Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 Kunst-Parcours "Purple Path" im erzgebirgischen Thalheim eröffnet

"Purple Path", der violette Pfad – so nennt sich ein großangelegter Kunstparcours, der künftig von Chemnitz aus in 38 Städte im Erzgebirge führen soll. Sie alle werden 2025 die Kulturhauptstadtidee gemeinsam mit Chemnitz repräsentieren. Mehr als 70 Skulpturen werden dafür in den kommenden zweieinhalb Jahren entlang des Pfades aufgestellt, von Künstlerinnen und Künstlern mit Weltrang, aber auch von jenen, die aus der Region stammen. Einer, der vielleicht beides in sich vereint, ist der Maler und Bildhauer Friedrich Kunath, mit dessen Arbeit der "Purple Path" am 13. August 2022 im erzgebirgischen Thalheim feierlich eingeweiht wurde.

Purple Path - ein Kulturpfad, der Stadt und Umland verbindet 4 min
Bildrechte: dpa
4 min

Grit Krause über den "Purple Path" in Thalheim, der eines der Flagship-Projekte der Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 ist. Für den Auftakt wurde der Künstler Friedrich Kunath mit einer Skulptur eingeladen.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 13.08.2022 06:00Uhr 04:16 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Was ist das, was diese sechs – Tannen sind es wahrscheinlich – machen? Es wirkt so als wollten sie einen Reigen tanzen und fassten sich dazu an ihren Zweigen, als wären es Hände. Und etwas abseits ist noch ein weiterer, kleinerer Artgenosse, jedoch ausgeschlossen von allem, weshalb er auch traurig wirkt. Mitten im sogenannten Buntsockenpark im erzgebirgischen Thalheim sind die mannshohen Bäume, die sich in der Bronzeskulptur "Include Me Out" gruppieren, ein Blickfang.

"Der Titel illustriert dieses Paradox von Gemeinschaft und Ausgeschlossensein, dieses gewählte Isoliertsein und den Wunsch Teil einer Gemeinschaft zu sein. Daraus wird dann ein Spiel und dieses Spiel ist dann Kunst", so der Künstler Friedrich Kunath über seine Arbeit.

Vom Erzgebirge nach Los Angeles

Kunath selbst bezeichnet sich als "großen Freund von einer Absichtlosigkeit in der Kunst": "Diese Dinge entstehen einfach so und beim zweiten Blick erst entspringt eine Idee. Ich stehe mehr oder weniger daneben und dann wird daraus eine Bronzeskulptur. Natürlich sind diese Bäume innere Bäume, aber die kommen natürlich irgendwo her."

Menschen stehen um eine Bronze-Skulptur in Form von Zweigen herum.
Die Bronzeskulptur "Include Me Out" von Künstler Friedrich Kunath. Bildrechte: Courtesy Friedrich Kunath and König Galerie Berlin, Seoul, Wien / Foto: Ernesto Uhlmann

Und da liegt bei ihm das Erzgebirge durchaus nahe, denn dort, genauer gesagt in Chemnitz, wurde Friedrich Kunath 1974 geboren. Hier verbrachte er die ersten Jahre seiner Kindheit und ist auch später, als er schon in Ost-Berlin lebte, immer wieder in den Ferien zurückgekommen. Das prägt, genauso wie die gesamte Region, mit der er im Grunde Sachsen oder Mitteldeutschland meint und von Caspar David Friedrich, der Sächsischen Schweiz, wie auch von Bach erzählt. Inszwischen lebt Kunath in Los Angeles. Der Gedanke, dass die Skulptur in Thalheim nahe seiner Geburtsstadt steht, habe für ihn Poesie und mache ihn glücklich, sagt der Künstler.

Eine Gruppe aus sieben Menschen steht nebeneinander.
Kurator Alexander Ochs neben dem Künstler und Bildhauer Friedrich Kunath (rechts). Bildrechte: Courtesy Friedrich Kunath and König Galerie Berlin, Seoul, Wien / Foto: Ernesto Uhlmann

Ähnlich geht es ihm bei dem Gedanken, dass Chemnitz jetzt Europäische Kulturhauptstadt 2025 ist: "Wenn ich sage, ich bin in Chemnitz oder Karl-Marx-Stadt geboren, da gibt es kein: Wow! Das ist wirklich so. Wenn sich jemand als Witz eine deprimierende Stadt ausdenken müsste, dann wäre das Karl-Marx-Stadt oder Chemnitz. Und gerade Karl-Marx-Stadt, dessen Namen es nicht mehr gibt, das ist irgendwie eine Identitätsauslöschung, und dieser stiefmütterliche Umgang mit Chemnitz, das hat dann nochmal extra gefreut, dass es jetzt so eine offiziellere Bedeutung bekommt." – An der er mit seiner Skulptur "Include Me Out" in Thalheim nun seinen Anteil hat und deren Einweihung man durchaus als einen Meilenstein auf dem Weg zu Chemnitz 2025 bezeichnen kann.

Skulptur von Friedrich Kunath eröffnet "Purple Path" in Thalheim

Denn mit Friedrich Kunaths Arbeit wird gleichzeitig der Kunst-Parcours "Purple Path" eröffnet. Als wesentlicher Bestandteil des Kulturhauptstadtkonzeptes verbindet dieser Pfad Chemnitz mit den umliegenden, insgesamt 38 Städten und soll für die Besucherinnen und Besucher die gesamte Kulturregion ins Scheinwerferlicht rücken – getreu dem Motto "C the Unseen", also dass man das Unsichtbare, das bisher Unbemerkte, zu sehen bekommt. Dabei sollen künftig mehr als 70 Skulpturen diesen Weg säumen. 

Eine Frau mit Hund steht neben einer Bronze-Skulptur in Form eines geknickten Zweiges.
DIe Skulpturengruppe von Friedrich Kunath behandelt das Paradox von Gemeinschaft und Ausgeschlossensein. Bildrechte: Courtesy Friedrich Kunath and König Galerie Berlin, Seoul, Wien / Foto: Ernesto Uhlmann

"Wir sprengen damit den Kontext eines Museums oder einer Biennale, wo ich Künstlerinnen und Künstler einlade, Kunst zu zeigen, die aber nicht reagiert auf den Ort. Wir machen beides: Wir bringen tolle Kunst, und die Kunst reagiert auf den Ort, kommentiert den Ort neu und damit die ganze Region", sagt Alexander Ochs, der den "Purple Path" kuratiert und gemeinsam mit seinem Team eng mit den Menschen vor Ort zusammenarbeitet.

Ich habe die große Erwartung, dass wir 2025 sagen können: 'Wir haben gemeinsam eine kulturelle Idee mit vielen farbigen Facetten geschaffen!'

Alexander Ochs, Kurator des "Purple Path"

So wird der Park in Thalheim zur Einweihung von Friedrich Kunaths Skulptur beispielsweise mit unzähligen aus Woll- und Stoffresten gefertigten Schmetterlingen ausstaffiert sein. Gefertigt wurden sie in einem örtlichen Verein und verweisen auf die einst glorreiche Textilgeschichte des Ortes, der in der DDR als Sockenhauptstadt der Welt galt. Und es spielt der örtliche Posaunenchor. "Es gibt einen sehr breiten kulturellen Begriff, und es ist mir komplett egal, ob das nun eine Künstlerin von Weltruhm oder ein lokaler Künstler ist. Ich habe die große Erwartung, dass wir 2025 sagen können: 'Wir haben gemeinsam eine kulturelle Idee mit vielen farbigen Facetten geschaffen", erhofft sich Kurator Alexander Ochs.

Und das ist tatsächlich eine sehr handfeste Idee, denn die Skulpturen am "Purple Path" werden bleiben und auch über 2025 hinaus den Weg in die Kulturregion Erzgebirge weisen.

Eine Skulpturengruppe aus Bronze in Form von Zweigen.
Die Skulpturen am "Purple Path" sollen langfristig im Erzgebirge stehen. Bildrechte: Courtesy Friedrich Kunath and König Galerie Berlin, Seoul, Wien / Foto: Ernesto Uhlmann

(Redaktionelle Bearbeitung: Rebekka Adler)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. August 2022 | 08:15 Uhr