
Ausflugstipps Architektur in Sachsen: 14 beeindruckende Bauwerke entdecken
Hauptinhalt
17. Januar 2025, 13:53 Uhr
In Sachsen gibt es viele imposante Bauwerke. Ob die Niemeyer-Kugel in Leipzig, der Ufa-Kristallpalast in Dresden, die Albrechtsburg Meißen oder die Göltzschtalbrücke im Vogtland. Ein Ausflug für Architekturbegeisterte lohnt sich. Wir stellen Ihnen 14 spannende Gebäude vor – mitunter von Star-Architekten wie Daniel Libeskind oder Oscar Niemeyer. Hier finden Sie eine Übersicht – inklusive Adressen und Öffnungszeiten.
Inhalt des Artikels:
- Weltweit einzigartig: Das Haus Schminke in Löbau
- 150 Jahre Baugeschichte: Der Kaßberg in Chemnitz
- Raumschiff an Industriebau: Niemeyer-Kugel in Leipzig
- Kubus der Kunst: Museum der bildenden Künste Leipzig
- Wiederbelebung der Industrie-Architektur: Panometer Leipzig
- Stahl und Glas: Ufa-Kristallpalast Dresden
- Familienzentrum in der Schokoladenfabrik Dresden
- Starke Symbolik: Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden
- Besondere Einblicke: Gläserne Manufaktur in Dresden
- Formen der Diaspora: Neue Synagoge Dresden
- Cube in Dresden: Das weltweit erste Haus aus Carbonbeton
- Weltrekord: Die Göltzschtalbrücke im Vogtland
- Denkmal der Gotik: Albrechtsburg in Meißen
Weltweit einzigartig: Das Haus Schminke in Löbau
Das Haus Schminke in Löbau gilt als eines der vier wichtigsten Wohnhäuser der Klassischen Moderne weltweit. Charlotte und Fritz Schminke hatten klare Anforderungen an ihr Eigenheim, als sie 1930 den Architekten Hans Scharoun mit der Planung beauftragten. Es sollte ein modernes Haus für zwei Eltern und vier Kinder und gelegentlich ein bis zwei Gäste sein. Zudem sollte es Arbeiten und Wohnen vereinen sowie Technik und Natur versöhnen. Charlotte und Fritz Schminke wünschten sich ein Haus, das ihnen ein geschütztes aber auch freies Leben in familiärer Gemeinschaft bietet und das leicht zu bewirtschaften war. Das Ergebnis ist eine Villa, die ebenso extravagant wie funktionell ist.
150 Jahre Baugeschichte: Der Kaßberg in Chemnitz
Der Chemnitzer Stadtteil Kaßberg ist eines der größten zusammenhängenden Gründerzeit- und Jugendstilviertel Europas. Das Viertel liegt westlich der Innenstadt auf einer Anhöhe über dem Fluss Chemnitz und dem Kappelbach. Der Kaßberg mit seinen breiten, von Bäumen gesäumten Straßen und beeindruckenden Fassaden wurde vorwiegend für den Mittelstand, Beamte und Kleinbürger angelegt. Sein Grundriss ist rasterförmig.
Die Bebauung des Kaßbergs begann Mitte des 19. Jahrhunderts und erfolgte in drei Phasen: Die erste Phase von 1860 bis 1914 war geprägt von Blockrandbebauung und prächtigen Fassaden des Historismus. Auch die zweite Phase nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte in Blockrandbauweise – zu Beginn der 20er-Jahre zunächst mit einzelnen Wohnhäusern, später entstanden große Wohnhöfe. Die dritte Bauphase begann in den 50er-Jahren mit dem Weiteraufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäude. Mit einem Wandel der städtebaulichen Planung in den 1960ern hielt die Zeilenbebauung Einzug am Kaßberg. Seit 1990 wurden vor allem die Bausubstanz saniert und Lücken bebaut.
Raumschiff an Industriebau: Niemeyer-Kugel in Leipzig
Die Niemeyer-Sphere, auch Niemeyer-Kugel genannt, ist ein futuristisches Werk im Leipziger Stadtteil Neulindenau. Dort ist die dreigeschossige Kugel an einer backsteinernen Industriehalle der Kirow-Werke angebracht und wirkt, als würde sie lediglich an der oberen Hausecke andocken. Durch ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem scheint sie im Dunkeln gar zu schweben. Sie hat einen Durchmesser von zwölf Metern und besteht aus einer Hülle von Sichtbeton und zwei harmonisch gerundeten Fensterbereichen, die wiederum aus 144 dreieckigen Einzelscheiben bestehen. Sie können in Gänze, aber auch einzeln, binnen weniger Sekunden abgedunkelt werden.
Die Niemeyer-Kugel ist der letzte realisierte Entwurf des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, bevor er 2012 im Alter von 104 Jahren starb. Gebaut wurde sie 2017 bis 2020 von Jair Valera, Niemeyers langjähriger rechten Hand aus Rio de Janeiro, zusammen mit dem Harald-Kern-Architekturatelier aus Leipzig. Sie beherbergt ein Restaurant und eine Lounge inklusive Zugang zur benachbarten Dachterrasse. Laut Konzept soll sie hauptsächlich für private Feiern genutzt werden, aber auch Kunst und Kultur bekommen Platz.
Kubus der Kunst: Museum der bildenden Künste Leipzig
Der gläserne Kubus des MdbK Leipzig, mitten in der Innenstadt, überragt mit seiner Höhe von 36 Metern die Gebäude in seiner Umgebung. Die Höfe und Terrassen öffnen das Museum zur Stadt hin und greifen das Prinzip der Leipziger Passagen auf. Im Inneren dominieren Glas, Muschelkalk, Sichtbeton und Eichenholz. Das Gebäude wurde nach Plänen der Berliner Architekten Karl Hufnagel, Peter Pütz und Michael Rafaelian realisiert.
Wiederbelebung der Industrie-Architektur: Panometer Leipzig
Das Gasometer in Connewitz, das heute unter dem Namen "Panometer" bekannt ist, stammt aus dem Jahr 1910 und wurde als zweites Gaswerk in Leipzig von August Friedrich Viehweger gebaut. Das imposante Gebäude wurde bis 1977 zur Speicherung des produzierten Stadtgases genutzt. Weil Leipzig später über Ferngas versorgt wurde, stellte man die Erzeugung von Stadtgas ein und legte das Werk still. Lange Zeit blieb es ungenutzt.
Damit es nicht verfiel, wurde ab 2002 das Kuppeldach, die Fenster sowie Teile der Außenanlage saniert. 2003 wurde es dann als Ausstellungshaus der 360-Grad-Panoramen des Künstlers Yadegar Asisi genutzt. Das Wort "Panometer" entstand aus den Begriffen Panorama und Gasometer. Auf einer Panoramafläche von 3.500 Quadratmetern lädt das Industriedenkmal heute die Besuchenden zu faszinierenden Ausstellungen in 360-Grad-Optik ein. Auch über die Gasgeschichte des Gebäudes kann man bei einer Führung etwas lernen.
Übrigens: Der kreisrunde Ziegelbau hat einen Durchmesser von knapp 57 Metern. Die Höhe des Wandmauerwerks beträgt 30 Meter, und die Kuppel mit der Laterne erreicht 49,4 Meter.
Stahl und Glas: Ufa-Kristallpalast Dresden
Der Ufa-Kristallpalast in Dresden ist ein spektakuläres Beispiel neuester Architektur. Erbaut wurde er 1997/1998 als Erweiterung des Rundkinos, auch wenn beide Kinos heute nicht mehr zusammengehören. Das dekonstruktivistische Gebäude besteht aus einem asymmetrischen Bau aus Sichtbeton, an den sich ein von Glas umschlossenes Stahlskelett anschließt. Dieser Teil erinnert an einen Kristall und ist für den umgangssprachlichen Namen des Kinos verantwortlich.
Entworfen wurde der Kristallpalast vom Wiener Architektenbüro Coop Himmelb(l)au. Er war zunächst äußert umstritten wegen seiner außergewöhnlichen dekonstruktivistischen Formen.
Familienzentrum in der Schokoladenfabrik Dresden
Schokolade wurde hier schon seit 1953 nicht mehr hergestellt, und nach 1990 geriet das Fabrikgebäude immer mehr zum Schandfleck des Viertels. Bis 2018 der Deutsche Kinderschutzbund beschloss, die Ruine zu kaufen und dort ein Familienzentrum einzurichten. Gemeinsam mit dem Dresdner Büro "Alexander Poetzsch Architekten" ist man diese Mammutaufgabe angegangen, hat z.B. das marode Dach über der einstigen Fabrikhalle entfernt und so einen lichtdurchfluteten Innenhof geschaffen.
Im modern sanierten Haus selbst, das u.a. Beratungsstelle, betreutes Wohnen, Jugendklub und Stadteilbibliothek beherbergen wird, trifft man wiederum auf eine Materialkollage, die die verschiedenen Zeitschichten des Gebäudes repräsentiert und womit der Industriecharakter und damit die Geschichte der Schokofabrik sichtbar bleiben.
Starke Symbolik: Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden
Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in der Dresdner Albertstadt ist eines der größten militärhistorischen Museen in Europa. Sein Neubau – geplant vom amerikanischen Architekten Daniel Libeskind – ist zugleich erstes und größtes Exponat. Wie ein Keil durchschneidet er das historische Hauptgebäude in zwei Hälften. Der Neubau wird zum Zeichen von Krieg und Schmerz und zum symbolischen Verweis auf Zerstörung und Wiederaufbau Dresdens: So ist die Spitze des Keils auf die Abwurfstelle der ersten Markierungsbomben gerichtet. Die Fläche des Keils entspricht dem Umriss der zerstörten Fläche im Stadtgebiet.
Besondere Einblicke: Gläserne Manufaktur in Dresden
Die Gläserne Manufaktur ist eine Produktionsstätte von Volkswagen in Dresden. Errichtet wurde sie nicht in einem Industriegebiet vor den Toren der Stadt, sondern im Herzen der Stadt, direkt neben dem Großen Garten. Der Bau besteht aus geraden und organischen Formen.
Die offene, transparente Architektur macht die Produktion sichtbar und soll den Automobilbau zu einem Ereignis machen. Für die transparente Fassade wurden 27.500 Quadratmeter Glas verbaut. Verantwortlich für den Entwurf war das Architekturbüro Henn aus Berlin. Im Dezember 2001 wurde die Gläserne Manufaktur eröffnet.
Formen der Diaspora: Neue Synagoge Dresden
Bei den Pogromen am 9. November 1938 wurde die Synagoge im Dresdner Zentrum zerstört. An der gleichen Stelle wurde 63 Jahre später ein neuer Sakralbau eingeweiht. Auf den ersten Blick wirkt die Neue Synagoge unscheinbar: glatte, sandsteinfarbene Wände mit unregelmäßigen Fenstern. Daneben steht ein weiterer Bau, der in sich verdreht ist, dazwischen liegt eine begrünte Fläche, die zum Verweilen einlädt. In der Architektur verbirgt sich viel: Es geht darum, das Jüdische sichtbar zu machen und die Gemeinde in die Stadt zu öffnen. In der Form sollen sich die Diaspora und der Wunsch nach einer festen Heimat widerspiegeln.
Cube in Dresden: Das weltweit erste Haus aus Carbonbeton
Dynamisch schwingen sich die Wandelemente des Cube hinauf, um sich schließlich zum Dach des weltweit ersten Gebäudes aus Carbonbeton mit- und ineinander zu verwinden. So sieht die Zukunft des Bauens aus. Keine Korrosion und damit eine lange Lebensdauer, sechs- bis siebenmal höhere Festigkeit als Stahl, zudem weniger Beton und reduzierte CO2-Emissionen – all das verbindet sich mit dem neuen Material, das den bewährten Stahlbeton künftig ablösen könnte.
Damit repräsentiert der Cube sämtliche Ergebnisse des Forschungsprojektes C³ – Carbon Concrete Composite, an dem die TU Dresden federführend beteiligt ist. Demonstriert wird daran auch, was alles bautechnologisch möglich ist – vom normalen Einfamilienhaus bis zu extravaganten Sonderbauteilen.
Genutzt werden soll das Gebäude künftig für Veranstaltungen, Vorträge und Ausstellungen, hauptsächlich dient es aber weiterhin wissenschaftlichen Untersuchungen – dem Praxistest von Carbonbeton.
Weltrekord: Die Göltzschtalbrücke im Vogtland
Sie gilt als größte Eisenbahn-Ziegelbrücke der Welt und ist das Wahrzeichen des Vogtlands: die Göltzschtalbrücke. Ihr Bau wurde im Zuge des Baus der Eisenbahnlinie Leipzig-Nürnberg in den Jahren 1846 bis 1851 beschlossen. Entworfen wurde die Brücke von Johann Andreas Schubert. Nachdem ein deutschlandweit ausgelobter Wettbewerb 1845 zu keinem Ergebnis kam, weil keiner der Vorschläge die statische Sicherheit nachweisen konnte, legte der Leiter der Prüfungskommission selbst Hand an.
Die 1851 fertiggestellte Ziegelstein-Brücke hat eine Höhe von 78 Metern und ist 574 Meter lang. Lediglich für die Fundamente, Pfeilerschäfte und Tragebögen wurde Naturstein genutzt.
Denkmal der Gotik: Albrechtsburg in Meißen
Die Albrechtsburg in Meißen ist eines der bekanntesten spätgotischen Architekturdenkmäler. Sie entstand zwischen 1471 und 1524 und gilt als der erste Schlossbau Deutschlands. Bereits im Jahr 929 war auf einem Felsen über dem Elbtal eine hölzerne, später steinerne Festung gebaut worden. Arnold von Westfalen baute sie schließlich im Auftrag der in Sachsen regierenden Brüder Ernst und Albrecht von Wettin zum Schloss um.
Aufgrund der steilen Hanglage führt das Kellergeschoss über zwei Etagen, gefolgt von Erdgeschoss und drei weiteren Etagen. Architektonische Neuheiten waren damals die Lichtführung durch sogenannte Vorhangbogenfenster und die im ganzen Schloss eingesetzten Zellengewölbe. Eine Treppe aus geschwungenen Stufen – der Große Wendelstein – gilt als Meisterwerk des Treppenbaus.
Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Juni 2024 | 17:10 Uhr