NÄCHSTE GENERATION Anonyme Großstadt – ein Problem? Leipziger Tänzerin und ihr Projekt gegen Entfremdung in Grünau

Plattenbauviertel wie Leipzig-Grünau oder Dresden-Gorbitz gelten als Problemviertel. Hier treffen Senior*innen, Jugendliche und Migrant*innen aufeinander. Tanz kann soziale Verbindungen zwischen Menschen herstellen, findet Choreographin Mandy Unger. In ihrem Projekt "Platte" will sie Nachbarn wieder näher zusammen bringen – und der gesellschaftlichen Entfremdung etwas entgegen setzen.

Tanz als sozialer Akt

Anonymität verstärkt Stereotype. Das wäre ein Anliegen, dem entgegenzuwirken. Ich denke, dass Kunst ein Schlüssel sein kann.

Mandy Unger, Tanzchoreographin

Mandy Unger wurde 1989 geboren und wuchs teilweise im Plattenbau in Dresden-Gorbitz auf. Sie arbeitet unter anderem als Tanzchoreographin und gründete 2019 das Tanzkollektiv M.over Company in Leipzig. In ihrer Arbeit setzt sie sich viel mit dem Tanz im öffentlichen Raum auseinander und mit der Frage, wie Tanz zu den Menschen kommen und Distanzierung im Bereich der darstellenden Künste abgebaut werden kann.

Sie möchte Dialogräume in der Großstadt schaffen: Sie sagt, je anonymer wir leben, desto weniger Widerstände können wir aushalten. Dann würden sich Toleranzgrenzen verschieben. Tanz sei besonders gut geeignet, weil er die Menschen emotional abholt und Menschen Bewegung brauchen. Sie sagt: "Wir sind immer beim Verstand, aber das Bedürfnis, sich auszutauschen ist da: Wir wollen auf Partys gehen, wir wollen Rausch und durchtanzen." Auch durchs Zuschauen entstehe eine körperliche Erfahrung, die die Sinne anregt: "Man kann im Raum sein, anonym sein und trotzdem verbunden sein."

Über das Format NÄCHSTE GENERATION:

In unserem Youtube-Format MDR KULTUR – NÄCHSTE GENERATION stellen wir junge Künstlerinnen und Künstler vor, die unsere Gesellschaft kritisch in den Blick nehmen, Debatten anregen und gleichzeitig Ideen für die Zukunft entwerfen wollen. Jeden zweiten Montag, stellen wir diese Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vor – die Themen reichen von der Frage, ob es okay ist, das Elternsein zu bereuen, ob die 40-Stunden-Woche noch angemessen ist, bis hin zu Fragen zum Klimaschutz oder Patriotismuskritik.

redaktionelle Bearbeitung: Sabrina Gierig

Mehr junge Kreative und ihre Gesellschaftskritik

Abonnieren