Sehens- und schützenswert Diese Schätze beherbergen Thüringens Museen

Auf 1.722 Quadratmetern erinnert der Maler Werner Tübke bei Bad Frankenhausen an den Bauernkrieg, die weltweit artengetreueste Nachbildung eines Dodos in Erfurt verdeutlicht das Artensterben, und ein einzigartiger Ring zeugt von alten jüdischen Hochzeitstraditionen. Wir stellen eine Auswahl von bemerkenswerten und schützenswerten Museumsschätzen vor, die es in Thüringen zu entdecken gibt – sobald die Museen in der Corona-Krise wieder Besucherinnen und Besucher begrüßen dürfen.

Schloss Friedenstein Gotha: "Gothaer Liebespaar"

Das Gemälde gilt als Glanzstück der Gothaer Kunstsammlungen und wurde vermutlich 1480 vom Meister des Amsterdamer Kabinetts geschaffen. Das "Gothaer Liebespaar" ist neben der künstlerischen Meisterschaft aus zwei inhaltlichen Gründen bemerkenswert: Zum Ersten handelt es sich um das erste Doppelporträt der deutschen Tafelmalerei, das kein biblisches Thema behandelt. Vielmehr beruht es auf einer realen Beziehung. Denn das Bildnis ist zum Zweiten ein Nachweis, dass im Mittelalter Menschen ohne Heirat zusammenleben konnten.

Auf dem Gemälde ist ein Paar zu sehen, dass sich über eine Brüstung beugt. Zärtlich halten beide ein Stoffband in den Händen, das "Schnürlein" gilt als Symbol der Verbundenheit. Er hat sich zum Zeichen seiner Liebe wilde Rosen ins Haar geflochten und schaut direkt auf seine Geliebte, während sie ihren Blick auf das Band richtet.

Die Wappen weisen darauf hin, dass es sich bei dem Mann um Graf Philipp d. J. von Hanau-Münzenberg handelt. Nach dem Tod seiner Gattin ging er eine Beziehung mit der Bürgerlichen Margarethe Weißkircher aus Hanau ein. Das "Gothaer Liebespaar" steht damit in der Minnetradition des ungleichen, aber verliebten Paares und wurde selbst zum Inbegriff zeitloser Liebe.

Eine Frau betrachtet im sanierten Herzoglichen Museum in Gotha (Thüringen) das "Gothaer Liebespaar" in der Ausstellung.
Das "Gothaer Liebespaar" in der Ausstellung des Herzoglichen Museums in Gotha Bildrechte: dpa

Werner Tübke, einer der bedeutendsten Maler der DDR, wurde sogar gefragt, ob er das Gemälde kopieren würde. Vermutlich wollte der Staat mit dem Gemälde handeln, um Devisen zu erwirtschaften. Dokumente legen nahe, dass der Künstler durchaus bereit gewesen wäre. Ob er es wirklich getan hat, ist allerdings unklar. Eine jüngere Prüfung ergab jedoch, dass das Original noch in Gotha hängt.

Mehr Informationen Das Gemälde "Gothaer Liebespaar" ist im Schloss Friedenstein ausgestellt.

Schlossplatz 1
99867 Gotha

Öffnungszeiten:
April bis Oktober: Di bis So, von 10-17 Uhr
November bis März: Di bis So, von 10-16 Uhr
Montag geschlossen


Alte Synagoge Erfurt: Jüdischer Hochzeitsring

Jüdischer Hochzeitsring: Das wichtigste Stück des Erfurter Schatzfundes. Der Ring stammt aus dem frühen 14. Jh. und ist aus purem Gold.
Jüdischer Hochzeitsring: Das wichtigste Stück des Erfurter Schatzfundes. Bildrechte: MDR/Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

Schwer und unhandlich muss das Schmuckstück am Finger gelegen haben. Der jüdische Hochzeitsring ist der bedeutendste Teil des Jüdischen Schatzes von Erfurt, der ungefähr 600 Stücke umfasst. Er stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Aufgrund seiner Größe und seines Wertes wird angenommen, dass er nicht einer einzelnen Familie, sondern der ganzen Gemeinde gehörte und bei Vermählungszeremonien genutzt wurde.

Der Ring besteht komplett aus Gold, das meisterlich verarbeitet wurde. Zwei ineinander gelegte Hände auf der Unterseite symbolisieren die Treue. Von dort erheben sich zwei geflügelte Drachen oder Greife, die den Tempel auf der Oberseite tragen. Die Grundfläche ist sechseckig und verweist auf den Hohetempel in Jerusalem. Die Architektur trägt jedoch gotische Merkmale. Auf den sechs glatten Dachflächen sind hebräische Buchstaben eingeprägt: "מזלטוב" – "Masal Tov". Das bedeutet so viel wie "Viel Glück" und ist der traditionelle Ausruf bei aschkenasischen Hochzeiten. Weltweit sind nur zwei Hochzeitsringe dieser Art bekannt.

Mehr Informationen Der Ring ist als Dauerleihgabe in der Alten Synagoge Erfurt zu sehen.

Waagegasse 8
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Di bis So, von 10-18 Uhr
Montag geschlossen


Naturkundemuseum Erfurt: Dodo-Rekonstruktion

Die plastische Nachbildung eines "Dodo".
Die Erfurter Rekonstruktion eines Dodos Bildrechte: Sebastian Brandt

Der Dodo ist das Symbol für das vom Menschen verursachte Artensterben: Jahrhundertelang lebte der etwa ein Meter große, flugunfähige Vogel ohne Feinde auf der Insel Mauritius, bis der Mensch auf die Insel kam. Ratten und Nutztiere zerstörten die Eier des Tieres, und für Menschen war es wegen seiner Zutraulichkeit leichte Beute. 1690, etwa 100 Jahre nach seiner Entdeckung, wurde zum letzten Mal ein Dodo gesichtet. Für die Menschheit hatte sein Aussterben wenig Bedeutung. Erst als Lewis Carroll den verschwundenen Vogel in seinem Kinderbuchklassiker "Alice in Wonderland" auftreten ließ, erlangte das Tier seine hohe Popularität.

Was vom Dodo noch blieb, waren Skelettteile und Zeichnungen. Anhand dieser Quellen hat der Erfurter Restaurator Marco Fischer das bis heute weltweit einzige Präparat eines Dodos erstellt. Dabei stand Fischer in ständigem Austausch mit anderen Naturkundemuseen und bezog neueste Forschungsergebnisse mit ein. So wurde das graubraune Gefieder aus Ohrfasanenfedern erstellt, das näher an das des Dodos heranreicht. Ein Jahr dauerten die Arbeiten, um ein wissenschaftlich möglichst exaktes Präparat zu erstellen, das stellvertretend für zahllose ausgerottete Tierarten steht.

Mehr Informationen Die Rekonstruktion des Dodos ist im Erfurter Naturkundemuseum zu sehen.

Große Arche 14
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Di bis So, von 10-18 Uhr
Montag geschlossen


Panoramamuseum Bad Frankenhausen: "Bauernkriegspanorama"

Das Rundbild ist 123 Meter lang, 14 Meter breit und mit einer Fläche von 1.722 Quadratmetern eines der größten Tafelbilder der Welt. Im Zentrum steht eine Schlacht des Bauernkrieges bei Bad Frankenhausen im Kyffhäuser: Ab 1524 kam es an mehreren Orten in Deutschland zu Aufständen von Bauern, Bergarbeitern und Stadtbewohnern, die sich gegen religiöse und gesellschaftliche Normen auflehnten. In Thüringen gilt der Theologe und Reformator Thomas Müntzer als wichtigste Figur der Bewegung. In der DDR wurde er als Frührevolutionär gesehen und als eine Art Vorreiter des Arbeiter- und Bauernstaates beziehungsweise der sozialistischen Philosophie geehrt.

So entstand im Kulturministerium in den 70er-Jahren die Idee zu einem Panoramabild, das die Ereignisse das Bauernkrieges zeigen sollte. 1975 wurde ein Rundbau, das Panoramamuseum, auf dem Schlachtberg fertiggestellt. Für das Gemälde wurde Werner Tübke angefragt. Der Malerei-Professor sagte nach einiger Bedenkzeit und unter der Bedingung zu, kein historisch korrektes Bild zu malen. 1976 ließ er sich von seinen Lehrtätigkeiten beurlauben, begann mit der Recherche und fertigte erste Skizzen an. Bis 1979 malte er eine Modellversion. Die Leinwand wurde in einem Stück in der damaligen Sowjetunion hergestellt und 1978 in der Rotunde angebracht. Gehilfen übertrugen Skizzen des Modells mithilfe von Projektionen auf die Leinwand. 15 Assistenten lernten in der Zwischenzeit, Tübkes Stil zu kopieren – fünf von ihnen unterstützten den Meister später und malten in Schichten. Tübke selbst musste seine Arbeit zwischenzeitlich unterbrechen, weil er sich durch den Aufwand einen Muskelriss im Daumen zuzog. 1989 wurde das Bild offiziell eingeweiht.

Besucher betrachten im Panorama Museum in Bad Frankenhausen das Monumentalgemälde «Frühbürgerliche Revolution in Deutschland« von Werner Tübke. 2009
Besucherinnen und Besucher vor dem Bauerrnkriegspanorama Bildrechte: dpa

Wie angekündigt und anders als vom DDR-Kulturministerium angedacht, schuf Tübke kein historisch-korrektes Abbild der Schlacht, sondern versuchte eher die Stimmung einer Epoche einzufangen und mit überzeitlichen Elementen zu verbinden. Insgesamt gibt es ungefähr 75 Szenen und 300 Figuren auf dem Gemälde, darunter auch historische Persönlichkeiten wie Müntzers Gegenspieler Luther (der den Aufstand für gotteslästerlich erachtete) und allegorische Figuren wie den Tod, der auf Müntzer zugeht. Denn das Bild fängt keinen Helden ein, sondern zeigt Müntzer im Moment der Niederlage, der das Banner der Revolution gerade sinken lässt.

Mehr Informationen Das "Bauernkriegspanorama" von Werner Tübke ist das zentrale Werk im Panoramamuseum in Bad Frankenhausen.

Am Schlachtberg 9
06567 Bad Frankenhausen

Öffnungszeiten:
Di bis So, von 10-17 Uhr
Am 31. Dezember, von 10-15 Uhr
Montags und am 24. Dezember geschlossen

Wartburg Eisenach: Wartburg-Bibel von Martin Luther

Übersetzung ist ein dynamischer Prozess. Das wusste bereits der vielleicht berühmteste Übersetzer Deutschlands, Martin Luther, und davon zeugt auch die Wartburg-Bibel. Auf der Wartburg in Eisenach übersetzte Luther die Heilige Schrift, um sie auch Menschen abseits des Klerus zugänglich zu machen. Die erste Ausgabe wurde gedruckt von Hans Lufft, der auch für diese Ausgabe verantwortlich ist. Das Buch stammt aus dem Jahr 1541. Das Titelblatt ist von Lucas Cranach gestaltet, die Holzschnitte im Innenteil stammen jedoch aus anderen Werkstätten.

Sogenannte Wartburgbibel in der Übersetzung Martin Luthers, gedruckt bei Hans Lufft, Wittenberg 1541
Sogenannte Wartburg-Bibel in der Übersetzung Martin Luthers, gedruckt bei Hans Lufft, Wittenberg 1541 Bildrechte: Wartburg-Stiftung Eisenach

Bedeutender als die Ausstattung ist das einzigartige Innenleben: Luther schrieb auf die Innenseite des Buchdeckels eine Widmung. Im gesamten Buch finden sich Anmerkungen des Reformators und seiner Mitstreiter wie Melanchton, Johannes Bugenhagen, Justus Jonas, Caspar Cruciger und Johann Forster. Es ist bekannt, dass Luther seine Übersetzung nach dem ersten Druck immer weiter überarbeitete und verbesserte. Die Wartburg-Bibel gibt einen Einblick in diesen Prozess.

Mehr Informationen Luthers Bibel ist auf der Wartburg in Eisenach zu sehen.

Auf der Wartburg 1
99817 Eisenach

Öffnungszeiten:
Täglich von 9.30-17 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial "Museumsschätze in Mitteldeutschland" | 17. November 2020 | 18:05 Uhr