Samen ernten Eigenes Saatgut aus Pflanzen selbst gewinnen

Früher eine gängige Praxis, heute eher selten: Eigenes Saatgut gewinnen. Dabei beginnt für Gärtner jetzt die Jagdsaison. Doch nicht aus jedem Gemüse können gleich gut Samen gewonnen werden.

Ein Tisch mit verschiedenen Gemüsesorten
Ob Zucchini, Möhre und Tomaten - eigenes Saatgut aus dem Lieblingsgemüse zu gewinnen, ist nicht schwer. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Mit dem vorangeschrittenen Sommer beginnt für Gärtner nicht nur die Erntezeit, sondern auch die Jagdsaison nach eigenen Samen. Früher eine gängige Praxis, um das Lieblingsgemüse auch im kommenden Jahr wieder ernten zu können. Heute eher selten, weil viele zur Samenpackung aus dem Gartenfachmarkt greifen. Wer aber möglichst lange noch etwas von der schmackhaften Tomate, der ertragreichen Bohnen- und Erbsenpflanze haben will, sollte bei der Saatgutgewinnung einiges beachten.

Zwei Menschen begutachten einen Tisch mit Gemüse 4 min
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Gartenexpertin Brigitte Goss zeigt, wie Sie Saatgut gewinnen können.

MDR FERNSEHEN So 11.08.2019 08:30Uhr 03:32 min

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Aus diesen Pflanzen lässt sich Saatgut gewinnen

Aus so genannten F1-Hybriden können keine eigenen Samen gewonnen werden. Ob eine Pflanze zu dieser Gattung gehört, können Sie auf der gekauften Samenpackung nachlesen. Deswegen raten Gartenexperten dazu, sich diese unbedingt aufzuheben.

F1-Hybrid Bei F1-Hybriden handelt es sich um Saatgut, dass Betriebe so züchten und sortieren, dass die spätere Ernte gleichförmig wird, alle Pflanzen etwa gleich aussehen und zur gleichen Zeit reif sind. F1-Hybriden sind nicht samenfest. Sie können dieser Pflanze zwar Saatgut entnehmen, allerdings ist dieses dann schon ein F2-Hybrid, der den Launen der Natur ausgesetzt ist. Heißt: Aus roten schmackhaften großen Tomaten, können im nächsten Jahr kleine verschrumpelte entstehen.

Zur Saatgewinnung eignet sich samenfestes Saatgut. Hierzu gehören etwa Tomaten, die eine besondere Form und Färbung haben, Bohnen, Erbsen und auch bestimmte Paprikasorten. Bei diesem Saatgut können Sie davon ausgehen, dass es im kommenden Jahr genauso wieder aussieht, den Launen der Natur standhält. Allerdings fällt in der Regel die Ernte etwas geringer aus.

Pastinaken und Möhren liegen auf einem Tisch.
Pastinaken gehören zu den zweijährigen Gemüsepflanzen. Erst im zweiten Jahr können Samen geerntet werden. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Wer Saatgut züchten und gewinnen möchte, sollte zwischen einjährigen und zweijährigen Pflanzen unterscheiden. Einjährige Pflanzen werden in der Regel nicht mal ein Jahr alt und produzieren nach der Blüte viel Saatgut. Zweijährige Pflanzen dagegen keimen im Frühjahr oder im Herbst. Sie bilden im Winter meist eine bodenständige Rosette, mit der sie dann überwintern. Mit Beginn der zweiten Wachstumsperiode werden ein oder mehrere Stängel mit Blüten gebildet. Wenn diese vertrocknet sind, können die Samen geerntet werden.

Einjährige Pflanzen Zweijährige Pflanzen  
Bohnen Pastinaken  
Erbsen Karotten  
Zucchini Zwiebeln  
Paprika Schwarzwurzel  
Kürbis Sellerie  
Tomaten Porree  

Tipp: Lassen Sie also ruhig mal eine Karottenpflanze im Beet überwintern. Im nächsten Jahr bildet die Pflanze dann Blüten, aus denen Sie Samen ernten können. Behalten Sie Schädlinge wie Ameisen oder Wurzelläuse im Blick, denn für die sind die "alten" Karotten unter der Erde ein gefundenes Fressen.

Samen "ernten"und richtig lagern

Mit einem Mörser werden Pflanzensamen in einer Tülltüte geklopft.
Die getrockneten Pflanzen vorsichtig ausdreschen, um die Samen zu lösen. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Um besonders feinen Samen zu gewinnen zu können, legen Sie die vertrockneten Pflanzen in ein Tüllsäckchen und klopfen dieses vorsichtig ab. Die Samen fallen so von der Pflanze und können jetzt ganz einfach getrennt bzw. durchgesiebt werden. Saatgut, das sich im "glitschigen" Inneren der Frucht bzw. des Gemüses verbirgt (etwa bei Tomaten) können Sie in ein Teesieb geben und mit Wasser ordentlich abspülen.

Verschiedene Pflanzensamen liegen in er Box zur Aufbewahrung bereit
Ein Kasten mit mehreren Fächern eignet sich hervorragend, um unterschiedlichen Samen aufzubewahren. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Die gewonnenen Samen können Sie bis zu drei Jahre lagern. Wichtig ist nur, dass sie trocken liegen. Sonst fangen die Samen an zu keimen und können nicht mehr verwendet werden. Ihrer Phantasie sind bei der Aufbewahrung keine Grenzen gesetzt, ob in Dosen, Gläsern oder selbstgebastelten Umschlägen. Hauptsache sie beschriften alles, damit sie wissen, um welchen Samen es sich jeweils handelt.

Tomatensamen mit Zuckerlösung aus reifen Früchten gewinnen 1 min
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Samen von Sommerblumen

Hier macht eigenes Saatgut zu ernten, nicht nur Erwachsenen Spaß. Auch Kinder haben ihre Freude daran, über die Wiese zu rennen, die Lieblingsblume zu pflücken und dann dafür zu sorgen, dass sie im nächsten Jahr wieder blüht. Prinzipiell können aus jeder Sommerblume Samen geerntet werden. Am besten eignen sich dafür Tage, an denen es warm und trocken ist. Die Blume ruhig "verblühen" lassen, so kommen die Samen besser zum Vorschein und lassen sich leichter lösen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 11. August 2019 | 08:30 Uhr