Bauer sprüht Pestizid auf Gemüse
Glyphosat schädigt die Embryonen von Amphibien. Bildrechte: Colourbox.de

Schon in niedriger Konzentration Folgestudie: Wieder embryo-schädigende Wirkung von Glyphosat festgestellt

16. Juni 2023, 11:34 Uhr

Forschende der Universität Ulm konnten nachweisen, dass der Unkrautvernichter Glyphosat die Embryonen von Amphibien schädigt. Bereits in niedrigen, deutlich unter den in der Natur gemessenen Konzentrationen führen die verwendeten Wirkstoffe zu sichtbaren Defekten bei Kaulquappen des südafrikanischen Krallenfrosches.

Bereits 2022 haben die Forschenden den Effekt eines Glyphosat-basierten Herbizids untersucht. In ihrer neuen Arbeit analysierten sie die Wirkung von Glyphosat als Reinstoff. Über 14 Tage lang wurden Krallenfroschembryonen unterschiedlich konzentrierten Glyphosat-Lösungen ausgesetzt. Die Forschenden orientierten sich dabei an Größenordnungen, wie sie weltweit auch in natürlichen Gewässern zu finden sind. Die Embryonen der Krallenfrösche entwickelten sich vom 2-Zell-Stadium bis zur Kaulquappe.

Die Forschenden stießen auf vergleichbare Fehlbildungen an Herz und Gehirn, wie in ihrer ersten Studie. Die Glyphosat-Kaulquappen wiesen im Gegensatz zu unbehandelten Kaulquappen kürzere Körper, kleinere Augen, missgebildete Hirnnerven, verkleinerte Herzen und einen verlangsamten Herzschlag auf. Die Forschenden stellten nicht nur fest, dass es durch das Glyphosat zu morphologischen Veränderungen und Verhaltensmodifikationen kommt. Sie fanden auch erste Hinweise auf einen möglichen molekularen Mechanismus, der die Aktivität eines wichtigen Gens hemmt, das für die Herzentwicklung eine wichtige Rolle spielt.

Überraschend für die Forschenden war, dass einige Defekte bereits bei der niedrigsten getesteten Konzentration von 0,1mg/l auftraten. Diese ist in natürlichen Gewässern vieler Länder teils mehrfach überschritten. So liegen die gemessenen Werte zum Beispiel in Portugal bei 2,46mg/l, in China bei 15,21mg/l und in Argentinien sogar bei einem Spitzenwert von 105 mg/l. Die Forschenden gehen davon aus, dass Herbizide wie Glyphosat zu den Hauptursachen des weltweiten Amphibiensterbens gehören könnten. Auch auf andere Tierarten wirken die Stoffe toxisch. Aktuell wird auf EU-Ebene über eine mögliche Verlängerung der Zulassung für Glyphosat und darauf basierender Herbizide beraten.