Junge Lehrerin schreibt 2016 an eine Schultafel.
Stehen schlecht da: Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Bildrechte: picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa | Julian Stratenschulte

Bildungsvergleich Deutsche Schüler schneiden in Pisa-Studie schlecht wie nie ab

05. Dezember 2023, 22:22 Uhr

Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben 2022 ihr bislang schlechtestes Ergebnis in der Vergleichsstudie Pisa erreicht. Eine der Ursachen soll die Corona-Pandemie sein. Alles sei damit aber nicht erklärbar.

Die deutschen Schülerinnen und Schüler haben im internationalen Leistungsvergleich Pisa im Jahr 2022 so schlecht abgeschnitten wie noch nie zuvor. Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mitteilte, handelt es sich sowohl im Lesen als auch in Mathematik und Naturwissenschaften um die niedrigsten Werte, die für Deutschland jemals im Rahmen von Pisa gemessen wurden. Auch international sei die durchschnittliche Leistung drastisch gesunken.

In Mathematik stürzten die deutschen Schülerinnen und Schüler besonders ab. Sie erreichten einen Punktwert von 475, bei der vorherigen Untersuchung, die 2019 veröffentlicht wurde, waren es noch 500. Im Lesen kamen sie auf 480 (2019: 498) und in Naturwissenschaften 492 (2019: 503). Der Singapur lag in allen drei Kategorien bei rund 550 und mehr Punkten.

Auf der Suche nach den Ursachen

Ursachen für das schlechte Abschneiden der deutschen Schülerinnen und Schüler sehen die Autorinnen und Autoren der Studie unter anderem in der Corona-Pandemie. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schulschließungen einen negativen Effekt auf den Kompetenzerwerb hatten. In Deutschland sei der Distanzunterricht weniger mit digitalen Medien und mehr mit Materialien, die an die Jugendlichen geschickt wurden, bestritten worden als im OECD-Durchschnitt.

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In Deutschland gaben 71 Prozent der Schülerinnen und Schüler an, dass in ihrem Schulgebäude wegen der Coronakrise mehr als drei Monate lang kein Unterricht stattfand. Im OECD-Durchschnitt der 81 untersuchten Länder erlebten dagegen nur 51 Prozent ähnlich lange Schulschließungen.

OECD-Experte Francesco Avvisati sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Corona-Pandemie aber nicht alles erklären könne: "Denn der steile Abfall der Leistungen zwischen 2018 und 2022 hat lediglich den negativen Trend, der schon vor 2018 zu sehen war, verstärkt."

Sprachkenntnisse als weiterer Faktor

Fehlende Sprachkenntnisse gelten ebenfalls als einflussreichen Faktor für das deutsche Abschneiden. "Ein zentraler Grund ist sicherlich, dass wir es nach wie vor nicht geschafft haben, eine frühe Sprachförderung für alle, die sie benötigen, durchgängig sicherzustellen", sagte die Studienleiterin Doris Lewalter, Vorstandsvorsitzende des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien. "Wenn wir Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungshintergrund haben, können wir nicht davon ausgehen, dass sie die deutsche Bildungssprache schon beherrschen, wenn sie nach Deutschland kommen."

An dem 2022 an den Schulen für die neue Veröffentlichung organisierten Pisa-Test nahmen etwa 690.000 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren aus 81 Ländern teil, in Deutschland waren es 6.116 Teilnehmer. Die Stichprobe ist repräsentativ für die 15-Jährigen in Deutschland. Eine Aufschlüsselung nach Bundesländern gab es nicht.

Singapur liegt weit vorn

In allen drei Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften lagen die Schülerinnen und Schüler aus Singapur weit vorn. Insgesamt schnitten asiatische Länder am besten ab, so gehören auch Japan, Südkorea und Teile Chinas in allen Bereichen zu den leistungsstärksten. Aus Europa holten nur die Schüler aus Estland in allen drei Bereichen Ergebnisse, mit denen sie in der Spitzengruppe landeten.

Pisa ist die weltweit größte Schulleistungsstudie und untersucht die Kompetenzen von 15-Jährigen in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen.

dpa, afp, Reuters, MDR (lik)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL Fernsehen | 05. Dezember 2023 | 20:30 Uhr

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