9-Euro-Ticket Wissing kündigt "modernes" ÖPNV-Ticket an

Das 9-Euro-Ticket ist am Donnerstag Geschichte. Doch Verkehrsminister Volker Wissing hofft auf ein Nachfolgemodell. Voraussetzung sei allerdings eine neue Tarifstruktur. Außerdem sollen sich aus seiner Sicht die Länder an der Finanzierung beteiligen.

Volker Wissing
Bundesverkehrsminister Volker Wissing will den ÖPNV in Deutschland vereinfachen und ein Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket schaffen. Bildrechte: dpa

Bundesverkehrsminister Volker Wissing hat eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket angekündigt. Der FDP-Politiker sagte im Deutschlandfunk, er habe Finanzminister Christian Lindner davon überzeugt, dass es ein weiteres, moderneres Ticket geben müsse.

Wissing betonte mit Blick auf die Vielfalt an Tarifzonen und Verkehrsverbünde, man brauche in Deutschland eine bessere Tarifstruktur im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). So wie bisher könne es nicht weitergehen. Die Strukturen müssten vereinfacht und die Digitalisierung müsse ausgebaut werden. Der Verkehrsminister sprach sich für ÖPNV-Tickets aus, "die in ganz Deutschland gelten und die man einfacher erwerben kann".

Verkehrsminister: Bund und Länder müssen Ticket gemeinsam finanzieren

Wissing erklärte, es könne keinen kostenlosen ÖPNV geben, aber natürlich müsse der Preis attraktiv sein. Über den Preis für ein Nachfolgeticket könne man aber erst sprechen, wenn man wisse, wie so ein Ticket aussehen solle, wo es gelten solle, wie es vertrieben werde und was die Länder dazu leisten könnten. Am Ende müssten Bund und Länder das neue Ticket gemeinsam finanzieren. Wissing sagte, man könne nicht vom Bund verlangen, dass er einfach Geld auf den Tisch lege, "wenn die Länder selbst keine Vorschläge haben, wie das neue Ticket aussehen soll".

Lindner: Jetzt sind die Länder dran

Bundesfinanzminister Christian Lindner bestätigte auf Twitter, dass ihn Wissing überzeugt habe. Der Minister könnte mit einem Bruchteil der Finanzmittel des 9-Euro-Tickets ein bundesweit nutzbares, digital buchbares Ticket realisieren, schrieb der FDP-Chef. Jetzt seien die Länder dran. Wenn die Finanzierungsfrage klar sei, könne der Preis festgelegt werden.

Noch kein Termin für Nachfolge-Modell

Wissing machte keine Angaben, wann die 9-Euro-Nachfolgeregelung kommt. Das kostengünstige und vom Bund finanzierte Ticket kann heute zum letzten Mal genutzt werden. Es war zum 1. Juni eingeführt worden, um Menschen angesichts hoher Energiepreise zu entlasten und für einen Umstieg auf Bus und Bahn zu werben. Im Juni, Juli und August konnten für jeweils neun Euro Busse und Bahnen im öffentlichen Nahverkehr genutzt werden. Nach Angaben der Verbandes der Verkehrsunternehmen wurden etwa 52 Millionen Tickets verkauft. Hinzu kamen weitere zehn Millionen Tickets für Menschen, die ohnehin schon ein Abonnement für ein Monatsticket hatten.

Aufruf von Prominenten zu Fortsetzung des günstigen ÖPNV-Tickets

Mehr als 50 Kulturschaffende, Unternehmer und UmweltaktivistInnen haben in einem Brief an Kanzler Scholz einen weiterhin günstigen Nahverkehr gefordert. Der "Spiegel" zitiert aus dem Schreiben, in dem es heißt: Das 9-Euro-Ticket dürfe kein Sommermärchen bleiben. Es sei ein wichtiger erster Schritt in eine bessere, gerechtere und klimaneutrale Zukunft. Zur Finanzierung schlagen die Unterzeichner eine Übergewinnsteuer, die Streichung des Dienstwagenprivilegs oder höhere Steuern für Kerosin im Flugverkehr vor. Zu den Unterzeichnern gehören die Schauspielerin Anke Engelke, der Comedian Torsten Sträter, die Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen.

dpa, Reuters, AFP (aju)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 31. August 2022 | 08:30 Uhr

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