Bauhaus, Goethe und Mittelalter Thüringen: Ausflugstipps für Kultur unter freiem Himmel

Im Sommer wollen sich die wenigsten in geschlossenen Räumen aufhalten, vor allem weil derzeit noch Maskenpflicht und strenge Hygieneauflagen gelten. Kultur und Kunst können aber auch jederzeit im Freien besichtigt werden. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Besuch in einem gepflegten englischen Garten, einer Wanderung auf den Spuren des Bauhaus in Weimar oder einem Blick vom "Balkon Thüringens", den Dornburger Schlössern? Wir haben einige Tipps für Ausflüge in Thüringen gesammelt.

Schlosspark Altenstein
Gepflegte Wiesen, Beete und Hecken im Schlosspark Altenstein Bildrechte: Blanka Weber/MDR

Englischer Garten im Thüringer Wald

Der Schlosspark Altenstein ist ein Idyll vor dem Schloss: ein großer Springbrunnen, dessen Fontäne sich meterhoch auftürmt, die Wiesen gepflegt, der Rasen kurz. Picknicken darf man hier nicht, zumindest nicht im Innenbereich des Parks. Dort wächst ein historischer Baumbestand unter anderem mit einem Mammutbaum. Neben einigen Zypressen ist der Park mit heimischen Baumarten bestückt, die zu den unterschiedlichen Tages- und Jahreszeit ein interessantes Farbenspiel präsentieren, mit Aussicht ins Werratal.

Schlosspark Altenstein
Gartenkunst im Schlosspark Altenstein Bildrechte: Blanka Weber/MDR

Herzog Georg II. aus Meiningen hat hier Spuren hinterlassen. Auch Brahms war mehrfach dar. Viele Gäste des Herzogs zog es wie ihn und seine Familie zur Sommerfrische auf den alten Stall. Fürst Pückler-Muskau soll angeregt haben, den Park so zu gestalten, wie man ihn heute noch erleben kann. Das Besondere hier: aufwendig gestaltete Beete nach altem Muster, Pflanzen und Hecken, die so gestaltet sind, als würde sich ein Zopf über den Rasen schlängeln. Hohe Gärtnerkunst im englischen Stil mit Schloss und Teehäuschen. Fünf Gärtner und Gärtnerinnen sind hier täglich im Einsatz. Eine Woche braucht man, um allein die Hecke zu stutzen. Viele Gäste schlendern auch hoch in den nahe gelegenen Wald zum Aussichtsfelsen, denn dort gibt es den schönsten Blick hinab auf den englischen Park mitten im Thüringer Wald.


Mitmachen im Erfurter Stadtgarten

Der Erfurter Stadtgarten musste vor anderthalb Jahren wegen Brandschutzauflagen geschlossen werden. Nun will das Kultur-Café "Kreativtankstelle" den Ort neu beleben und endlich mehr Platz für Subkultur im Zentrum der thüringischen Hauptstadt schaffen. Da das Team die Ausschreibung der Stadt erst vor kurzem gewann, wurde das Gelände gemeinsam mit Freunden und Nachbarn spontan wieder fit gemacht. Alles ist noch auf wunderbare Weise improvisiert – vom gespendeten Geschirr bis zu selbst gebauten Blumenkästen. Riesige alte Platanen sorgen für ausreichend Schatten im Stadtgarten. Demnächst sollen außerdem Hochbeete auf dem Gelände angelegt werden, um es grüner und insektenfreundlicher zu machen.

Viele Menschen im Stadtgarten Erfurt
Ein Blick in den Erfurter Stadtgarten Bildrechte: Ronny Lessau

In Zukunft soll der Stadtgarten eine Oase der Erholung inmitten der Stadt und ein kulturelles Zentrum werden – geplant sind Theater, Mini-Konzerte und Lesungen, vielleicht wird es auch Silent Discos, Yoga-Stunden und Garten-Workshops geben. Vor allem soll der Garten ein Ort der Begegnung sein. Deswegen freuen sich die Betreiber über Anregungen, Ideen und Projekte. Allen Erfurtern soll die Möglichkeit gegeben werden, diesen Rückzugsort mitzugestalten.


Burg und Denkmal im Kyffhäuser

Mythisch und mächtig erhebt sich das Kyffhäuser-Denkmal an der Waldesgrenze. Im 11. Jahrhundert stand hier eine der größten Burgen Deutschland, die sich auf 600 Metern Länge erstreckt. In diesen Ruinen wurde 1896 das Denkmal für den verstorbenen Kaiser Wilhelm I. eingeweiht, das mit 81 Metern Höhe zu den größten Deutschlands gehört. Geprägt von Nationalismus und Militarismus sorgte das Denkmal mit dem Reiterstandbild des Heerführers Wilhelm auch immer wieder für Diskussionen und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg sogar leicht verändert.

Das Kyffhäuserdenkmal mit Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I.
Das Wilelm I.-Denkmal in den Ruinen der Kyffhäuser-Burg Bildrechte: MDR/Stefan Hellem

Diese wechselhafte Geschichte wird auch in der Ausstellung im Denkmal selbst thematisiert, die aber derzeit nur mit strengen Hygieneregeln besucht werden kann. Doch auch außerhalb der Ausstellung lohnt sich der Besuch im Kyffhäuser: Besucherinnen und Besucher können von der Spitze des Denkmalbaus auf der einen Seite weit nach Thüringen schauen, auf der anderen Seite bis nach Sachsen-Anhalt. Auch die Umgebung lädt zu einer Entdeckungstour ein. Die Kur & Tourismus GmbH Bad Frankenhausen, die sich um das Denkmal kümmert, veröffentlichte dafür sogar eine App, die Interessierte durch das Gelände führt und mehr Informationen zu bestimmten Stellen verrät.


Unterwegs zur und um die Wartburg

Teilansicht der Wartburg.
Der Besuch der Wartburg lässt sich etwa mit einer Erkundungstour durch Eisenach verbinden. Bildrechte: MDR/Hagen Wolf

Die Geschichte der Wartburg ist untrennbar mit der des Landes verbunden. Hier übersetzte Reformator Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche. Bis heute ist die Wartburg die einzige deutsche Burg, die ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Gelegen am nördlichen Zipfel des Thüringer Waldes ist die Wartburg ein beliebtes Ziel für Wanderungen. Fahrradbegeisterte können von hier den Herkules-Wartburg-Radweg befahren. Wer die Burg besuchen will, muss erst das etwa 400 Meter hohe, über Eisenach gelegene Felsplateau erklimmen. Oben angelangt erwartet Besucherinnen und Besucher ein beeindruckender Ausblick sowie ein architektonischer Mix, der auf Jahrhunderte Burggeschichte zurückgeht.


Klangspaziergang auf Bauhaus-Spuren in Weimar

Glasfassade des Studio 1 und die Skulptur Lehrstuhl
An der Bauhaus-Universität wurde der Hörspaziergang entwickelt. Bildrechte: MDR/Theresa Köhler

Mit der App "Wo ist Walter?" kann man sich in Weimar auf Spurensuche nach der Bauhaus-Geschichte und ihrem Gründer Walter Gropius begeben. Der Hörspaziergang wurde 2019 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses von Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar gestaltet.

Die Wanderung führt zu den wichtigsten Bauhaus-Schauplätzen auf dem Universitätscampus, zum Reithaus, Tempelherrenhaus und Märzgefallenendenkmal auf dem Weimarer Hauptfriedhof, dem einzigen baulichen Zeugnis von Walter Gropius in Weimar. Die App gibt es für Android und iOS.


Hennebergisches Museum Kloster Veßra

Im Hennebergischen Museum Kloster Veßra besichtigen Besucher 2010 die Ruine der Klosterkirche
Ruine der Klosterkirche Veßra Bildrechte: dpa

Machen Sie eine Reise ins Mittelalter: Die Klosteranlage Veßra stammt aus der Romanik, manche Gebäude wurden bereits im 12. Jahrhundert errichtet.

Neben den Gebäuden aus der Klosterzeit gibt es in Veßra auch ein Ensemble von Fachwerkhäusern sowie den Bereich "Erlebnis Landwirtschaft" zu sehen, der den technischen Wandel von der kleinbäuerlichen Arbeit bis hin zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zeigt. Auch historische Gartenanlagen laden zum Verweilen ein.

Infos zum Hennebergischen Museum Kloster Veßra Adresse:
Anger 35
98660 Kloster Veßra

Öffnungszeiten: Das Museum ist täglich von 9-18 Uhr geöffnet.

Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro


So lebten die Germanen: die Funkenburg

Die Funkenburg, eine germanische Wehranlage in Westgreußen
Oft dient die Funkenburg auch als Kulisse für Filmdrehs. Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Die Funkenburg in Westgreußen ist die Rekonstruktion einer germanischen Wehrsiedlung, die in die Lebenswirklichkeit vor über zwei Jahrtausenden führt. Die in den 70er-Jahren archäologisch erkundete Befestigungsanlage wurde am Originalstandort wiedererrichtet. Hier lebten Menschen vom 2. Jahrhundert v.Chr. bis zum frühen 1. Jahrhundert n.Chr. Umgeben von trutzigen Graben- und Wallanlagen mit Holzpalisaden, die Feindesangriffe abwehren sollten, finden sich auf dem Gelände u.a. ein Langhaus mit Versammlungsplatz als Zentrum, Wohn-Pfostenhäuser für die Gefolgschaft und ein Backofen.

Infos zur Funkenburg Adresse:
Rohnstedter Straße
99718 Westgreußen

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag, 12-17 Uhr, und nach Vereinbarung

Eintrittspreise: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro

 


Die Gärten von Bad Langensalza

Die Sternmagnolien blühen im Japanischen Garten.
"Kofuku no Niwa" heißt der japanische Garten in Bad Langensalza Bildrechte: dpa

Ob Japanischer Garten, Arboretum-Baumpark oder Rosengarten – in Bad Langensalza kommen nicht nur Pflanzenfreunde auf ihre Kosten. Der Japanische Garten vermittelt das Gefühl, in dem fernöstlichen Land zu verweilen, was gerade in Zeiten der Reisebeschränkung durch Corona eine kleine Entspannung für Menschen mit Fernweh bringen kann.

Es gibt hier plätschernde Wasserfälle und einen Platz der heiligen Bäume. Im "Garten der Bäume" gibt es nicht nur eine beeindruckende Vielfalt an Baumarten zu bewundern, die Bepflanzung ist so angelegt, dass der Garten in der wärmeren Jahreshälfte fortwährend sein buntes Gesicht ändert. Über 450 Rosenarten und -sorten betören im Rosengarten zur Blütezeit mit ihrem süßen Duft und ihrer Farbenpracht.

Infos zum Gartenreich in Bad Langensalza Öffnungszeiten:
Einzelne Parkanlagen sind täglich von 10-16 Uhr geöffnet.

Eintritt:
Bis auf Weiteres gilt für den Besuch Gartens der ermäßigte Eintrittspreis von 4 Euro. Der Zugang zum Arboretum ist kostenfrei.


Malerische Gegend: Dornburg-Camburg kennenlernen

Dornburger Schlösser 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nur wenige Kilometer nordöstlich von Jena schlängelt sich die Saale zwischen Felsen hindurch. Sonnige, mit Wein bewachsene Hänge sorgen für Toskana-Flair. Neben den bekannten Dornburger Schlössern gibt es hier auch idyllische Orte und kleine Wanderwege zu entdecken.

Die Kernstadt Camburg lohnt sich für einen Spaziergang. Hier kann man eine Hausbrücke aus dem Jahr 1709 sehen oder die Stufen zum Bergfried der Burg Camburg erklimmen. Die ehemalige Cyriaks-Kirche liegt etwas versteckt in einem Waldstück. Historiker vermuten, dass das Bauwerk aus der Zeit vor 1030 stammt. Von Camburg aus wandert man 1,5 Kilometer in den Stöbener Wald und kann die Ruine frei erkunden.

Die Ruine einer alten Kirche. Nur noch vereinzelte Mauern stehen.
Cyriaks-Ruine Bildrechte: MDR/Robin Hartmann


Zehn Autominuten von Camburg entfernt, liegen hoch oben auf einem Felsen die drei Dornburger Schlösser. Altes Schloss, Renaissance-Schloss und Rokoko-Schloss sind durch eine große Gartenanlage miteinander verbunden. Hier kann man zwischen Weinreben, Eschen- und Rosengängen spazieren und zur Saale hinabblicken. Die Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach nutzten den "Balkon Thüringens" einst als Sommerresidenz. Und auch Goethe weilte hier und verfasste seine "Dornburger Gedichte".

Infos zur Cyriaks-Ruine und den Dornburger Schlössern Dornburger Schlösser

Adresse:
Max-Krehan-Straße 2
07774 Dornburg

Cyriaks-Kirche (Ruine)

Adresse:
Stöbener Str. 8
07774 Dornburg

Dornburg-Camburg liegt am 35 Kilometer langen Saale-Radweg zwischen Jena und Bad Sulza.

Wandern im Nationalpark Hainich

Unberührte und wilde Natur gibt es im Nationalpark Hainich. Der Buchenurwald liegt im westlichen Thüringen und ist Teil des größten zusammenhängenden Laubwaldes Deutschlands. Seit 2011 wird der Park von der UNESCO als Weltnaturerbe geführt. Zahlreiche Wanderwege führen zwischen den Bäumen entlang, von denen einige mehr auffallen als andere: Die Betteleiche im Nordwesten des Parks ist mehr als 600 Jahre alt und gilt als Wahrzeichen des Forstes. Neben dem Alter beeindruckt die ungewöhnliche Form des durchgebrochenen Stamms, der Ähnlichkeit mit einem Tor hat.

Blühender Bärlauch
Aktuell blüht im Hainich der Bärlauch und bedeckt den Boden mit einer weißen Decke. Bildrechte: Nationalpark Hainich/Thomas Stephan

Vereinzelt finden sich unter dem Baumdach auch historische Orte wie die Überreste einer christlichen Bruderschaft in Ihlefeld oder der historischen Siedlung Sulzrieden im Westen. Dort steht die ungewöhnlich breite Silberbornlinde, die über einer Quelle steht, aus dem der Sage nach alle Neugeborenen von Berka kommen. Auch das Wildkatzendorf am Waldrand ist geöffnet, wo Interessierte größere Katzen in naturnahen Gehegen beobachten können.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Januar 2020 | 20:15 Uhr