Collage zur Medienkollumne Das Altpapier vom 21. März 2018
Bildrechte: Collage MEDIEN360G/Panthermedia/Imago

Das Altpapier am 21. März 2018 Fritz Pleitgen hat kein Abitur!

Ein ehemaliger Spiegel-Ressortchef redet auf einer Nazidemo. Der Intendant des Deutschlandradios erläutert, wie er einen Teil jener "zurückgewinnen" will, die den Öffentlich-Rechtlichen derzeit skeptisch gegenüberstehen. Außerdem: Der Spiegel, das Berghain und die Drogen. Ein Altpapier von René Martens.

Collage zur Medienkollumne Das Altpapier vom 21. März 2018
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Eigentlich gehört Matthias Matussek zu jenen nach jwd marschierten Personen, die man ignorieren sollte, aber wenn jemand, der mal den Egon-Erwin-Kisch bekommen hat (1990 für diesen Text), auf einer von Rechtsextremisten und Rotlichtgestalten (siehe hier und hier) organisierten Demo eine Rede hält, hat das dann doch eine bisher unbekannte Qualität, das heißt, dann muss man vielleicht eine Ausnahme machen.

"Er ruft den Gegendemonstranten einige hundert Meter weiter entgegen, dass sie in anderen Ländern 'schon längst einen Kopf kürzer' wären",

schreibt Jürgen Klöckner für die Huffington Post in seinem Bericht über Matusseks Auftritt bei der montäglichen "Merkel muss weg"-Demo in Hamburg.

Gesagt hat es Matussek in diesem Zusammenhang:

"Vielleicht wissen es unsere jungen Krakeeler nicht: (…) In vielen muslimischen Staaten, die Atheismus unter Todesstrafe stellen, wäret ihr längst einen Kopf kürzer."

Auf den Herbst 2015 bezogen, sagte Matussek:

"Seither fluten über zwei Millionen junge muslimische Bodybuilder das Land."

Das könnte man tendenziell auch als bodybuilderfeindlich bezeichnen, was von Belang ist, weil die Demo ja von der Hamburger Türsteherszene mitorganisiert wird. Das Hamburger Abendblatt tut im übrigen so, als könne man eine Rede auf einer rechtsextremen Demo einfach so wegreportieren wie die eines Lokalpolitikers über ein neues Verkehrskonzept für Pöseldorf.

An Hinweisen auf die (vermeintliche) Brillanz des "alten" Matussek fehlt es in der Diskussion über dessen Auftritt derzeit nicht. Damit macht man es sich zu einfach. Interessanter wäre es doch aber, die alten Texte dahingehend zu analysieren, ob sich dort Motive, Denkfiguren und Formulierungen finden, anhand derer man seine spätere Entwicklung vielleicht schon hätte vorhersehen können. Das ist im Fall Jürgen Elsässer auch nur allenfalls sporadisch geschehen, aber m.W. nicht systematisch.

Innerhalb von zehn Jahren vom Spiegel-Ressortleiter zum Nazidemo-Kasper – jenseits aller Häme, stellt sich natürlich auch die Frage, was es über die Branche aussagt, wenn solche Entwicklungen möglich sind.

"ist das abgleiten etablierter alphajournalisten*innen in den kompletten irrsinn nicht am ende vor allem SYMPTOM EINES PERSONALFÜHRUNGSVERSAGENS GROSSER MEDIENHÄUSER????????",

fragt Jan Böhmermann auf typisch Böhmermannsche Art, und das klingt natürlich auf den ersten Blick etwas albern. Zur Hälfte ist die Frage aber berechtigt. Anders gefragt: Werden Journalisten eher verrückt als Busfahrer, Konditoren oder Hals-, Nasen- und Ohrenärzte? Und wenn ja, warum?

Antiaufklärerische Drogenberichterstattung

Das Magazin, für das Matussek Jahrzehnte gearbeitet hat, steht aktuell in der Kritik wegen einer Reportage über einen Drogentodesfall im Berghain. Vice griff die Sache bereits am Montag auf. Übermedien kritisiert, dass der Spiegel-Autor Alexander Osang ein relativ frei komponiertes Zitat des Berliner Kultursenators Klaus Lederer verwendet, das sich laut dem Politiker gar nicht auf das bezieht, auf was es sich zu beziehen scheint. Boris Rosenkranz zitiert aus Tweets Lederers und hat auch mit ihm gesprochen:

"Lederer fühlt sich verschaukelt von Osang. Der Text erwecke den Eindruck, er würde den Tod der Frau 'billigen', und dass er 'quasi der ideologische Täter' sei (…) Fragt man dazu bei Lederer noch mal telefonisch nach, spürt man seinen Zorn. Er schätze Osang als Journalist, deshalb sei er dessen Bitte um ein Gespräch sehr kurzfristig nachgekommen. Dass sich Osangs Geschichte um einen durch Drogenkonsum verursachten Todesfall drehe, habe er 'zu keinem Zeitpunkt' erkennen lassen. 'Sonst hätte ich mich dazu entsprechend geäußert.'"

Rosenkranz’ Fazit:

"Man kann so viele Fragen an diese Geschichte stellen, aber Osang stellt sie nicht in seinem Text. Dabei mangelt es ja nicht an Platz im Gesellschaftsteil, er hat ganze sieben Seiten, abzüglich Werbung. Osang schreibt stets sehr nah am Schicksal der Familie entlang, an deren Wunsch, den Tod ihrer Tochter und Ehefrau zu klären. Dabei verliert er alles andere aus dem Blick, das ein journalistischer Text dazu hätte leisten können."

Die taz kritisiert:

"Eine Spiegel-Reportage mystifiziert einen Ecstasy-Todesfall."

Laura Ewert schreibt dort des Weiteren:

"Wenn Drogenberichterstattung nicht auf Aufklärung bedacht ist, sondern auf größtmögliche Emotion, wird sie Konsumenten nicht dazu bringen, zunächst mit einer Viertel-Pille zu starten, sondern befeuert die Attraktivität des Verbotenen. Der Reporter hat also eine ähnliche Verantwortung wie der Clubbetreiber. Denn die Drogenkonsumenten, die man an der Kasse von Aldi trifft, beim Kinderarzt, im Meeting, die ihre Drogen nicht nur im Berghain konsumieren, sondern auch auf der Hochzeitsfeier in Husum, in der Eckkneipe, dem Restaurant, nehmen keine zwei Pillen in kurzer Zeit, wenn sie sich ein bisschen auskennen. Man erfährt im Spiegel-Text zwar, dass die Anwältin des Opfer-Ehemanns raucht, allerdings nichts über die Gefahren durch die unterschiedliche Zusammensetzung von Ecstasy-Tabletten."

Vielleicht könnte man auch sagen:

"Der Text ist wahnsinnig gut – vom Inhalt abgesehen."

Diese knackige Formulierung aus einer Twitter-Diskussion führt zu einer Grundsatzfrage: Gibt es möglicherweise ein paar zu viele supergut geschriebene Texte, die nicht mehr sind als bloß supergut geschrieben? Vielleicht spielt Osangs Artikel ja in knapp zwei Monaten eine Rolle, wenn sich der Spiegel mit seinen Kritikern (aus der Leserschaft) trifft (siehe aktuelle Hausmitteilung) "Wie lässt sich die Beziehung wieder kitten?" lautet ja die Frage, die sich die Ericusspitzenkräfte in einem Artikel stellen, der bei Blendle 75 Cent kostet.

Nicht auf die Gerichte warten!

Viel reden mit jenen, die noch beziehungsfähig sind, will auch Stefan Raue, der Intendant des Deutschlandradios. Seit einem halben Jahr ist er nun im Amt, was die SZ zum Anlass für ein Porträt nimmt:

"Hartgesottene Feinde der Öffentlich-Rechtlichen werde man von ihrer Haltung nicht wegbringen, meint Raue. Einen Teil der Skeptiker müsse man jedoch zurückgewinnen. Wie das gelingen kann? Indem man Kritik stärker annehme, so Raue, und auf Marktplätzen, in Parlamenten und im Studio mit den Menschen diskutiere, unabhängig von ihrer Einstellung."

Raue sieht das Deutschlandradio "in der Verantwortung", obwohl (…)

"das Deutschlandradio kein Fernsehen (macht), sein Geld also weder für Sportrechte (ausgibt) noch den Serienboom verschlafen (hat). Es betreibt im Hörfunk weder Popwellen im Stil der Privatradios noch digitale Spartenprogramme im Dutzend. Von den 17,50 Euro des Rundfunkbeitrags erhält die Anstalt 48 Cent. Sie ist also für wenig von dem verantwortlich, wofür die Öffentlich-Rechtlichen kritisiert werden"

Aber:

"Das öffentlich-rechtliche System überlebt entweder gemeinsam oder es fällt gemeinsam",

sagt Raue, der "die Zukunft des Rundfunks selbst gestalten und nicht darauf warten möchte, dass Politik und Gerichte alles lösen".

Müssen wir löschen?

Eine der hier am Dienstag aufgeworfenen Fragen in der auch heute unübersichtlich viele Artikel nach sich ziehenden Facebook-/Cambridge-Analytica-Sache beantwortet die New Republic folgendermaßen:

"Cambridge Analytica Is Shady. But Facebook is Shadier"

Der Standard berichtet, dass in den USA die Federal Trade Commission eine Untersuchung eingeleitet hat, und dass "das britische Parlament Facebook-Chef Mark Zuckerberg in der Affäre um einen möglichen Datenmissbrauch für den US-Wahlkampf anhören will". Christine Hannah Henkel fordert in ihrem NZZ-Kommentar etwas von jenem Zuckerberg:

"Der Facebook-Gründer sah sein soziales Netzwerk lange nicht als politischen Akteur. Er lag falsch. Nun muss er Stellung beziehen."

Löschen! So lautet die Devise, die Arwa Mahdawi im Guardian ausgibt:

"Deleting your Facebook account may not put an end to the surveillance state, but it sends an important message to big tech that we don’t trust them any longer."

Vanessa Wormer rät auf der SZ-Meinungsseite nicht dazu:

"Die Nutzer haben keine wirkliche Wahlmöglichkeit. Sie können nur verzichten, wenn sie sich mit der Indiskretion unwohl fühlen. Das aber ist in einer auf digitale Kommunikation ausgerichteten Gesellschaft kaum praktikabel. Es gibt keine massentauglichen Alternativen zu Facebook, Apple und Google. Denn es ist diesen Konzernen gelungen, eine monopolisierte digitale Welt zu schaffen. Der Kunde ist in dieser Welt nicht nur Käufer, sondern auch Lieferant – von Informationen zu seiner Person."

Wormers Kollege Simon Hurtz schreibt auf der Thema-des-Tages-Seite der SZ:

"Echte Gefahr droht Facebook (…) nur an zwei Fronten: Skandale könnten den Ruf so weit beschädigen, dass Unternehmen nicht mehr in einem derart belasteten Umfeld werben wollen. Oder Politiker könnten die Geduld verlieren und Steuern einführen oder Gesetze erlassen, die Facebook empfindlich treffen. Zumindest das zweite Szenario ist mittlerweile deutlich realistischer als noch vor einem Jahr."

Ob "der blaue Riese wankt", wie es in der Überschrift heißt, vermag ich nicht einzuschätzen, aber der Begriff "Wanken" lässt sich ja vielleicht auch weit interpretieren. Was Hurtz zu dem Thema sagt, kann man auch hören: "@mediasres" – am Dienstag ein Jahr geworden (herzlichen Glückwunsch nachträglich!) – hat mit ihm gesprochen.

Hoch ist der Personaleinsatz beim Handelsblatt, gleich vier Autorinnen und Autoren – Carsten Volkery, Britta Weddeling, Anis Micijevic und Domenico Sciurti – bringen uns auf den Stand, unter anderem zur "Kaltstellung" von CA-Chef Alexander Nix. Am Ende heißt es:

"Das Weiße Haus äußerte sich bisher nicht offiziell zu der Affäre um Cambridge Analytica und Facebook. Mitarbeiter Trumps versuchten in diversen Medien, die Verbindung zu der britischen Firma kleinzureden."

Über einen, der da ist, wo sich das Publikum befindet

Der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen wird heute 80 Jahre alt, und

beinahe warm ums Herz wird einem, wenn man Michael Hanfelds Würdigung in der FAZ liest (und über welchen Artikel Hanfelds, zumal über einen früheren Intendanten einer öffentlich-rechtlichen Anstalt lässt sich das schon sagen?):

"Er steht für einen Journalismus, der nicht Teil eines sich selbst genügenden Apparats ist und nicht erst Brücken zum Publikum bauen muss, weil er immer schon da ist, wo dieses sich befindet."

Dietrich Leder greift in seinem "Journal" für die Medienkorrespondenz ein Detail aus Pleitgens Biographie auf, das eine Rolle spielt in dem am Montag anlässlich des runden Geburtstages im WDR-Fernsehen ausgestrahlten Films "Fritz Pleitgen zum 80. – Stationen eines Rastlosen":

"Zu seinem Einstieg beim WDR im Jahr 1963 sagte er selbst, dass das so nur damals möglich gewesen wäre. Heute würde er, der weder Abitur besaß noch eine Berufsausbildung abgeschlossen hatte, aber durchaus als Zeitungsjournalist aufgefallen war, in dem öffentlich-rechtlichen Sender nicht mehr fest angestellt werden. Da wird für eine angestrebte Redakteurslaufbahn nicht nur das Abitur, sondern auch ein abgeschlossenes Hochschulstudium und die Absolvierung eines hauseigenen Volontariats verlangt. Auf den Anschlussgedanken, dass es vielleicht dieses Eingangsvoraussetzungspaket ist, das nun verhindert, dass eigenwillige Charaktere, wie es Fritz Pleitgen ohne Zweifel bis heute einer ist, in den Sender gelangen, kommt er allerdings nicht."

Vielleicht kann man ja Pleitgen mal dazu holen, wenn künftig über die Forderung diskutiert wird, bei der Ausbildung und Einstellung von Journalisten in stärkerem Maße als bisher Diversitätsaspekte zu berücksichtigen (siehe u.a. Altpapier und einen schon etwas älteren taz-Artikel Anne Fromms)

Noch lange nicht 80, aber demnächst (ab Ende März), wie Pleitgen, im Ruhestand: Günter Bannas, Hauptstadtpolitikberichterstatter der FAZ. Was er in dieser Eigenschaft seit 1981 in Bonn und Berlin erlebt hat, hat er in unterschiedlichen Beiträgen für seine Zeitung und fürs Medium Magazin aufgeschrieben

"Sogenannte Journalistenkreise gab es in Bonn und gibt es in Berlin. Sie trugen und tragen illustre Namen: Gelbe Karte, Wespennest-Kreis, Fact-Finder, Wohnzimmer-Kreis, Adler-Kreis, Lila Karte, Ruderclub, U-30. Das Prinzip: Ein Gast erzählt, vergleichsweise vertraulich, über die wichtigen Dinge aus der Politik. Oder auch die weniger wichtigen",

schreibt in der FAZ. Und, thematisch dazu passend, im Medium Magazin:

"Früher war keineswegs alles besser. Beinahe gilt das Gegenteil. Hans-Dietrich Genscher, der langjährige Außenminister, hatte es geschafft, eine Gruppe von Korrespondenten um sich zu scharen, die sich gerne 'diplomatische Korrespondenten' nennen ließen und sich nahezu als außenpolitische Berater des FDP-Politikers fühlten."

Möglicherweise gab es aber doch etwas, was früher besser war. Im FAZ-Text schimmert jedenfalls durch, dass Bannas etwas wehmütig auf die Zeiten zurückblickt, als der konservative Journalismus noch ernsthafte Gegner hatte. Er erinnert zum Beispiel an

"die Zeiten der Grünen, als deren sogenannter linker Flügel noch richtig links war und von den Realos noch 'fundamentalistisch' genannt wurde. Gespalten war auch er – in die ökologischen 'Fundis' aus Frankfurt um Jutta Ditfurth und die 'Ökosozialisten' aus Hamburg. Deren Anführer hießen Rainer Trampert und Thomas Ebermann (…) Die beiden gaben vor, ein klares Feindbild zu haben, weshalb sie die Frankfurter Allgemeine Zeitung lasen: 'Wir müssen wissen, was der Klassenfeind denkt.'"

Altpapierkorb (Docupy, was Bild-Redakteure aufgeilt, das "Raser"-Urteil und die Medien, 50 Jahre iz3w, allgemeiner Verblödungszusammenhang)

+++ Anlässlich zweier weiterer Grimme-Preise für die Bildundtonfabrik hat dwdl.de mit dreien der Macher gesprochen – unter anderem über das gemeinsam mit dem WDR umgesetzte Docupy-Projekt. Die sog. Creative Producerin Eva Müller sagt dazu: "Es ist das erste Mal, dass die klassischen Doku-Autoren so eng und vor allem von Anfang an mit den Onlinern zusammenarbeiten. Das macht großen Spaß, weil beide Welten so unglaublich viel voneinander lernen können. Einerseits recherchieren die Film-Autoren ganz anders, andererseits gehen die Onliner mit einer viel größeren Leichtigkeit an Themen heran, was eine neue Form der Umsetzung zur Folge hat." Der erste Schwerpunkt heißt "Ungleichland", es geht um die "Ungleichheit von Reichtum, von Chancen, von Macht in Deutschland" (Müller). Im linearen Fernsehen wird’s zum Auftakt vier Filme geben – neben einem am 7. Mai um 20.15 Uhr in der ARD noch drei 45-Minüter im WDR-Fernsehen.

+++ Wie sich die Typen (und möglicherweise auch die Typinnen) bei der Bild-Zeitung immer, immer, immer wieder aufgeilen an "Sex-Lehrerinnen" bzw. Lehrerinnen, die Schüler und Schülerinnen "verführen", dokumentiert der Bildblog.

+++ "Allen 'Profis' des Strafrechtsgeschäfts (ist) klar, dass man zu Einzelheiten eines Urteils und seiner (tatsächlichen und rechtlichen) Begründung eigentlich gar nichts sagen kann und deshalb auch nicht sollte, bevor man nicht die schriftlichen Urteilsgründe gelesen hat. Für die Publikumspresse ist das anders: Da zählt die schnelle Nachricht über das Ergebnis, und die 'Analysen', die mit- oder nachgeliefert werden, sind häufig oder meist weniger von Rechtsfragen als von Emotionen und allgemeinen 'Einschätzungen' geprägt." Das schreibt Thomas Fischer – ja, wer denn sonst? – bei meedia.de anlässlich der von solch sehr frühen Einschätzungen geprägten Berichterstattung über das sog. Raser-Urteil des Landgerichts Berlin im Februar 2017 und der Aufhebung des Urteils durch den Bundesgerichtshof in diesem Monat. Einen nicht unerheblichen Teil seines Textes widmet Fischer einer doch eher privat wirkenden Fehde mit einer Juristenkollegin, die es mal gewagt hat, ihn zu kritisieren.

+++ Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) "hat die Türkei wegen der Inhaftierung von zwei Journalisten verurteilt. Die Türkei habe damit gegen die Grundrechte von Mehmet Altan und Şahin Alpay auf Freiheit und Meinungsfreiheit verstoßen, befanden die Richter am Dienstag (…) Das Gericht sprach den beiden Klägern zudem jeweils 21500 Euro Entschädigung zu", berichtet die FAZ. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig – und damit zumindest kurzfristig folgenlos. Christian Rath erinnert uns in der taz daran, wer die Kläger sind: "Altan war Ökonomieprofessor und Journalist. Im inzwischen geschlossenen Fernsehsender Can Ecinsan TV hatte er eine politische Diskussionssendung. Alpay schrieb für die konservative regierungskritische Zeitung Zaman, die der Gülen-Bewegung nahestand." Rath weist auch darauf hin, dass Deniz Yücels EGMR-Klage gegen seine Inhaftierung trotz der Freilassung weiterhin anhängig ist. Yücels Anwalt Veysel Ok hatte Mitte Februar noch die Langsamkeit des EGMR im Umgang mit den Klagen türkischer Journalisten kritisiert (siehe Altpapier).

+++ "Unbelievable" findet der Journalismusprofessor Volker Lilienthal, dass die EU-Kommission netzpolitik.org eine Presseakkreditierung verweigert hat. Die SZ berichtet über den Fall, unter anderem Bezug nehmend auf einen netzpolitik.org-Beitrag in eigener Sache.

+++ Mal wieder ein Zeitschriftenjubiläum: Die iz3w, die sich bevorzugt jenen Weltregionen widmet, die man einst unter dem Begriff Dritte Welt zusammenzufassen pflegte, feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Gewürdigt wird’s in der Online-Ausgabe der Verdi-Zeitschrift M – Menschen Machen Medien. Die März/April-Ausgabe von iz3w ist dem Thema Pressefreiheit gewidmet. Lesetipp: Georg Seeßlens "Essay zum dialektischen Verhältnis von Freiheit und Unfreiheit in Meinung und Rede". Vielleicht ergibt sich in der kommenden Woche noch die Gelegenheit, näher auf den Text einzugehen.

+++ Veranstaltungshinweis für Altpapier-Leser in und um Potsdam. Im HausZwei des Kulturzentrums Freiland liest heute Hermann L. Gremliza, der Herausgeber der Zeitschrift konkret. "Wo die sich nur noch in Nuancen unterscheidenden Leitartikel einem zum hundertsten Mal mitteilen, dass Judenkritik hierzulande jetzt wieder erlaubt ist, dass 'wir alle' dringend zum Wohle aller 'den Gürtel enger schnallen' oder den Flüchtling im Mittelmeer ersaufen lassen müssten, wo in den Medien nach Kräften gefleischhauert, geaugsteint und getellkampt wird, dass es nur so eine Art hat, und früher oder später, wie hierzulande allgemein üblich, alle mit einstimmen, erinnert uns Gremliza mit seinen Beiträgen zuverlässig daran, dass es einmal so etwas wie eine kritische Linke gab, bevor diese in weiten Teilen vom allgemeinen Verblödungszusammenhang erfolgreich zerbröselt wurde" – so stimmt das Neue Deutschland auf den Abend ein, der im übrigen moderiert wird vom heute oben im Zusammenhang mit Günter Bannas bereits erwähnten Thomas Ebermann.

+++ Gestorben ist in der vergangenen Woche der Illustrator und Cartoonist Robert Grossman. Der amerikanische Rolling Stone erinnert jetzt an die Titelbilder, die Grossman zwischen 1972 (Dylan) und 2016 (Trump) für das Magazin gestaltete.

Neues Altpapier gibt es wieder am Donnerstag.

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