Schulunterricht an einer Grundschule in Bayern am ersten Schultag nach den Sommerferien am 12.09.2023.
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Bertelsmann-Studie Lehrermangel an Grundschulen könnte sich wegen sinkender Geburtenrate auflösen

25. Januar 2024, 12:16 Uhr

Der Lehrermangel an Grundschulen könnte nach einer neuen Studie schon bald überwunden sein. Laut Bertelsmann Stiftung wird sich der Mangel bis Mitte des Jahrzehnts umkehren.

Der Lehrermangel an Grundschulen könnte sich bald in Überkapazitäten umkehren. Wie der Bildungsforscher Klaus Klemm gemeinsam mit dem Bildungsexperten der Bertelsmann Stiftung, Dirk Zorn, berechnete, dürften von 2023 bis 2035 insgesamt rund 96.250 fertig ausgebildete Lehrkräfte fürs Grundschullehramt zur Verfügung stehen.

Der Bedarf an neuen Einstellungen im selben Zeitraum wird jedoch voraussichtlich nur etwas mehr als 50.000 Personen umfassen. Bis 2035 werden also zusammengenommen 45.800 Grundschullehrerinnen und -lehrer mehr bereitstehen als erforderlich wären, um den Unterricht abzudecken.

Sinkende Geburtenrate verringert Bedarf an Grundschullehrern

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte in ihrer Prognose aus dem vergangenen Monat noch einen Gesamtüberschuss von nur 6.300 Absolventen ermittelt. Verantwortlich für diese Abweichung ist die Trendwende in der demografischen Entwicklung: Während 2021 in Deutschland noch 795.500 Kinder geboren wurden, waren es 2022 noch 738.800 und 2023 hochgerechnet nur noch 689.300.

Dieser deutliche Rückgang um mehr als 100.000 Geburten führt dazu, dass auch die Anzahl der Schülerinnen und Schüler ab 2028 stärker zurückgehen wird als in der KMK-Prognose angenommen. Auch für die Folgejahre gehen die Studienautoren von geringeren Geburtenzahlen aus.

Bedarf an Grundschullehrkräften 2025 am höchsten

Laut den Berechnungen wird der Bedarf an Grundschullehrkräften im Jahr 2025 mit mehr als 213.000 seinen Höchststand erreichen und dann bis 2035 auf rund 180.000 abnehmen. Der Bedarf an Neueinstellungen wird voraussichtlich in den Jahren 2029 bis 2032 besonders stark sinken, danach allerdings wieder etwas ansteigen, da mehr Lehrkräfte in den Ruhestand eintreten.

"Der Lehrkräftemangel in der Grundschule wird schon bald vielerorts überwunden sein. Angesichts der schlechten Nachrichten für das deutsche Bildungssystem in den vergangenen Monaten, vom IQB-Bildungstrend bis PISA, ist das eindeutig ein Lichtblick", sagte Zorn.

Allerdings bleibe die Lage in anderen Schulstufen und in bestimmten Fächern weiterhin angespannt. Vor allem in den nicht-gymnasialen weiterführenden Schulen sowie in den MINT-Fächern herrsche noch auf absehbare Zeit ein großer Mangel an Lehrkräften.

Überschuss an Lehrkräften Chance die Bildungsqualität zu verbessern

"Durch die zusätzlichen ausgebildeten Lehrkräfte besteht eine große Chance, in die pädagogische Qualität an den Grundschulen zu investieren, was aufgrund des Personalmangels lange Zeit kaum möglich war", sagte Zorn. Dieses Potenzial sollte die Politik unbedingt nutzen.

Die Studienautoren empfehlen, mit den zusätzlichen Lehrkräften das ab dem Schuljahr 2024/2025 von Bund und Ländern geplante Startchancen-Programm zu verstärken. Es soll dazu dienen, 4.000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler gezielter zu fördern.

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Zweitens könnten die Lehrkräfte im Grundschul-Ganztag zum Einsatz kommen. Ab 2026 greift dort der Rechtsanspruch auf eine ganztägige Förderung. Drittens könnte ein Teil der Lehrkräfte in den Jahrgangsstufen fünf und sechs eingesetzt werden, wo weiterhin viele Lehrerinnen und Lehrer fehlten.

KNA (ewi)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Januar 2024 | 08:13 Uhr

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