Forschung aus Jena Gibt es Schlaganfallwetter?

Naßkaltes Erkältungswetter, Schnupfenwetter, Grippewetter - das kennen wir, besonders aus den Übergangsmonaten wie dem November. Ob es auch ein Schlaganfallwetter gibt, daran forscht derzeit ein Mediziner aus Jena. Der Zufall führte ihn zu dieser Idee. Sollte es einen Zusammenhang zwischen Wetterlage und Schlaganfallrisiko geben, könnten Risikopatienten möglicherweise gewarnt werden und sich schützen.

Ein Mann liegt mit Schmerzen auf der Straße und eine Frau hilft ihm
Ein Schlaganfall? Was tun? Ruhe bewahren, 112 wählen, beim Betroffenen bleiben, enge Kleidung lockern, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage. Bildrechte: Colourbox.de

Für seine Untersuchungen steigt der Neurologe Florian Rakers regelmäßig aufs Dach der Ernst-Abbé-Hochschule in Jena. Dort liefert ihm eine Wetterstation Daten, die er braucht, um herauszufinden, ob es einen Zusammenhang zwischen bestimmten Wetterlagen und der Häufigkeit von Schlaganfällen gibt. Die Idee, das zu erforschen, stammt aus seinen Anfangsjahren als Arzt.

Ich habe damals in der Rettungsstelle gearbeitet und an einem Tag kamen viele Patienten mit einem Schlaganfall zu uns. Die Kollegen haben gewitzelt und gesagt, es sei schon wieder Schlaganfallwetter.

Dr. Florian Rakers, Neurologe

Für Florian Rakers war das der Impuls zu einer systematische Untersuchung. Seine Erkenntnis daraus: Schlaganfallwetter gibt es wirklich. Es sind die Tage, wenn es nach großer Hitze plötzlich bedeckt und deutlich kühler ist.

Wenn die Temperatur um 2,9 Grad abfällt, dann steigt das Schlaganfallrisiko um bis zu 30 Prozent.

Dr. Florian Rakers, Ernst-Abbé-Hochschule Jena

Rakers erklärt den Zusammenhang so: Bei plötzlicher Abkühlung ziehen sich die Blutgefäße zusammen, um Wärme zu speichern. Wenn sich dann Blutgerinnsel bilden, können sie im Hirn die zusammengezogenen Blutgefäße leichter verschließen. So kommt es zum Schlaganfall, vor allem, wenn Vorerkrankungen vorliegen. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes und erhöhte Blutfettwerte.

Hitze und Extremwetter: Gefahr lässt sich voraussagen

Sind solche Vorerkrankungen bekannt, lässt sich die Gefahr für betroffene Patienten voraussagen. Rakers hofft, dass er mit seinen Forschungsergebnissen dazu beitragen kann. Denn mit zunehmender Hitze und zunehmendem Extremwetter steigt auch die Gefahr von Schlaganfallwetter.

(hd/um/krm)

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