Leben in der Lausitz Lausitz: Ohne Kohle kein Wasser?

In der Lausitz entsteht eine riesige Seenlandschaft, die Urlauber in die Region ziehen soll. Doch die Sache hat einen Haken: Bald schon könnte das Wasser extrem knapp werden.

Hausbootanlage, Bärwalder See, dahinter Braunkohlekraftwerk Boxberg, Lausitzer Seenlandschaft
Lausitzer Seenlandschaft: Eine Hausbootanlage am Bärwalder See, dahinter das Braunkohlekraftwerk Boxberg Bildrechte: imago images/imagebroker

Geplant ist ein Superlativ: die größte künstliche Seenlandschaft Europas soll in der Lausitz entstehen und hunderttausende Touristen in die östlichste Region Deutschlands ziehen. Bisher hat die Gegend zwischen Cottbus, Bautzen und Lauchhammer vergleichsweise wenig Touristen angezogen. Nach dem nahenden Ausstieg aus dem Braunkohleabbau könnte der Fremdenverkehr eine wirtschaftliche Perspektive bieten.

Zumindest auf den ersten Blick sind die Voraussetzungen, die Lausitz in eine riesige Badelandschaft zu verwandeln, sehr gut. Denn der Kohleabbau hinterließ riesige Gruben. Sie werden seit den 1990er-Jahren  Stück für Stück in eine neue Landschaft verwandelt, das Lausitzer Seenland: 25 Seen mit 15.000 Hektar Wasserfläche. Der Schmutz der Kohle wird ersetzt durch ein Bade- und Wassersportparadies. Es klingt wie die perfekte Lösung.

Sinkende Pegelstände: Kaum noch Wasser für die Spree

Aber die Pläne, aus der Kohle auszusteigen und in der Lausitz eine schillernde Seenlandschaft zu schaffen, könnten der Region schon bald sehr große Probleme bereiten. Denn die Lausitz leidet bereits jetzt unter Wassermangel und Trockenheit – und der Pegel der Spree könnte durch den Kohleausstieg nochmals stark sinken.

Manfred Heine, Bürgermeister der Gemeinde Spreetal
Bald auf dem Trockenen? Manfred Heine, Bürgermeister der Gemeinde Spreetal Bildrechte: MDR/Max Mendez

Bisher wird durch den Tagebau in der Region sehr viel Grundwasser gehoben. Es wird – nach einer Reinigung – in die Flüsse geleitet. Ein großer Anteil davon gelangt in die Spree. Wenn die Kohlebagger in der Lausitz in wenigen Jahren still stehen, könnten bis zu 50 Prozent der Wasserzuflüsse zur Spree versiegen. Laut Manfred Heine, Bürgermeister der Gemeinde Spreetal, würde sich ein Stopp des Kohleabbaus auch massiv auf den Grundwasserhaushalt der Region und weit darüber hinaus auswirken: "Dann hat die Spree plötzlich kein Wasser mehr. Dann haben wir ein gigantisches Wasserdefizit hier bei uns. Und dann wird wohl Berlin plötzlich auf dem Trockenen sitzen und durch die Spree laufen können".

Wasserlandschaft Lausitz
Die meisten gefluteten Tagebaue in der Lausitz sind relativ flach. Das führt dazu, dass besonders viel Wasser verdunstet. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs GmbH/Max Mendez

Der Ausbau der Seenlandschaft wird diese Wasserknappheit verschärfen. Denn die meisten gefluteten Tagebaue sind relativ flach und weiträumig. Sie heizen sich schneller auf als tiefe Seen. Innerhalb von 13 Sekunden verdunstet in der Lausitz dadurch die Wassermenge, die ein deutscher Ein-Personenhaushalt innerhalb eines Jahres verbraucht. Da die Lausitz ohnehin schon überdurchschnittlich stark von Dürreperioden betroffen ist, trifft der Wasserverlust die Menschen in der Region umso härter.

Die Politik reagiert: Strategie gegen Wassermangel in der Lausitz

Christine Herntier, Bürgermeisterin Spremberg
Christine Herntier, Bürgermeisterin Spremberg Bildrechte: MDR/Max Mendez

Inzwischen hat die Landespolitik die Dringlichkeit erkannt: Mitte September haben die Länder Sachsen, Brandenburg und Berlin eine Strategie gegen den Wassermangel in der Lausitz beschlossen. Ausgelöst wurden die politischen Bemühungen von der starken Trockenheit während der Sommermonate in den zurückliegenden Jahren. Ursache aber ist der Befund, dass "die angespannte Situation im Wasserhaushalt der Lausitz" eine Spätfolge des Kohlebergbau ist, wie es in einem siebenseitigen Positionspapier heißt. Nun sollen wasserwirtschaftliche Studien beauftragt und eine länderübergreifende Wasserbewirtschaftungszentrale geschaffen werden, um dem Wassermangel begegnen zu können.  

Zwar setzen sich inzwischen zumindest die Landesregierungen mit den Auswirkungen des Kohleausstiegs auf den Wasserhaushalt auseinander. Die Problematik aber gehöre auf die Tagesordnung der Bundesregierung, sagt Christine Herntier, Bürgermeisterin in Spremberg: "Das ist eine nationale Aufgabe und das wird auch eine Ewigkeitslast sein. Wenn man das nicht anerkennt, dann wird man riesige Probleme bekommen. Dann ist das Thema 'Auseinandersetzung um Wasser' nicht nur ein globales Thema, sondern das werden wir hier erleben, auch in der Lausitz".

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hinter dem Abgrund – Leben in der Lausitz | 29. September 2022 | 20:15 Uhr

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