Unverwechselbare Blüten Passionsblume: Die Kletterpflanze pflegen und vermehren

Jede Blüte ein kleines Wunderwerk: Passionsblumen wirken sehr exotisch, wachsen aber auch im Kübel auf Balkon und Terrasse. Zu der Familie gehören rund 500 Arten. Manche tragen sogar süße Früchte, die Maracuja ist die bekannteste von ihnen. Tipps zur Pflege und Vermehrung der Kletterpflanzen gibt Gärtnermeister und Sammler Thomas Schneider aus Eußenheim. Er hat seine Meisterarbeit über Passionsblumen geschrieben.

Blüte einer Passionsblume
Passionsblumen sind Kletterpflanzen und brauchen im Kübel eine Möglichkeit, sich nach oben zu ranken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Passionsblumen als Kübelpflanzen

Passionsblumen wollen hoch hinaus: Die Kletterpflanzen gedeihen im Kübel, brauchen aber eine Rankhilfe. Sie erklimmen Gerüste aus Bambus, gespannte Seile oder einfach das Balkongeländer. Im Sommer öffnen sie ihre außergewöhnlichen Blüten. "Die Formen- und Farbenvielfalt bei den Passionsblumen ist fantastisch", schwärmt Gärtnermeister Thomas Schneider. Er hat 40 verschiedene Passionsblumen, die pflegeleicht sind und den Winter in seinen Gewächshäusern verbringen. Weltweit sind rund 500 Wildarten bekannt, die überwiegend aus Mittel- und Südamerika stammen.

Blüten der Passionsblume mit Hummel
Verlockende Schönheit: Eine Hummel kann der aufälligen, violetten Blüte der Passionsblume nicht widerstehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schwach wachsende Passionsblumen schaffen drei Meter lange Triebe in einem Jahr, bei starkwüchsigen können es sogar acht Meter im Jahr werden. Als Zimmerpflanzen sind sie laut Thomas Schneider weniger geeignet, weil sie sehr groß werden. Aber draußen, im Halbschatten oder an einem sonnigen, windgeschützten Platz, fühlen sich Passionsblumen sehr wohl. Bei vielen Arten und Züchtungen gelingt auch die Überwinterung, sofern ein geeigneter Platz vorhanden ist. Ihr Ruf, schwierig zu sein, liegt vor allem daran, dass viele Arten keinen Frost vertragen.

Passionsblumen sind zwar mehrjährig, aber man muss sie, wenn man keinen geeigneten Platz hat, ja auch nicht versuchen zu überwintern. Jeder große Blumenstrauß kostet mehr als eine Passionsblume, wenn man die im Mai kauft. Der Blumenstrauß ist spätestens nach zwei Wochen im Müll. Die Passionsblume blüht den ganzen Sommer über.

Gärtnermeister Thomas Schneider

Passionsblumen brauchen ein ausreichend großes und hohes Pflanzgefäß: Der Kübel sollte einen Durchmesser von mindestens 20 Zentimetern haben. Hochwertige Kübelpflanzenerde sorgt dafür, dass die Kletterpflanzen im Topf gedeihen. Wer Blumenerde verwenden möchte, sollte sie mit Blähton, Sand oder Lavasplitt mischen.

Passionsblumen pflegen

Bei den prächtigen Pflanzen gilt: Der Topf darf nicht völlig austrocknen, da die Passionsblumen sonst Blätter und Blütenknospen verlieren können. Die Kletterpflanzen mögen eine gleichmäßige Wasserversorgung. Staunässe sollte vermieden werden. Als "hungrige" Starkzehrer benötigen Passionsblumen im Sommer regelmäßig Blüh- oder Balkonpflanzendünger.

Passionsblumen im Kübel über den Winter bringen

Passionsblume umtopfen
Der Kübel sollte eine Durchmesser von mindestens 20 Zentimetern haben. Wichtig: Passionsblumen mögen weder Trockenstress noch Staunässe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Spätherbst, bevor der erste Frost kommt, können die Pflanzen auf etwa ein Drittel ihrer vorherigen Trieblänge zurückgeschnitten werden. Dieser Schnitt macht den Umzug ins Winterquartier viel leichter. Die kalte Jahreszeit verbringen Passionsblumen am besten in einem kühlen, aber hellen Raum. Die Temperaturen für die Winterruhe sollten bei der Blauen Passionsblume zwischen fünf und zehn Grad liegen. Andere Arten mögen es teilweise noch wärmer - am besten lässt man sich bei der Auswahl beraten, wie die Kletterpflanze der Wahl überwintert wird. Auch im Winter müssen Passionsblumen gegossen werden, sie brauchen aber weniger Wasser als im Sommer. Dünger ist dagegen schon ab dem frühen Herbst nicht mehr nötig.

Auf einen Blick: Passionsblumen
Heimat subtropische und tropische Regionen, vorwiegend Mittel- und Südamerika
Pflanzenfamilie Passionsblumengewächse (Passifloraceae)
Wuchs Rankende Kletterpflanzen
Blüte auffällig, meist mehrfarbig, weiß, blau, violett, rot oder gelb, mit Strahlenkranz
Früchte einige Arten tragen schmackhafte Früchte, bekannt ist vor allem die Maracuja ( Passiflora edulis)
Standort Halbschatten bis Sonne, windgeschützt
Boden nährstoffreich, gleichmäßig feucht, Staunässe wird nicht vertragen
Winterhart nein
Mehrjährig ja, bei frostfreier und fachgerechter Überwinterung
Blüte einer Passionsblume wird in Teile zerlegt 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Passionsblumen über Stecklinge vermehren

Messerspitze deutet auf Knospe am Trieb einer Passionsblume
Aus dieser Knospe treibt der Steckling später wieder neu aus. Daher wird er etwa eineinhalb Zentimeter oberhalb dieses Knotens abgeschnitten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit etwas Erfahrung und Abenteuergeist geht die Vermehrung recht einfach. Der beste Zeitpunkt dafür ist der Sommer, wenn die Pflanze kräftig und es draußen warm und sonnig ist. Über Stecklinge werden Passionsblumen sortenrein vermehrt - der "Nachwuchs" hat die gleichen Eigenschaften wie die Mutterpflanze. Für die Vermehrung wird ein ganzer Trieb abgeschnitten und die Blüten entfernt. Dann geht es los: Gärtnermeister Thomas Schneider arbeitet sich beim Schneiden von Stecklingen von unten beginnend Richtung Triebspitze vor. Das erste Mal schneidet er direkt unter dem ersten Nodium, nimmt Sprossranke und Knospe weg, lässt aber die Blätter an dem Triebstück. Eineinhalb Zentimeter über der Knospe schneidet er den Steckling ab. Dann wiederholt er den Vorgang, bis er den größten Teil des Triebs in Stecklinge aufgeteilt hat. Zu weit oben werden die Ranken allerdings zu weich, so dass sie keine Verwendung mehr finden. Auch abgeknickte Stücke benutzt Thomas Schneider nicht.

Stecklinge einer Passionsblume in Töpfen für die Anzucht
Die Stecklinge kommen in feuchte Anzuchterde. Die Blätter wurden etwas verkleinert, damit die Pflanzen nicht zu viel Wasser über Verdunstung verlieren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stecklinge werden danach in feuchte Aussaaterde oder Kokossubstrat gesetzt, um Wurzeln zu bilden. Die Blätter kürzt der Gärtnermeister etwas ein, um die Verdunstung und somit den Wasserverlust für die Stecklinge zu verringern. Wichtig ist noch, die Stecklinge richtig herum einzupflanzen. Der Gärtnermeister nutzt ein Vlies als Verdunstungsschutz. Mit Plastikfolie hat er die Erfahrung gemacht, dass die Stecklinge zu schnell faulen. An einem hellen Ort und mit ausreichend Feuchtigkeit bilden die jungen Pflanzen Wurzeln. Das dauert etwa zwei bis sechs Wochen. Mit etwas Glück - und wenn das Wetter passt - blühen die Stecklinge sogar noch im selben Jahr.

Klar, man schneidet die Blüten ab, aber dafür bekommt man neue Triebe fürs nächste Jahr oder für die Nachbarschaft.

Gärtnermeister Thomas Schneider
Stecklinge einer Passionsblume in Anzucht-Töpfen 3 min
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Passionsblumen: Empfehlenswerte Arten und Sorten Passiflora caerulea (Blaue Passionsblume), blau-weiße Blüten mit fruchtigem Duft, bedingt winterhart, ziehen in der kalten Jahreszeit größtenteils ein und treiben aus dem Wurzelstock neu aus, Winterschutz bei ausgepflanzten Exemplaren nötig, als Kübelpflanze frostfrei überwintern

Passiflora 'Constance Elliot': cremeweiße Blüten mit fruchtigem Duft, winterhart, frieren in der kalten Jahreszeit zurück und treiben aus dem Wurzelstock neu aus, Winterschutz bei ausgepflanzten Exemplaren nötig, als Kübelpflanze frostfrei überwintern

Rote Blüte einer Passionsblume 3 min
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 12. Juli 2020 | 08:30 Uhr