Klimakrise Wassermangel in der Lausitz: Bundesländer stellen gemeinsame Strategie vor

Angesichts der sich verschärfenden Klimakrise und des geplanten Kohleausstiegs in der Lausitz haben die Länder Sachsen, Brandenburg und Berlin eine gemeinsame Strategie beschlossen. Ziel ist es, die Auswirkungen des Strukturwandels zu untersuchen, die Wasserversorgung für die nächsten Jahre sicherzustellen und Machbarkeitsstudien in Auftrag zu geben. Im Sommer 2022 kam es in verschiedenen Flussgebieten zu teils starken Niedrigwasserphasen.

Ausgetrocknetes Flussbett der Schwarzen Elster in Südbrandenburg.
Sachsen, Berlin und Brandenburg haben gemeinsame Handlungsstrategien entwickelt, um den Wassermangel in der Lausitz zu mindern. (Bild von der Schwarzen Elster vom Juni 2022) Bildrechte: dpa

Sachsen, Brandenburg und Berlin arbeiten in Zukunft verstärkt zusammen, um die Folgen des Klimawandels und des Kohleausstiegs in der Region Lausitz zu mindern.

Am Montagmittag unterschrieben die Länder ein Positionspapier, mit dem Maßnahmen und Strategien ermöglicht werden sollen, die die Flussgebiete Spree, Schwarze Elster und Lausitzer Neiße betreffen. Die Kooperation beschlossen Sachsens Umweltminister Wolfram Günther, Brandenburgs Umwelt- und Klimaschutzminister Axel Vogel und die Berliner Umwelt-Staatssekretärin Dr. Silke Karcher bei einem gemeinsamen Termin am Bärwalder See in Boxberg.

Im siebenseitigen Positionspapier wird unter anderem davon gesprochen, eine länderübergreifendende Wasserbewirtschaftungszentrale zu schaffen. Zudem wird an den Bund appelliert, stärker seine Mitverantwortung bei Transformationsprozessen wahrzunehmen. "Wasser ist nicht nur die Lebensgrundlage für Mensch und Natur, sondern auch ein knallharter Standortfaktor. Wirtschaft braucht Wasser. Davon hängt auch das Gelingen des Strukturwandels in der Lausitz ab", sagt Wolfram Günther (Grünen).   

Arbeitsgemeinschaft wird umstrukturiert

Im Zuge der Kooperation wurde die Arbeitsgemeinschaft Flussgebietsbewirtschaftung (AG FGB) bereits vor einigen Monaten neu ausgerichtet. Die drei Bundesländer haben sich darauf geeinigt, dass die obersten Wasserbehörden länderübergreifende Untersuchungen für notwendige Maßnahmen in Auftrag geben können, die sich durch den Klima- und Strukturwandel ergeben.

Wirtschaft braucht Wasser. Davon hängt auch das Gelingen des Strukturwandels in der Lausitz ab.

Wolfram Günther Umweltminister Sachsen

Dazu gehören beispielsweise Erhebungen zu natürlichen Wasservorkommen oder Machbarkeitsstudien zu potentiellen Wasserüberleitungen in die Spree. Den Vorsitz in der AG FGB übernehmen die Wasserbehörden der drei Länder im Wechsel. Die AG FGB wurde ursprünglich im Jahr 1999 gegründet. Sie kümmerte sich um die Sanierung des Wasserhaushaltes und koordinierte die Flutung von Tagebaurestlöchern in der Lausitz.

   

Auslöser: Starke Trockenheit

Hintergrund der Zusammenarbeit ist die starke Trockenheit in den vergangenen Jahren. Deutschlandweit machte der niedrige Wasserpegel in Flüssen und Seen im Sommer 2022 Schlagzeilen. Auch Gebiete in Sachsen, Brandenburg und Berlin waren davon betroffen.

 Linke Hälfte (grün, 31. Juli 2017) und rechte Hälfte (Dürre, 26. Juli 2018)
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Die Pegelstände bewegten sich bei einem Viertel bis einem Drittel der jahreszeitlich üblichen Messwerte. Im Mai dieses Jahres entschied deswegen eine länderübergreifende Arbeitsgruppe, Wasser aus dem sächsischen Spreegebiet in die Schwarze Elster zu leiten.

Die Gäste im Fakt-ist-Studio 58 min
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58 min

Fakt ist! Mo 20.06.2022 22:10Uhr 58:29 min

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"Der diesjährige Dürresommer verdeutlicht einmal mehr die Notwendigkeit eines konsequenten Klimaschutzes. Der Ausstieg aus der Braunkohle ist alleine schon deshalb unvermeidlich und zwingend erforderlich", sagt Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grünen). "Nur gemeinsam werden wir die Aufgabe bewältigen, Maßnahmen zur Stabilisierung des Wasserhaushaltes für die Zeit nach dem Braunkohleausstieg vorzubereiten und rechtzeitig umzusetzen." 

Der Bund beschloss vor zwei Jahren den Ausstieg aus dem Kohlestrom. Spätestens 2038, möglichst aber schon 2035, sollen keine Braunkohlekraftwerke mehr am Netz sein. Zeitgleich zum Kohleausstieg wurde auch ein sogenanntes Strukturstärkungsgesetz erlassen, das betroffene Regionen beim Strukturwandel unterstützen soll.  

MDR (mad)

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