Pflanzen und ihre Bedeutung Pflanzen im Kirchgarten erzählen Bibelgeschichten

Das Dach der Marienkirche im Weimarer Ortsteil Ehringsdorf ist mit Schiefer gedeckt, der Turm mächtig und es gibt eine Mauer, die diesen Ort schützt. Was sich hinter der Mauer und einer kleinen, nie verschlossenen Eingangstür verbirgt, ist ein Kleinod. 2013 haben ein paar Freiwillige einen Kirchengarten angelegt. In die Erde kamen nur Pflanzen, die einen Bezug zur Bibel haben. Besucher sind übrigens immer willkommen.

Staudenbeet an einer Mauer
Viele Pflanzen die hier im Garten der Kirche in Ehringsdorf wachsen, erzählen Geschichten aus der Bibel. Bildrechte: Conny Mauroner

Mehr als 70 Pflanzen mit Kirchenbezug wachsen in dem kleinen Garten der Ehringsdorfer Kirche. Gepflegt wird der Garten von ehrenamtlich Engagierten, die immer wieder Ideen haben und neue Kräuter und Pflanzen entdecken, die einen Bezug zur Bibel haben und unbedingt noch in den Garten sollten. Doch langsam wird es eng hinter der Kirchenmauer.

Pflanzen, die zu kirchlichen Festen passen und von Personen und Gestalten der Bibel erzählen

 Schild mit der Aufschrift  Heilige Rose im Rosenbeet
Rosen werden gern nach berühmten Persönlichkeiten benannt. Bildrechte: MDR/ Conny Mauroner

Auf den Beeten wachsen Pflanzen, die zu kirchlichen Festen, zu den Höhepunkten des Kirchenjahres, blühen. Die Christrose, die Osterglocke, das Pfingstveilchen zum Beispiel. Aber auch Pfingstnelke oder Pfingstrose gedeihen hier und wachsen. Im Garten wird aber auch an Gestalten der Bibel erinnert. Die Martin Luther Rose, die Rose der Heiligen Elisabeth und die Rose Katharina von Bora blühen dort. Es gibt die Christuspalme und den Christusdorn.

Etliche Pflanzen erzählen auch Geschichten aus der Bibel. Der Brennende Busch bezieht sich auf die alttestamentliche Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch. Die Jakobs- oder Himmelsleiter erzählt von Jakobs Traum, die Hiobstränen von Hiob und Moses Bruder Aaron findet sich im Aronstab wieder.

Blick in den Kirchengarten in Ehringsdorf.
So schön ist der Blick in den Kirchengarten in Ehringsdorf bei Weimar. Bildrechte: Conny Mauroner

Pflanzen mit biblischen Namen

Blüte und Blätter des Frauenmantels  (Alchemilla epipsila)
Die Blätter des Frauenmantels erinnern an den wehenden Mantel einer Frau. Bildrechte: MDR / Daniela Dufft

Einige Pflanzen im Kirchengarten tragen den Bezug zum Glauben in ihrem Namen oder dem Aussehen. Die Kapuzinerkresse zum Beispiel, sie erinnert an die Ordenskleidung der Mönche. Der Frauenmantel ist nach der Mutter Jesu benannt, genauso wie die Marienglockenblume und die Mariendistel. Das Bischofskraut, die Bischofsmütze und der Mönchspfeffer tragen ebenfalls eindeutig kirchlich-bezogene Namen.

Kirchenkräuter, die heilen und lindern

Bund frischer Kräuter auf blau lasiertem Holztisch.
Gegen Langeweile und Müdigkeit beim Gottesdienst helfen Kräutersträuße. Bildrechte: IMAGO

Direkt an der Eingangstür zur Kirche ist ein Beet voller Kräuter. Es sind Kirchenkräuter mit heilender Wirkung, intensiv duftend und einige blühend. Das Balsamkraut zum Beispiel riecht minzig-balsamisch. Es wurde von je her in Kirchen- und Klostergärten angebaut und ist heute etwas in Vergessenheit geraten. Zitronig riecht die Eberraute und aromatisch duften Ysop und Salbei. In wechselnder Zusammensetzung, wurden die Kräuter einst zu Riechsträußchen gebunden. Sie wurden in die Gebetsbücher gelegt und halfen, die oft Stunden dauernden Gottesdienste zu überstehen. Nach langer körperlicher Arbeit waren vor allem die Frauen ausgelaugt und schöpften Kraft aus den Kräutern. Ältere Frauen bewahrte der Duft vor dem Kirchenschlaf. Die Würze belebte die Lebensgeister. Außerdem half der Geruch gegen Übelkeit.

Pflanzen mit Bezug zur Bibel Christliche Feste:
Christrose (Helleborus niger)
Osterglocke ( Narcissus pseudonarcissus)
Pfingstveilchen (Viola sororia)
Pfingstnelke (Dianthus gratiianopolitanus)
Pfingstrose (Paeonia officinalis)

Personen der Bibel:
Christuspalme (Rizinus communis)
Christusdorn (Euphorbia milii)
Johanniskraut (Hypericum calycinum)
Blutjohannisbeere (Ribes sanguineum)
Judasbaum (Cercis siliquastrum)

Geschichten der Bibel:
Brennender Busch (Dictamnus albus)
Jakobs- oder Himmelsleiter (Polemonium caeruleum)
Hiobstränen (Coix lacryma-jobi)
Aronstab (Arum)

Pflanzen mit biblischem Namen:
Kapuzinerkresse (Tropaeolum minus)
Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)
Marienglockenblume (Campanula medium)
Mariendistel (Carduus marianum)
Bischofskraut (Ammi majus)
Bischofsmütze (Cucurbita maxima)
Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus)

Heilende Kräuter:
Balsamkraut (Tanacetum balsamita)
Eberraute (Artemisia abrotanum)
Ysop (Hyssopus officinalis)
Salbei (Salvia officinalis)

Pflanzentipp 1: Balsamkraut

Das Balsamkraut gehört zur Familie der Korbblütler und hat eine heilende Wirkung. Schon im Mittelalter wurde es als Mittel gegen Fieber eingesetzt. Die Pflanze breitet sich schnell aus, weil sie ihre Wurzeln knapp unter dem Boden in alle Richtungen ausstreckt. Das Kraut mag einen nahrhaften und durchlässigen Boden. Hitze schadet ihr nicht. Im Winter stirbt die Pflanze ab, treibt aber im Frühjahr neu aus. Das Balsamkraut blüht von Juli bis September.

Schild mit der Aufschrift Kirchenkräuter in einem Beet.
Balsamkraut ist mehrjährig und treibt immer wieder neu aus Bildrechte: MDR/ Conny Mauroner

Pflanzentipp 2: Brennender Busch mit schönen Blüten

Der Brennende Busch ist eine krautige Staude aus der Familie der Rautengewächse. Er wird zu 80 Zentimeter hoch und mag sonnige Standorte. Der Boden sollte locker und durchlässig sein. Auf einen Quadratmeter lassen sich drei bis fünf Pflanzen unterbringen. Der Busch blüht in den Monaten Juni und Juli. Einen Standortwechsel verzeiht ein Brennender Busch meist nicht. 

Rosa-rote Blüten an einem Brennenden Busch mit Biene
Der Brennende Busch ist kein Gehölz, sondern eine Staude. Bildrechte: MDR/Brigitte Goss

Pflanzentipp 3: Judasbaum

Der Judasbaum gehört zur Familie der Johannisbrotgewächse. Er wächst meist in Wäldern und an Flussufern, aber auch auf trockenen Gängen. Der Judasbaum bevorzugt einen kalkreichen und steinigen Boden. Er kommt mit mäßigen Nährstoffgehalt aus. Ein Judasbaum wird vier bis sechs Meter hoch und setzt im April pinkfarbene Schmetterlingsblüten an. Der Standort sollte vollsonnig, warm und etwas geschützt gewählt werden. Sandige und durchlässige Lehmböden sind gut. Hitze und Trockenheit verträgt der Baum gut, hingegen ist er frostempfindlich.

Blühender Judasbaum
Welch eine Pracht sind die pinken Blüten des Judasbaums im Frühling. Bildrechte: Colourbox.de

Pflanzentipp 4: Marienglockenblume

Die Marienglockenblume schmückt mit ihren großen und leuchtenden Blüten jeden Garten. Sie wächst aufrecht bis zu einer Höhe von 90 Zentimetern. Die Blume mag sonnige bis halbschattige Standplätze, einen sandigen bis lehmigen Boden und sie mag es humusreich und feucht. Ihre Blütezeit ist von Juni bis Juli. 

Weiße Blüten der Marienglockenblume.
Diese imposanten, weiße Glocken erinnern an Maria. Bildrechte: MDR/ Conny Mauroner

Pflanzentipp 5: Mariendistel

Die Mariendistel ist eine Heilpfanze, der eine positiven Wirkung auf Haut, Leber und Psyche zugesagt wird. Sie wird bis zu 1,50 Meter hoch und trägt purpurrote Blüten. Die Mariendistel ist ein Korbblüter und blüht von Juni bis September. Sie mag trockene Böden und ist sehr pflegeleicht. Sie ist auch oft an Wegrändern zu finden.

Lila blühende Distelblüte
An der Mariendistel erfreuen sich auch Insekten. Bildrechte: MDR/ Conny Mauroner

Pflanzentipp 6: Frommer Apfelbaum

Seit Herbst 2018 wächst auch der Fromme Apfelbaum im Schatten der Kirche. Der Baum ist ein eigens zusammengestelltes Gewächs. Auf dem Stamm eines Paradiesapfels wurden verschiedene Sorten veredelt: Der Apfelbaum wird also Früchte der Apfelsorte Hanauer Bischofsmütze, Adams Parmäne, Glockenapfel und Geflammter Kardinal tragen.

Blick in eine Baumkrone mit dicken Ästen und rosa-weißen Blüten.
Durch Veredlung können mehrere Sorten auf einem Apfelbaum wachsen. Bildrechte: MDR/Teresa Herlitzius

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 13. Juni 2020 | 09:15 Uhr