Eine Luftaufnahme zeigt den deutschen Notschlepper "Nordic" (l), der das Feuer auf einem brennenden Frachter in der Nordsee bekämpft.
Der brennende Autofrachter "Freemantle Highway" vor der Küste der Niederlanden. Bildrechte: dpa

Elektroautos Brennender Autofrachter: Sind E-Autos eine Gefahrenquelle?

28. Juli 2023, 05:00 Uhr

Die Bilder der brennenden "Fremantle Highway" gehen seit zwei Tagen durch alle Medien. Der Autofrachter hatte vor der niederländischen Insel Ameland Feuer gefangen. Schnell war der Verdacht laut geworden, das Feuer sei durch die defekte Batterie eines E-Autos ausgelöst worden. Geklärt ist das aber noch nicht. Unter den fast 3.800 Autos an Bord befinden sich 25 E-Autos. Geht von ihnen eine besondere Gefahr aus?

E-Autos geraten nicht häufiger in Brand als ihre brennstoffbetriebenen Gegenstücke, das haben Unfallforscher schon vielfach dargelegt. Wenn sie aber brennen, können sie zu einem Problem für die Einsatzkräfte werden – vor allem auf einem Frachter auf hoher See. "Also bei der Brandbekämpfung verkompliziert es das schon", sagt einer, der es wissen muss. Volker Arp ist Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands Schleswig-Holstein, also zwischen Nord- und Ostsee zu Hause.

E-Autos sind schwerer zu löschen

Wenn der Akku Feuer gefangen habe, sei ein E-Auto schwerer zu löschen als ein Verbrenner. "In den Lithium-Batteriezellen entsteht immer wieder eine Erwärmung und das führt dann wieder zu einer Flamme, also zu einem Feuer. Man muss die sehr lange kühlen oder ersticken. Und das kann man natürlich nicht, wenn man nur Wasser drauf sprüht, weil das wird wieder warm und dann gibt es eben diese Kettenreaktion, bis sich am Ende diese Batterie halt komplett zersetzt hat und das dauert sehr lange."

Auf einem Schiff brenne ein E-Auto nicht anders, als an Land, sagt Arp. Die spezielle Situation im Frachter mache es aber gefährlich. "Es ist halt nur in einem geschlossenen Stahlcontainer – das muss man sich vorstellen wie eine Kiste – und da sind die Dinger drin und stehen so dicht aneinander, sogar noch dichter als in einer Tiefgarage. Und es ist dasselbe Prinzip, man hat nur eben – und das ist der große Unterschied – keine Landverbindung. Also man muss das alles irgendwie von einem anderen Schiff machen, was schaukelt und wackelt. Oder man muss hoffen, dass die Technik auf dem Havaristen noch funktioniert."

Das ist beim aktuellen Brand aber nicht der Fall, das heißt: Niemand kommt rein, allenfalls eine Kühlung von außen ist möglich, an Löschmanöver im Innenraum ist nicht zu denken. Dabei spiele dann auch keine Rolle, ob es sich um einen Verbrenner oder einen Stromer handele, sagt Torsten Kolbe von der Branddirektion Leipzig.

Wie die Feuerwehr bei brennenden E-Autos vorgeht

Grundsätzlich gelte aber beim E-Auto zu unterscheiden: "Brennt das Fahrzeug oder brennt der Akku des Fahrzeuges? Das ist ein ganz großer Unterschied, denn brennt der Akku nicht, behandeln wir das genauso wie jeden anderen Pkw-Brand. Wir löschen dort mit Wasser-Schaum-Gemisch und haben damit auch regelmäßig große Erfolge. Wenn der Akku brennt, dann müssen wir dort mit viel mehr Wasser herangehen und uns auch taktisch anders einrichten."

In solchen Fällen könnten die Kameraden zum Beispiel auf maximal einen Meter an das brennende Auto herantreten. Zum Glück passiere das insgesamt aber sehr selten. "Bei wirklich einigen zurückliegenden Bränden – auch von Elektrofahrzeugen – haben wir in Leipzig noch nie das Problem gehabt, dass die Akkus selbst im Mitleidenschaft gezogen worden sind und gebrannt haben." Ein defekter Akku sei auch nie der Auslöser eine Brandes gewesen, sagt Kolbe. Die Feuerwehr habe sich also in allen Fällen auf die klassische Brandbekämpfung bei PkW beschränken können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juli 2023 | 06:00 Uhr

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