Comeback der alten Heilpflanzen Fünf Heilpflanzen aus dem Mittelalter: Mönchspfeffer, Salbei, Eibisch & Co.

Schon die Mönche im Mittelalter wussten die heilende Wirkung vieler Pflanzen zu schätzen. Einige Kräuter sind noch heute ein Muss im Kräutergarten, andere haben es verdient wiederentdeckt zu werden. Katharina Wöstefeld und Konstantin März betreiben eine kleine Staudengärtnerei in Kassel und haben sich auf Heilpflanzen aus dem Mittelalter spezialisiert.

Andornpflanze mit kleinen Laubblättern und zartrosa Blütenständen.
Der Andorn ist im Garten eher selten zu finden. Ein Tee aus den Blättern schmeckt zwar nicht, hilft aber gegen Husten. Die vielen kleinen Blüten locken Insekten an. Bildrechte: MDR/ Konstantin März
Die Staudengärtner Katharina Wöstefeld Konstantin März halten schöne Stauden in der Hand, die schon im Mittelalter wichtig waren. 5 min
Bildrechte: Daniela Dufft

Im Mittelalter spielten Pflanzen mit heilenden Wirkstoffen eine wichtige Rolle. Viele Arten wuchsen wild in der Natur und waren so auch für die arme Bevölkerung zugänglich. Zentren der Naturheilkunde waren Klöster. In den Klostergärten wurden verschiedene Pflanzen und Heilkräuter angebaut, deren Nutzung teilweise bis in die Antike zurückgeht. Die Mönche experimentierten weiter, studierten die Pflanzen und neue Erkenntnisse über Inhaltsstoffe und heilende Wirkung wurden niedergeschrieben. Viele der Heilpflanzen wachsen auch heute noch im Kräutergarten, andere sind in Vergessenheit geraten oder erleben gerade ein Comeback. Die Staudengärtner Katharina Wöstefeld und Constantin März haben sich mit ihrer Staudengärtnerei auf Heilpflanzen aus dem Mittelalter spezialisiert. Hier stellen sie ihre fünf Lieblingspflanzen vor, die schon bei unseren Vorfahren echte Highlights im Kräutergarten waren und es verdient haben, auch jetzt auf dem Beet zu wachsen.

Kräuter konservieren Konstantin März empfiehlt, alle Kräuter und Heilpflanzen möglichst frisch zuzubereiten. Dann sind die Wirkstoffe am intensivsten. Getrocknet nimmt die heilende Wirkung schnell ab. Nach einem halben Jahr ist in getrockneten Blättern kaum noch etwas vorhanden. Die bessere Art Heilpflanzen aufzubewahren ist das Einfrieren. Das geht mit fast allen Pflanzen - es gibt aber Ausnahmen.

1. Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus)

Die Mönche aßen die kleinen, an Pfeffer erinnernden Früchte des Gehölzes, um so ihr Zölibat, also ihre Enthaltsamkeit, einzuhalten. Sie glaubten daran, dass die Inhaltsstoffe des Mönchspfeffers die Libido schwächen. Wissenschaftlich bewiesen ist das nicht. Die Körner schmecken aber auch wie Pfeffer und wurden in der Küche als Gewürz verwendet, denn der echte Pfeffer war teuer und für viele ein Luxusgut. Heutzutage wird Mönchspfeffer in hormonregulierenden Präparaten der Frauenheilkunde eingesetzt.

Lila Blütenstände des Mönchpfeffers.
Aus den Blüten werden schließlich Samen, die wie Pfefferkörner verwendet werden können. Bildrechte: MDR/ Konstantin März

Der Mönchspfeffer im Garten

Die Pflanze ist eine Zierde im Garten. Das Gehölz wird bis zu zwei Meter hoch und bekommt schöne blaue Rispen, die von August bis September blühen. Insekten bietet der üppige Strauch reichlich Nahrung.

  • Standort: Der Boden sollte durchlässig, trocken und warm sein. Bei Staunässe geht der Mönchspfeffer ein.
  • Pflege: Der Mönchspfeffer ist pflegeleicht. Im Frühjahr verträgt er einen Formschnitt. In den ersten zwei Jahren sollte die Pflanze im Winter geschützt werden. Ist sie eingewachsen und gut entwickelt, übersteht sie den Winter gut.
  • Ernte: Die Früchte werden Mitte September geerntet, zerstoßen und können wie Pfeffer verwendet werden.

2. Süßdolde (Myrrhis)

Die Süßdolde ist eine alte Würzpflanze, die auch Myrtenkerbel genannt wird. Im Mittelalter wurden die Samen vor allem zum Würzen von Speisen verwendet. Süßdolde galt auch als Heilpflanze. Die Samen wurden gegen Magenbeschwerden eingesetzt. Die unreifen Samen schmecken süßlich nach Anis. Sie peppen Süßspeisen auf oder geben Salaten ein besonderes Aroma.

Weiße Blüten der Süßdolde und gefiedertes Laub der Pflanze.
Die Süßdolde ist eine hübsche Staude, deren Samen nach Anis schmecken. Bildrechte: MDR/ Konstantin März

Die Süßdolde im Garten

Die Süßdolde ist mehrjährig, winterhart und wird 1,50 Meter hoch. Im Sommer bildet sie große, weiße Doldenblüten, ähnlich der wilden Möhre und feingefiedertes Laub. Fühlt sie sich an ihrem Standort wohl, kann sie sehr alt werden.

  • Standort: Die Süßdolde braucht einen sonnigen bis halbschattigen Platz im Garten. Sie braucht Nährstoffe, gedeiht deshalb auf fetten Böden am besten.
  • Pflege: Die Staude ist unkompliziert und pflegeleicht. Hier gilt, einfach in Ruhe wachsen lassen. Im Frühjahr kann sie bodennah zurückgeschnitten werden und treibt aus der Wurzel neu aus.
  • Ernte: Die Blätter solange sie grün sind ernten. Die Samen sollten bei der Ernte grün und weich sein. Beides wird am besten frisch gegessen.

3. Echter Salbei (Salvia officinalis)

Der Salbei (Silvia officinales) war im Mittelalter die Heilpflanze schlechthin. Als Tee oder Aufguss, wurden Blüten und Blätter gegen jegliche Arten von Krankheiten genutzt. Schon damals war man sich der antibakteriellen Wirkstoffe des Salbeis bewusst: er wirkt entzündungshemmend. Die rauen Blätter wurden beispielsweise zum Zähneputzen genutzt. Der dabei austretende Pflanzensaft wirkt gleichzeitig gegen Zahnfleischentzündungen. Die harten holzigen Stängel des Salbeis können als Zahnstocher verwendet werden.

Blätter des Salbeis
Dekorativ, heilsam und sehr aromatisch sind die Blätter des Echten Salbeis. Bildrechte: Daniela Dufft

Salbei im Garten

Der Echte Salbei ist am richtigen Standort ein Überlebenskünstler. Die Staude wächst zu einem kräftigen Busch heran, der 40 bis 80 Zentimeter hoch werden kann. Wunderschön sehen die rauhen, kräftigen Blätter auch zwischen Blumen im Staudenbeet aus. Salbei ist immergrün, so können die frischen Blätter sogar im Winter geerntet werden.

  • Standort: Der Boden sollte durchlässig, eher mager, kalkhaltig, trocken bis frisch sein. Sehr dichte, lehmige Böden können mit Sand oder Kies aufgelockert werden.
  • Pflege: Salbei ist pflegeleicht, nach der Blüte wird er zurückgeschnitten, damit sich der Strauch stärker verzweigt. Auch die Blüten sind essbar.
  • Ernte: Die beste Erntezeit für Salbei ist kurz vor der Blüte an sonnigen Tagen. Dann hat das Kraut die höchste Konzentration an Inhaltsstoffen. Salbeiblätter können aber das ganze Jahr, sogar noch im Winter, frisch vom Strauch geerntet werden. Dabei werden am besten ganze Zweige und nicht einzelne Blätter geerntet, so wächst die Pflanze schön buschig.

Vorsicht bei übermäßigem Verzehr: Salbei enthält Thujon, übermäßiger Genuss kann zu Magenproblemen führen. Schwangere sollten keinen Salbei zu sich nehmen.

4. Andorn (Marrubium vulgare)

Früher nutzte man Andorn als Gegengift gegen alle möglichen Vergiftungen: Der Saft der Blätter wurde bei Schlangenbissen oder Skorpionstichen eingesetzt, mit mehr oder weniger Erfolg. Also bitte nicht nachmachen, denn eine Heilkraft gegen Vergiftungen ist wissenschaftlich nicht belegt. Wirksam ist ein Tee aus den Blättern gegen Erkältungskrankheiten und Atemwegsbeschwerden. Die Blätter sind allerdings sehr bitter und schmecken metallisch, ähnlich einem verrosteten Nagel.

Andornpflanze mit kleinen Laubblättern und zartrosa Blütenständen.
Eher dezent erscheint der Andorn im Garten. Wer genau hinschaut entdeckt die hübschen Blütenquirle. Bildrechte: MDR/ Konstantin März

Andorn im Garten

Andorn ist eine hübsche aber zurückhaltende Staude, die einen knappen halben Meter hoch wird und sich zu einer Halbkugel formt. Das Laub ist silbrig grau, die Stängel werden mit dem Alter weiß. An den Stängeln bilden sich winzig kleine weiß-rosa Blüten, die sich etagenweise in Quirlen anordnen. Die Pflanze ist ein wahrer Insektenmagnet.

  • Standort: Andorn ist ein Sonnenanbeter und mag extrem trockenen Boden. Sogar im Schotterbeet wächst er gut.
  • Pflege: Im Frühjahr wird die Staude zu 80 Prozent, etwa eine Handbreit über dem Boden, zurückgeschnitten.
  • Ernte: Das Laub kann jederzeit geerntet werden, die stärkste Wirkung haben die Blätter kurz vor der Blüte der Pflanze. Am besten werden sie frisch verwendet. Auch trocknen funktioniert, jedoch lassen die Wirkstoffe schnell nach. Einfrieren funktioniert bei diesem Kraut nicht.

5. Eibisch (Althaea officinalis)

Eibisch ist eine heimische Pflanze. Die Blätter und Wurzeln des Malvengewächses enthalten Schleimstoffe, aus denen schon im Mittelalter Sirup gegen Husten gewonnen wurde. Noch heute ist der Eibisch Bestandteil vieler Erkältungssäfte. Echter Eibisch kann als Tee zubereitet werden und hilft gegen Erkältungskrankheiten und Entzündungen. Auch bei Magenproblemen wirkt er lindernd. Aufgüsse aus Blüten und Blättern können auch äußerlich bei kleineren Verletzungen angewendet werden.

Hohe buschige Eibisch-Pflanze mit rosaroten Blüten die dem Hibiskus ähnlich sind.
Ein Blütenwunder ist der Eibisch. Drei Monate lang schiebt die Staude immer wieder Blüten nach. Bildrechte: MDR/ Konstantin März

Eibisch im Garten

Die Staude wächst zu einem imposanten Busch, der an einem sonnigen Platz bis zu 1,50 Meter hoch wird. Von Juli bis September trägt Eibisch tolle weiß-rosa Blüten, die viele Insekten anlocken.

  • Standort: Eibisch bevorzugt einen sonnigen Platz im Garten und gedeiht auf normalem Gartenboden. An warmen geschützten Standorten wächst er besser.
  • Pflege: Die Staude wird im Frühjahr zurückgeschnitten und braucht keine besondere Pflege. Auch für Eibisch gilt: einfach wachsen lassen, gegebenenfalls in Form bringen.
  • Ernte: Die Blätter und Blüten des Eibisch werden im frühen Sommer, gleich zu Beginn der Blütezeit gepflückt. Sie werden am besten frisch verwendet, können aber auch getrocknet und anschließend dunkel aufbewahrt werden. Die Wurzel wird im Herbst ausgegraben und getrocknet.

Dicke Wurzeln des Eibisch.
Ein Teeaufguss aus der Wurzel hilft gegen Husten und Heiserkeit. Bildrechte: MDR/ Konstantin März

Quelle: MDR Garten

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 04. Juli 2021 | 08:30 Uhr