#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 10. April

1944: Flucht aus Auschwitz

Am 10. April 1944 gelingt es den Funktionshäftlingen Rudolf Vrba (ursprünglich Walter Rosenberg) und Alfréd Wetzler, aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu fliehen. Sie nutzen die Tatsache aus, dass Häftlinge teilweise in der Nähe des Lagers, aber außerhalb des streng bewachten Elektrozauns arbeiten. Sie werden von der sogenannten großen Postenkette bewacht, also SS-Wachen die im Umkreis von 1-3 Kilometern ums Lagergelände aufgestellt sind. Diese Wachen werden nach der Arbeitszeit wieder abgezogen. Wenn beim abendlichen Zählappell Häftlinge fehlen, bleibt die große Postenkette aber drei Tage und drei Nächte lang ununterbrochen besetzt.

Vrba und Wetzler verstecken sich deshalb drei Tage lang in einem Erdloch unter einem Holzstoß zwischen Lagerzaun und der großen Postenkette. Als die Bewachung nach drei Tagen wieder reduziert wurde, können sie in die Freiheit entkommen und in die Slowakei fliehen.

Die beiden Männer verfassen im gleichen Jahr den dreißigseitigen "Vrba-Wetzler-Bericht", in dem sie die Ereignisse in Auschwitz seit 1942 wie die Organisation des Lagers und den industriellen Massenmord dokumentieren. Sie tragen einen wichtigen Teil dazu bei, dass die Alliierten von den Gräueltaten im Lager informiert werden. Es handelt sich um den ersten Bericht von Auschwitz-Häftlingen, dem wegen seiner Genauigkeit und Authentizität von den Alliierten geglaubt wurde. Zu seinem Schutz nennt sich Rosenberg "Rudolf Vrba", nach dem Ende der deutschen Besatzung nahm er den Namen offiziell an.

1945: Luftangriff auf Plauen

Am 10. April 1945 wird Plauen bei einem Bombenangriff zerstört. Ab September 1944 war Plauen von insgesamt 14 Luftangriffen betroffen, die 75 Prozent der Innenstadt zerstören. In der Nacht vom 11. zum 12. April erlebt Plauen den letzten Bombenangriff. Am 16. April 1945 marschieren US-Truppen in Plauen ein. Noch heute kommt es in Plauen immer wieder zu Munitions- und Bombenfunden aus dem Zweiten Weltkrieg. Als Erinnerung an die schwerste Bombardierung der Stadt findet jährlich am 10. April auf dem Hauptfriedhof eine Kranzniederlegung statt.

1961: Erste Zivildienstler treten in der Bundesrepublik ihren Dienst an

Am 10. April 1961 gibt es die ersten "Zivis" in Westdeutschland. Die 340 Kriegsdienstverweigerer der Jahrgänge 1937/38 treten einen Ersatzdienst an. Auch die DDR schafft drei Jahre später eine Möglichkeit für Verweigerer: den Dienst als sogenannter Bausoldat, der allerdings mit Schikanen und beruflichen Nachteilen im späteren Leben verbunden ist. Im November 1964 treten die ersten Bausoldaten ihren Dienst an, um militärische Einrichtungen wie Kasernen zu bauen.

1991: Der letzte Wartburg rollt vom Band

Am 10. April 1991 rollt der letzte Wartburg im VEB Automobilwerk Eisenach vom Montageband. Der Wartburg wurde seit Oktober 1955 produziert und nach dem Wahrzeichen der Stadt benannt. Bis zu 15 Jahre mussten DDR-Bürger auf einen in Eisenach produzierten PKW warten. Doch mit der Wiedervereinigung wurde klar: Weder die Ost- noch die Westdeutschen interessieren sich noch für den Wartburg. Schließlich wird das Automobilwerk von der Treuhand wegen sinkender Nachfrage und veralteter Technik geschlossen. Der letzte, rotlackierte Wartburg wird von den Mitarbeitern, denen nun die Arbeitslosigkeit droht, zum Werksausgang begleitet.

Pkw Wartburg nach Fertigstellung im Werk 2 min
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2000: Angela Merkel zur Bundesparteivorsitzenden der CDU gewählt

Am 10. April 2000 wird Angela Merkel zur Bundesvorsitzenden der CDU gewählt. Vor ihrer politischen Laufbahn studierte sie an der Universität in Leipzig Physik. Nach ihrer Promotion in Berlin wurde sie Mitglied der Bürgerbewegung "Demokratischer Aufbruch", die sich später mit der Ost-CDU zusammenschloss. Als "Allianz für Deutschland" trat das Bündnis bei den ersten freien Wahlen der Volkskammer 1990 an. Im gleichen Jahr wurde Angela Merkel CDU-Mitglied und 15 Jahre später die erste Regierungschefin Deutschlands. Ihren CDU-Parteivorsitz gibt sie 2018. Bei der Bundestagswahl 2021 kandidiert sie nicht mehr für das Kanzleramt.

2001: Niederlande legalisiert Sterbehilfe

Am 10. April 2001 verabschiedet das niederländische Parlament ein neues Sterbehilfegesetz. Es ist das erste Gesetz, dass sowohl passive als auch aktive Sterbehilfe legalisiert. Doch die Ausnahmeregelung gilt nur für Ärzte: Für alle anderen bleibt die Tötung auf Verlangen und Beihilfe zum Suizid eine Straftat. In Deutschland ist aktive Sterbehilfe verboten. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erlaubte 2020 jedoch die geschäftsmäßige Sterbehilfe. In Deutschland können seitdem alle Menschen, die sterben wollen, die Dienste solcher Sterbevereine nutzen. Das Grundgesetz garantiere "ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben" und damit auch die Freiheit, "hierbei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen", so die Richter. Kritiker sehen in diesem Urteil die Normalisierung des Suizids.