Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt Jochen Fasco über Medienkompetenz im Alltag

Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt, sprach mit MEDIEN360G über Medienkompetenz als Alltagskompetenz und wie bestimmend diese für das Miteinander in unserer Gesellschaft ist.

Porträt von Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt. 19 min
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Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt, sprach mit MEDIEN360G über Medienkompetenz als Alltagskompetenz und wie bestimmend diese für das Miteinander in unserer Gesellschaft ist.

Di 08.03.2022 14:07Uhr 19:02 min

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Steffen Grimberg: MEDIEN360G ist zu Gast bei Jochen Fasco, dem Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt. Und er ist auch für die Landesmedienanstalten, also die Aufsicht über den privaten Rundfunk in Deutschland, zuständig für Medienkompetenz. Prima, Herr Fasco, dass wir mit Ihnen über das Thema Medienkompetenz reden können. Ja, Medienkompetenz - was ist das eigentlich?

Jochen Fasco: Früher hatten wir ja Radio und Fernsehen. Da ging's eher darum, dass die Kids auch wissen, wie das funktioniert und so weiter. Heute - digitale Welten, Internet, Games, Metaversum. Heute ist das Medienkompetenz-Thema eines, was uns alle angeht. Es ist eigentlich sowas wie eine Alltagskompetenz, wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Also man muss nach dem alten Professor Baacke sagen: Es hat vier Dimensionen, nämlich das Medienwissen, die Kritik an diesen Medien, die Gestaltung, also selbst was machen, und auch die Bedienung, also die technische Kompetenz. Also Sie merken: Das ist schon eine Breite, die da quasi abgegriffen wird. Die Medienanstalten, also die TLM zum Beispiel, deckt gern alle vier Dimensionen ab, aber uns ist am allerallerwichtigsten, gerade in diesen Zeiten, die Medienkritik. Und ich glaube, das ist so ein bisschen wie beim Stricken. Medienkompetenz lernt man halt auch nicht nur, dass man in einem Buch liest oder in einer Zeitschrift blättert. Da muss man am Schluss auch Wolle und Nadel - und da kann man sich auch pieksen - in die Hand nehmen.

Steffen Grimberg: Sie haben gerade schon ein paar verschiedene Begrifflichkeiten benutzt. Wenn man mit Menschen darüber redet, was Medienkompetenz eigentlich sein soll... Oder was bedeutet das für sie? Ja, dann kommen immer ganz unterschiedliche Erwartungen, ganz unterschiedliche Eindrücke. Schafft diese Begriffsverwirrung dann auch manchmal Probleme?

Jochen Fasco: Also ich muss Ihnen ehrlich sagen, Herr Grimberg, im Alltag überhaupt nicht. Und es ist, glaube ich, eher eine wissenschaftliche Diskussion. Viele Begriffe werden oft parallel benutzt. Zum Beispiel Medienkompetenz oder Medienbildung oder digitale Bildung. In Europa heißt es oft digital oder media literacy. Oder es gibt auch das Wort Datenkompetenz. Nachrichtenkompetenz. Demokratiekompetenz. Sie merken, da wächst dann auch die politische Bildung mit rein. Da gehen ganz viele Begriffe. Und ich sage Ihnen ganz ehrlich, die sind fast egal. Aus meiner Sicht passt Medienkompetenz immer noch ganz gut. Das Ziel muss ja am Schluss die Medienbildung sein. Und ich glaube, ob man das heute auch englisch benutzen sollte... Ich meine, wir sagen ja auch nicht zum Lesen das new reading oder calculating für's Rechnen. Also ich glaube, am Ende geht es wirklich um die Alltagskompetenz, nämlich Medienkompetenz.

Steffen Grimberg: Sie haben es gerade schon erwähnt: Nachrichtenkompetenz ist so ein neues Buzzword, würde man auf englisch sagen. So ein neues Schlagwort. So ein Trend. Damit wird natürlich auch jetzt gerade zur Zeit des Ukrainekrieges viel gearbeitet. Wie bewerten Sie das? Ist das eine Unterform von Medienkompetenz oder ist das was ganz Eigenes?

Jochen Fasco: Ja, das ist schon ein Teilbereich der Medienkompetenz. Nachrichtenkompetenz, Informationskompetenz - da geht es wirklich um reflektierte Einordnung von dem, was Sie, Herr Grimberg, und Ihre Kolleginnen und Kollegen machen, was Journalisten überhaupt tun. Und auch zu verstehen, wie dann bestimmte Medieninhalte auch entstehen. Und ich sag' Ihnen ganz ehrlich, Desinformation ist eigentlich für die Demokratie sowas wie ein digitales Coronavirus. Und Medienkompetenz ist sowas wie Impfen gegen Fake News. Es ist uns ganz, ganz wichtig, dass man dieses Krebsgeschwür weg kriegt, dass man hier auch was dagegen setzt. Und da kann jeder auch was dafür tun. Ich glaube wirklich, dass wir, wenn wir nicht am Ende uns selbst kümmern - Da gibt es übrigens, auch ganz spannend, die Kolleginnen und Kollegen der Medienanstalt Berlin-Brandenburg haben zusammen mit der Stiftung Neue Verantwortung und anderen einen Test rausgebracht: der-newstest.de. Da geht es genau um die Nachrichtenkompetenz. Ich habe das selbst mal gemacht vor ein paar Wochen und wenn man das mal selbst macht. Da kriegt man bestimmte Fragen gestellt und da wird dann relativ schnell gesagt "Da hast du einen Fehler gemacht." Man kann 30 Punkte, Herr Grimberg, 30 Punkte erreichen. Die meisten, die das gemacht haben in Deutschland, erreichen 13. Die Jüngeren sind ein bisschen besser, die Älteren ein bisschen schlechter. Also da ist noch viel Luft nach oben.

Steffen Grimberg: Jetzt wollen wir natürlich wissen: Wie viele Punkte hat Jochen Fasco, der TLM-Direktor, erreicht?

Jochen Fasco: Da habe ich drauf gewartet, Herr Grimberg. Ich sage es Ihnen ganz ehrlich. Ich glaube, 24. Aber ich war doch geschockt, weil ich geglaubt hätte: Komm, da marschierst du durch. Aber zu meiner Ehrenrettung muss ich jetzt sagen, gestern Abend, habe ich gesehen, kam ein neuer digitaler Führerschein difü.de raus und den habe ich auch gemacht mit richtigem Test eine Stunde. Ich dachte mir, das guckst du dir jetzt mal an. Und ich habe ihn, vielleicht nicht mit Bravour, aber ich habe ihn ganz gut bestanden. Vielleicht lag es auch daran, dass es schon nach 22 Uhr war.

Steffen Grimberg: Da ist die Welt also noch in Ordnung. Jetzt ist Medienkompetenz ja durchaus was - Sie haben die Wissenschaft erwähnt - was beforscht wird. Es gab im vergangenen Jahr, 2021, eine Studie in Sachsen, die der Medienkompetenz-Förderung eine eher schlechte Bilanz bescheinigt hat. Eine schlechte Note ausgestellt hat, wo eben doch noch sehr, sehr viele und sehr massive Defizite festgestellt wurden. Auch gerade bei Bereichen, wo es eben ganz konkrete Angebote gibt von Schulen, von Landesmedienanstalten, von Volkshochschulen. Trotz vieler Maßnahmen hohe Defizite: Woran liegt das?

Jochen Fasco: Also erstmal warne ich so ein bisschen vor Sachsen-Bashing. Das haben Sie auch nicht gemacht, Herr Grimberg. Man muss schon sehen: Die haben zweieinhalbtausend, ich glaube, Nordsachsen befragt und da kam schon raus, dass erstens der ländliche Raum sich ein bisschen abgehängt fühlt, die Städte ein bisschen besser sind. Dass es aber auch Wissenslücken gibt, gerade bei den unter 35-Jährigen und übrigens auch bedenkliche Einstellungen bei den Ü50 und dass wir, das muss man auch sehen, gemerkt haben: Ganz, ganz viele wissen überhaupt nicht, wie Journalisten arbeiten und glauben allen Ernstes, man höre und staune, dass Medien Meinungen lenken sollen, dass sie generell nicht neutral sind und im Prinzip am Ende auch die Öffentlich-Rechtlichen vor allem natürlich da nicht diesen besonderen Auftrag haben. Ich glaube ganz ehrlich, wie gesagt, Sachsen-Bashing sowieso nicht, es gilt bestimmt für viele Bereiche. Ich glaube, es wird ein bisschen zu viel aus den Daten rausgelesen. Ich denke mir, das war kein umfassender Ansatz. Es geht da mehr um Medienwissen und Mediennutzung. Ich habe ja vorhin gesagt, es sind ja vier Dimensionen, die da mit dabei sind. Aber was mich sehr gefreut hat und deutlich gemacht hat - dass da überall noch Luft nach oben ist, ist glaube ich bekannt - aber was uns klar geworden ist und da nochmal sehr deutlich wurde: Es ist ein großer, weiter Bildungswunsch auch bei den Älteren und sogar der Wunsch nach, ein Drittel hat sich dafür ausgesprochen, einem eigenen Schulfach. Hier in Thüringen haben wir das, aber das ist ein anderes Thema.

Steffen Grimberg: Ich wollte gerade darauf überleiten. Wie ist denn die Situation in Thüringen? Was ist da medienkompetenztechnisch schon erreicht und was bleibt noch zu tun?

Jochen Fasco: Naja, vor einem guten Vierteljahrhundert, Mitte der 90er Jahre, waren wir das erste Land, das Medienkompetenz in das Landesmediengesetz geschrieben bekommen hat. Und wir haben seitdem viel gemacht. Die Medienanstalt selbst, die Landesregierung, viele, viele Partner im Land. Und wir wollen uns da jetzt gar nicht so sehr, und das sind wir auch nicht, als Musterknaben darstellen, weil da schießt auch bei dem Thema Medienbildung, muss man schon sagen, Geld Tore und da ist es überschaubar, was an Mitteln manchmal zur Verfügung steht. Aber unser Ding ist und unsere Sache ist vor allem, dass wir entlang der ganzen Bildungskette uns kümmern und Vieles auch gestartet haben und Vieles noch erweitert wird. Also das geht wirklich los in der Kita, selbst da gibt es Medienkompetenz-Projekte und zwar nicht wenige. Und Erzieher*innen-Fortbildungen und so weiter. Das geht weiter in Schulen, wo Vieles passiert. Lehrer*innen-Fortbildungen und natürlich aber auch genauso ganz, ganz viele Projekte. Außerschulisch. Wir haben in Thüringen es geschafft, da war ich sehr stolz drauf, dass wir vor Jahren schon hinbekommen haben - Ich glaube, wir sind auch die Einzigen deutschlandweit. Ich klopfe auf Holz, dass es bald nicht mehr so ist. - dass im Landesjugendförderplan auch die Kommunen Geld für Medienkompetenz bekommen. Also außerschulische Medienarbeit, Jugendhäuser und so weiter. Und dann geht's weiter in die Elternarbeit, die auch in Schulen stattfindet, die Familienarbeit. Ich bin selbst in den Landesfamilienrat berufen worden und die Ministerin hat mir gesagt: Es geht ja wirklich auch darum, sie möchte Familienpolitik auch mit Medienbildung verheiraten. Bis hin zum Thema Seniorinnen und Senioren. Wir glauben, ich persönlich sehr stark, das ist eines der großen Themen der nächsten Jahre, wie wir die Erwachsenen, also die Eltern und Älteren, mit dem Thema Medienbildung noch stärker zusammenbringen. Da weiß ich natürlich, das geht Ihnen, Herr Grimberg, genauso wie mir: Wenn man abends heimkommt, will man nicht noch irgendwelche Beschulungen und Bespielungen mit irgendwelchen Kursen haben. Da möchte man im Prinzip, ich sage mal, sich ausruhen. Aber wie wir das hinkriegen, das ist die One-Million-Dollar-Question. Ich glaube, da haben wir aber in Thüringen, zumindest in Bezug auf die Erreichbarkeit der Zielgruppen und die nächste Stufe ist dann auch in die Fläche gehen, schonmal einige Dinge auf den Weg gebracht.

Steffen Grimberg: Sie haben es erwähnt: In Thüringen ist Medien oder Medienkompetenz ein Schulfach. In vielen anderen Ländern nicht. Wie bewerten Sie das? Müsste da nicht mehr passieren?

Jochen Fasco: Na, wir haben das schon seit - soweit ich weiß Anfang der 2000er Jahre gab es den Kurs "Medienkunde" auch in einigen anderen Ländern, auch übergreifend, aber wir waren da sehr konsequent, auch mit Medienpass am Zeugnis angedockt und Medienschulen und so weiter. Ich will das jetzt auch nicht zu weit ausführen. Aber es ist wirklich am Ende so, dass wir diese allgemeinbildenden Schulen als enorm wichtig ansehen, weil dort erreichen Sie alle Zielgruppen. Dort erreichen Sie prekäre, aber auch die wohlhabenden Familien. Sie erreichen Menschen mit aber auch ohne Migrationshintergrund. Sie erreichen Stadt und Land. Also das ist schon eine tolle Sache. Und Sie erreichen auch viele, viele Eltern, also Erwachsene, und holen sie ab bei Themen, die ihnen ganz wichtig sind, auch für ihre Kids. Und so gesehen, spielt Schule eine enorm wichtige Rolle aus meiner Sicht. Und da haben wir auch im Medienbildungszentrum der Landesmedienanstalt viel mit Schule. Und, vielleicht kann man auch sagen, warum vor allem auch Schulen uns immer wieder anrufen, wenn wir dort weggehen mit unserem Projekt und sagen "Kommt wieder." Wir sind auch als Landesmedienanstalten in aller Regel feste, planbare Akteure und dort sind aber auch feste, planbare Strukturen. Da fällt nicht mal so schnell was aus. Und so gesehen, ist es eine gute Geschichte auch für andere, und viele gibt es da übrigens, externe Partner. Und vielleicht, das kann ich sagen, nur damit es entsprechend auch bekannt ist: Dieser Kurs Medienkunde wird seit diesem oder letztem Jahr erweitert in ein Fach, wo es dann auch um Medienkompetenz geht. Auch digitale oder Informationsbildung. Da geht es auch um Programmieren und Coding. Und das soll jetzt nach einer kurzen Ausprobier-Zeit ins ganze Land ausgerollt werden. Also ich bin ganz froh, weil damit haben wir Schule als Ort, wo dieses Thema eine Rolle spielt und dann gehen die Kids nach Hause und sprechen mit ihren Eltern und hoffentlich auch mit ihren Großeltern über diese Themen.

Steffen Grimberg: Woran liegt es denn, dass - Thüringen ist da in einer Vorreiterrolle - dass das bei anderen Bundesländern noch so lange dauert? Über die Frage "Schulfach Medien" diskutieren wir ja gefühlt seit - Sie haben es gesagt - Jahrzehnten.

Jochen Fasco: Ich will gar nicht sagen, dass wir hier so toll sind und andere schlecht. Das wäre wirklich falsch gesagt. Sondern ich möchte einfach deutlich machen, dass wir da seit Jahren und seit Jahrzehnten intensiv arbeiten. Alle miteinander. Alle sehr vertrauensvoll. Thüringen ist jetzt auch kein riesiges Land, sodass hier mit zweieinhalbmillionen Menschen auch die kurzen Wege und die vertrauensvolle Zusammenarbeit wirklich zusammen gehen. Und ich glaube, das hat dann auch funktioniert. Darüber hinaus sind wir zumindest als Landesmedienanstalt, das gilt genauso für andere Länder, da auch immer Partner auf Augenhöhe oder zumindest als öffentlich-rechtliche Einrichtung auch Leute und Akteure, die auch in Schulen gehen, die auch in Schulen gehen sollen und dürfen. Und das ist auch ganz wichtig. Und ich glaube, wir haben in Thüringen deswegen auch ein gutes Stück Erfolg, weil wir immer dran geblieben sind. Ich weiß, dass andere da Vieles tun: Bayern tut viel, Niedersachsen viel, Rheinland-Pfalz genauso. Wenn ich jetzt ein Land vergesse, wäre es schade. Viele machen da was, aber ich weiß wirklich, dass andere auch - Ich kriege das in dem Lehrerfortbildungsinstitut immer wieder gesagt: "Wenn ich mich mit meinen Kollegen der anderen Lehrerfortbildungsinstitute treffe und erzähle von unserer Zusammenarbeit..." Ich bin da auch im Beirat übrigens drin. Der sagt: "Jochen, wenn ich dir das sage. Da sind wir mit welche, die am besten zusammenarbeiten, vertrauensvoll." Vielleicht ist das auch die Grundlage für gute und beste Medienbildung in die Fläche hinein.

Steffen Grimberg: Sie haben die Wichtigkeit, auch Medienkompetenz und Medienbildung an Erwachsene zu vermitteln, erwähnt. Welche Möglichkeiten gibt es denn da? Sie haben gesagt, die allgemeinbildenden Schulen. Die hören aber bekanntermaßen dann irgendwann auf. Da erreicht man junge Menschen. Was haben Sie an Werkzeug im Köcher, um auch an ältere Semester heranzukommen?

Jochen Fasco: Das erste, was wir gelernt haben: Wir machen seit einigen Jahren intensiv auch gerade Elternarbeit schon ewig. Aber gerade für die Seniorinnen und Senioren, die ältere Generation, machen wir seit einigen Jahren immer mehr Projekte. Die werden auch nachgefragt. Wir merken, dass die Kompetenzen, die wir erworben haben mit der Bildungsarbeit, mit der Projektarbeit, mit den Jüngeren und mit den Jüngsten, kann man sogar teilweise rüber reichen. Das heißt, es muss Spaß machen. Es muss einen Grund geben, warum die kommen. Oft wollen die sich austauschen. Wir haben zum Beispiel beim Thüringer Medienbildungszentrum der TLM in Gera eine Seniorenakademie. Die kommen da - in Coronazeiten war das oft digital - aber die kommen da und die Kollegin, die das organisiert, sagt: "Herr Fasco, das was die erstmal wollen, ist - die bringen auch einen Kuchen mit - eine Tasse Kaffee. Dann sitzen die und reden." Und zum Beispiel bei diesem Projekt, was wir da haben - "Kompass" ist ein Bundesprojekt. Da sind wir auch entsprechend ausgezeichnet worden. - da wird zum Beispiel zum Thema, da muss man ein bisschen durchatmen, Digitaler Nachlass gesprochen. Oder die Frage, wie man sich zum Beispiel auf Reisen vorbereitet, um jetzt mal ein bisschen ein anderes Thema zu nehmen. Da wird zum Beispiel miteinander geredet oder es wird jemand zugeschaltet, der dann über eine Leinwand oder ein großes iPad denen was erzählt. Und dann wird ausprobiert. Und am Schluss wird zum Beispiel dann konkret was gemacht, wird geschaut. Ich weiß, dass wir schon Projekte hatten, wo die dann rausgehen und zum Beispiel kleine Filme drehen. Die erfahren plötzlich, was TikTok, was WhatsApp, was auch das Handy selbst oder das Smartphone für Chancen hat. Also Sie merken, da passiert viel. Aber ich will nochmal konkret werden. Zum Beispiel haben wir die Erwachsenenbildung, die ja auch eine Aufgabe der Landesregierung ist. Und Thüringen hat zum Beispiel eine Million Euro für ein intensives Förderprogramm in die Hand genommen, um Träger der Erwachsenenbildung hier zu unterstützen. Aber wir erleben auch, dass neben der Technik, der Fortbildung oder auch der Konzepte, dass man da auch ein gutes Stück verstehen muss - wenn das in die Fläche gehen soll dann - dass das ein langes, dickes Bohren von Brettern ist und wir da wahrscheinlich am Ende viel sensibilisieren müssen, viel Bewusstsein erzeugen. Also meine Hoffnung ist immer, dass am Ende - sei es durch Schule oder auf anderem Wege - am Abendbrottisch, sagen wir mal, der Jüngere zu Papa sagt: "Ach glaub' doch nicht alles." Wenn es um irgendein Thema geht. Oder die Oma gesagt bekommt: "Schau doch mal auch dort rein, Oma. Da sagen auch andere was anderes." Dann haben wir, glaube ich, also um beim Thema Informationskompetenz zu bleiben, was erreicht. Da kommen noch viele andere Themen dazu.

Steffen Grimberg: Was sind denn in Ihren Augen die größten Baustellen? Wo müsste jetzt intensiv mal richtig was passieren?

Jochen Fasco: Also ich bin ja auch Beauftragter der Landesmedienanstalten für Medienkompetenz, aber vielleicht bevor ich zu dem Thema komme: Allgemein glaube ich wirklich, ich habe es schon erwähnt, die große, große Aufgabe der Medienkompetenz ist, in die Fläche zu gehen. Nicht nur irgendwelche Leuchttürme anzuzünden und sich daran zu delektieren und zu erfreuen, sondern es wirklich zu schaffen, in Thüringen sagt man auch gern oder auch generell bis zur letzten Milchkanne es schaffen, dass diese Themen Menschen erreichen, die sich dafür interessieren. Und dass wir entlang der Bildungskette arbeiten, habe ich schon beschrieben. Das ist auch eine der immer noch größten Aufgaben. Naja, ich meine, es zu machen... Wir als Landesmedienanstalt. Bei uns sind 10-15 Leute, die rausgehen ins Land, was toll ist, aber es braucht Ressourcen, es braucht Personal. Wir machen ganz viele Lehrerinnen- und Lehrer-Fortbildungen. Wir machen ganz viele Erzieherinnen- und Erzieher-Fortbildungen und hoffen auch immer wieder, dass wir dort dann auch Botschafter und Multiplikatoren dieser Themen werden. Als Beauftragter, sage ich Ihnen ganz ehrlich, geht's vor allem darum, Netzwerkarbeit zu machen, Bewusstsein zu stärken, wie wichtig diese Thematik ist. Auch diesen Kosmos der Medienanstalten. Wir haben zum Beispiel hier ganz frisch zum Thema Fakt oder Fake? ein Buch rausgebracht. Letztes Mal war das zum Thema Mobbing und Hass und Hetze. Weil wir sagen: Es macht auch Sinn diesen Kosmos von Repression, also Aufsichtsarbeit der Medienanstalten, und Prävention, also das, was wir tun im Jugendschutz aber auch präventive Arbeit zu liefern, darzustellen. Und das haben wir zum Beispiel ganz frisch gemacht zum Thema Verschwörungstheorien, Fakt und Fake. Am Ende ist die Arbeit der Medienbildung, die gemacht werden muss, enorm wichtig. Und da machen alle, vielfach auch Hand in Hand - ich koordiniere das ein Stück weit als Beauftragter - da macht die Medienkompetenz hier, glaube ich, einen guten Schnitt, da die Landesmedienanstalten, aber auch der MDR mit MEDIEN360G und viele andere einen tollen Job machen. Aber, wenn ich ganz ehrlich sein soll: Da ist auch manchmal noch ein bisschen Luft nach oben.

Steffen Grimberg: Das leitet wunderbar zu meiner letzten Frage über. Herr Fasco, was können wir, "die Medien", selber denn vielleicht tun, damit es auch mit der Medienkompetenz noch ein bisschen besser läuft?

Jochen Fasco: Na, das was Sie jetzt machen, ist zum Beispiel ein Beispiel. Nicht, dass Sie mich interviewen. So wichtig bin ich nicht. Aber dass Sie das Thema in die Fläche bringen. Ich glaube, ganz wichtig sind Sie als Medien. Das sind natürlich die Öffentlich-Rechtlichen, das sind auch die Privaten, der Printbereich - Sie sind in der Fläche. Sie werden gesehen, gehört, auch als Netzakteure. Mit MEDIEN360G sind Sie sehr aktiv und sind überall erreichbar. Also, in die Fläche gehen. Ich sage ganz ehrlich, ein bisschen einen Wermutstropfen muss ich nochmal reinstreuen: Medienbildung ist oft "Stricken", ist oft handlungsorientiert. Also das Reinlesen oder vielleicht irgendwas hören, reicht nicht aus, aber da ist der erste Weg, sensibilisiert zu werden und ich sage ganz ehrlich, da sind Sie, aber Sie als Medien, nicht alleine oder wir als Medienanstalten nicht alleine. Da ist auch die Kommune gefragt, das Land sowieso, die Kirchen, die Gewerkschaften, Parteien, Stiftungen - Da ist die Zivilgesellschaft gefragt, zu überlegen in Zeiten zum Beispiel des Ukrainekrieges, in Zeiten, wo es um Desinformation geht, wo wir belogen werden oder wo wir auch lernen müssen, dass wir auch ökonomisch manipuliert werden sollen von irgendwelchen Akteuren. Dass wir lernen, in dieser Medienwelt kompetent damit umzugehen, kreativ und kritisch. Und das können ganz viele thematisieren und da gehören auch die Medien vor allem dazu. Und ich wünsche Ihnen alles Gute dafür und hoffe, dass da - noch immer ist da Luft nach oben - dass Sie auch Ihre Kolleginnen und Kollegen davon überzeugen, noch mehr zu tun.

Steffen Grimberg: Das wünscht sich der Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt, Jochen Fasco. Ganz herzlichen Dank für das Gespräch.