Naturschauspiel, bei dem die meisten nur von der Ferne zuschauen möchten. Die Natur zeigt uns ihre Kraft und ihre Macht in Form von Feuer, Lava, Ascheregen und giftigen Gasen. Und jetzt auch noch Sizilien! Dort speit auch der Ätna Asche. War diese Kombination vorherzusehen? Wie gut kennen Forschende mittlerweile die Mechanismen von Vulkanausbrüchen?

Vorhersehen konnte das niemand, sagt Prof. Thomas Walter vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam. Von einer ähnlichen Entwicklung seien wir in Sizilien noch weit entfernt, wo der Ätna derzeit auch Asche spuckt. Doch gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Phänomenen?

Beobachtung von Vulkanen hat enorme Sprünge gemacht

Schauen wir erst einmal auf das, was wir wissen: Rund 1.500 aktive Vulkane gibt es auf dem Festland und zehn bis 20 Mal so viele unter Wasser. Sie explodieren, weil "das heiße Erdinnere abkühlen möchte", wie Vulkanologe Walter erklärt. Ein Vulkan gilt als aktiv, wenn er in den letzten 10.000 Jahren einmal ausgebrochen ist. All dies aktiven zu überwachen sei nicht möglich, sagt der Geologe. Die unter Wasser schon gar nicht. Trotzdem gäbe es schon große Fortschritte.

Wenn wir die letzten 20 Jahren nehmen, sind die Analysen, Methoden und Messverfahren enorm verbessert worden.

Prof. Thomas Walter, GFZ Potsdam

Dabei seien es nicht es nur die Laboratorien und deren Genauigkeiten, die "enorme Sprünge gemacht haben, sondern auch die Feldbeobachtungen über Satelliten". Während vor wenigen Jahren einige Vulkanausbrüche nicht einmal dokumentiert wurden, hätten Forschende nun eine ganze Flotte von Satelliten zur Verfügung. Seitdem beobachten sie bei Vulkanen eine "gewisse Unruhe": Das bedeutet laut Prof. Walter, dass Vulkane sich auch während ihrer Schlafphasen aufwölben, dehnen und Erdbeben produzieren können.

Vulkan auf La Palma könnte noch Jahre rumoren

Die Beobachtung und Datenlage könnte mit Hilfe Künstlicher Intelligenz noch besser werden. Die KI könnte sämtliche Satellitenaufnahmen auswerten und Veränderungen wahrnehmen. Ebenso erkennt man durch Luftmessungen, ob ein Vulkan rumort, oder nicht, sagt Dr. Markus Hermann vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (Tropos) in Leipzig.

Vulkanische Aktivität erkennen wir daran, dass wir gleichzeitig die Ozonkonzentration messen und den partikulären Schwefelgehalt. Das heißt: Wieviel Schwefel ist in den jeweiligen Ozonpartikeln?

Dr. Markus Hermann, Tropos-Institut Leipzig

Doch all diese Überwachungsmethoden sind aufwendig und kostspielig: Für nur einen Vulkan bis zu fünf Millionen Euro im Jahr. Das leisten sich nur wenige Länder. La Palma gehört nicht dazu. Dort sprudelt der Vulkan Cumbre Vieja nun schon seit fünf Wochen. Thomas Walter sagt, das sei ungewöhnlich. Wenn alles schlecht läuft, könnte das noch Monate, wenn nicht Jahre so weitergehen. Vorhersagen könne das aber niemand. Denn die Wurzel eines Vulkans kann viele tausend Kilometer unter der Erde liegen.

Und genau das ist für Thomas Walter derzeit das Spannendste. "Wir wissen heute zum Beispiel, dass Vulkane sehr komplexe Wechselwirkungen haben und etwa benachbarte Vulkane gekoppelt ausbrechen", erläutert der Experte. Der Ätna auf Sizilien rumort nun auch. Ist das ein Hinweis für unterirdische Verbindungen nach La Palma? Immerhin ist die Insel gerade mal läppische 2.000 Kilometer entfernt. "Es kann sein, dass ein Vulkan ausbricht und der Nachbarvulkan plötzlich aufhört mit der Aktivität", so Walter. "Es kann sein, dass ein tektonisches Erbeben in mehreren Tausend Kilometer Entfernung vor Japan Vulkane in Indonesien neu aktiviert."

Bei diesen Wechselwirkungen sind wir gerade ganz am Anfang, sie zu verstehen.

Prof. Dr. Thomas Walter, Vulkanologe

Eine Verbindung zwischen dem Ätna und La Palma schließt er aber aus. Es gäbe keine Beobachtungen, die das stützen würden. Dass beide zur gleichen Zeit aktiv sind, sei reiner Zufall. So wie derzeit rund 20 andere Vulkane weltweit eruptieren.

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