Stilllegung Seit Bundestagswahl nicht ein Kilometer Bahnstrecke reaktiviert

Bund und Länder kommen nach Ansicht mehrerer Verkehrsverbände mit der angekündigten Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken kaum voran. Seit der Bundestagswahl im vergangenen Jahr stagniert das Vorhaben.

Gleise einer stillgelegten Bahnstrecke
Viele sehen den Schienenverkehr als Zukunft der Mobilität, doch vielerorts gibt es keinen Anschluss. Bildrechte: imago/Jürgen Eis

Bei der Reaktivierung einst stillgelegter Bahnstrecken kommen Bund und Länder aus Sicht von Verkehrsverbänden kaum voran. Der Geschäftsführer des Interessenverbands "Allianz pro Schiene", Dirk Flege, sagte, seit der Bundestagswahl 2021 sei kein einziger Kilometer Schienenstrecke in Deutschland reaktiviert worden. Das sei ein sehr ernüchterndes Signal.

Flege verwies dabei auf die Koalitionsvereinbarung, die lautet: "Strecken werden reaktiviert." Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember könnten aber noch einige Strecken reaktiviert werden.

Insgesamt wurden seit 1994 in Deutschland insgesamt rund 1.300 Kilometer Gleise reaktiviert – sowohl Güter- als auch Personenverkehrsstrecken. Allein seit 2019 kamen insgesamt knapp 145 Kilometer hinzu. Danach stagnierte die Reaktivierung.

Rechtliche Grundlage könnte den Turbo zünden

Länder und Kommunen haben Flege zufolge in diesem Jahr zunächst auf eine neue rechtliche Grundlage für die Wiederertüchtigung alter Schienenwege gewartet. Diese sei im Juli in Kraft getreten. Flege sprach von einem Fortschritt gegenüber älteren Regelungen.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen nennt in einer aktualisierten Broschüre bundesweit 280 sogenannte entwidmete Strecken mit einer Gesamtlänge von 4.600 Kilometern, die für eine Reaktivierung in Frage kommen. Aus Verbandssicht könnten auf diese Weise viele Menschen wieder ans Schienennetz angebunden und das Angebot deutlich verbessert werden.

Um sämtliche Strecken zu reaktivieren, die aus Sicht des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen dafür geeignet sind, werden insgesamt zwischen neun bis zwölf Milliarden Euro benötigt.

Quellen: dpa (isc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL | 03. August 2022 | 11:00 Uhr

21 Kommentare

Basstian vor 9 Wochen

"denn in solchen Orten gibt es ausser PKW kaum anderes.". Ja, es gibt kaum was Anderes als dicke Autos. Um vom Dorf zur Arbeit zu kommen, reicht ein 45 PS-Polo oder 60 PS-Golf. Bloß die dicken Mühlen brauchen ja heutzutage dreistellige PS-Zahlen, um nicht das Temperament eines LKW zu haben. Da gäbs auch bei deutlich teurem Sprit noch viel Einsparpotential. - Letztens bin ich nicht mal eine Station im Zug weit gekommen, als die einzige Mitfahrerin im Großraumabteil schon ihr Schmierphone zückte und mich vollaberte. Und mich öden auch die vielen Langweiler, die an ihrer Umwelt völlig desinteressiert nur auf ihr Suchtmittel von Apple oder Samsung starren, an. Das muß ich mir im Auto nicht antun.

Bernd_wb vor 9 Wochen

Es stimmt schon, es wird Orte geben wo sich Schienenverbindungen nicht lohnen. Da gibt es einfach nicht genug Potential. Und bei den Studien gab es auch Strecken wo man sagte das rechnet sich nicht. Bloed nur wenn die naechste Stufe der CO2 Steuer kommt, denn in solchen Orten gibt es ausser PKW kaum anderes. Die Handy's in den Oeffies solange sie keinen Krach machen alles ok,

Basstian vor 9 Wochen

Na, wenn ich sehe, daß es z. B. Joghurt aus Heilbronn, Kaffeeweißer aus Holland und Tomaten aus Marokko in Österreich gibt, wäre es fast genauso unsinnig, das mit der Bahn statt mit dem Laster zu transportieren. Das Problem ist wohl nicht das Transportmittel, sondern daß wir alles überall haben wollen und Transportkosten dem auch nicht allzusehr im Wege stehen. Erst wenn sich Frachtkosten bspw. pro Container aus Fernost vervielfachen, denken einige (längst nicht alle) über Produktion in Europa nach.
Wenn 90% der Leute ein Auto haben - welche Bahn will dann in dünnbesiedelten Gebieten investieren und fast nur Luft durch die Gegend fahren ? Dazu kommt der Vandalismus an entlegenen Stationen. Auch die DR konnte den Zugbetrieb auf Kuhkleckersdorf-Nebenstrecken vermutlich nur durch massive Subventionen aufrechterhalten. Und mir verdirbt der Handywahnsinn in den Öffis die Benutzung selbst des besten Zug- oder Busangebotes. Anscheinend glaubt man, durch Überall-WLAN Fahrgäste anzulocken?

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