Metropole im Wandel

Russlands Herz und Hauptstadt

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Besucher im Park Sarjadje + Video
Mehr als eine Milliarde Euro, umgerechnet fast 69 Milliarden Rubel, wurden 2017 schon für die Sanierung der russischen Hauptstadt ausgegeben. Das meiste Geld fließt in die Grünanlagen der Metropole. "Entwicklung der städtischen Umwelt" nennt sich das ambitionierte Projekt. 56 Parks und 129 Grünanlagen will Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin in Europas größter Stadt eröffnen. Allein die Parks sollen noch in diesem Jahr fertig werden. Bildrechte: dpa

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 Besucher im Moskauer Zaryadye Park. 2 min
Bildrechte: dpa/MDR-Grafik

Moskauer Eigenheiten

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Die Kommunalkas Platz ist auf engstem Raum

Ein Zimmer pro Familie, das sollte reichen, entschied der Sowjetstaat in den 1920er-Jahren, als die Städte im Zuge der Industrialisierung explodierten. Es entstanden Kommunalkas - eine Wohnform, die es noch heute gibt.

Blick in die Küche einer russischen Kommunalka (Gemeinschaftswohnung)
Kommunalkas – die russische Kurzform von kommunalnaja kvartira - sind Gemeinschaftswohnungen: Pro Zimmer eine Familie. Die Wohnform entstand Ende der 1920er-Jahre. Im Zuge der Industrialisierung zogen Millionen von Bauern in die sowjetischen Großstädte, doch fehlte Wohnraum für sie. Der Staat ließ die Wohnungen reicher Bürger zimmerweise an die Neuankömmlinge verteilen. Noch heute wohnt man zusammen, inzwischen aus finanziellen Zwängen. Geteilt wird Vieles, auch die Küche, der Herd aber bleibt der eigene. Bildrechte: IMAGO
Blick in die Küche einer russischen Kommunalka (Gemeinschaftswohnung)
Kommunalkas – die russische Kurzform von kommunalnaja kvartira - sind Gemeinschaftswohnungen: Pro Zimmer eine Familie. Die Wohnform entstand Ende der 1920er-Jahre. Im Zuge der Industrialisierung zogen Millionen von Bauern in die sowjetischen Großstädte, doch fehlte Wohnraum für sie. Der Staat ließ die Wohnungen reicher Bürger zimmerweise an die Neuankömmlinge verteilen. Noch heute wohnt man zusammen, inzwischen aus finanziellen Zwängen. Geteilt wird Vieles, auch die Küche, der Herd aber bleibt der eigene. Bildrechte: IMAGO
Klingelschild eines Wohnblocks
Immerhin: Jeder Bewohner einer Kommunalka hat eine eigene Klingel und einen eigenen Stromzähler im Zimmer. Gibt es Privatsphäre? Fehlanzeige. Intimität? Nur wenig. Wie beschreibt der Literaturnobelpreisträger Joseph Brodsky in seinem Werk "Erinnerungen an Leningrad" die Lebensverhältnisse in einer Kommunalka so schön: "Unsere Eltern liebten sich, während wir uns schlafend stellten." Bildrechte: IMAGO
Neubauten in Moskau
Moskau, mit seinen gut zwölf Millionen Einwohnern die größte Stadt Europas, gehört heute zu den zehn teuersten Metropolen weltweit. Die Mieten in sanierten oder neugebauten Wohnvierteln sind teuer. Bei diesem Preisdruck sind die Kommunalkas noch heute eine preiswerte Alternative. Bildrechte: MDR/Juliane Jaschnow
Stadtansicht mit Wohnblocks in russischer Hauptstadt Moskau
91.000 Kommunalkas soll es heute noch in Moskau geben, übrigens nicht nur im Altbau, sondern auch im Neubau. Ein Unterschied aber existiert zu früher: Die Bewohner, die früher das Zimmer nur mieten konnten, können es inzwischen auch kaufen. Einfacher macht dies das Zusammenleben aber nicht. Bildrechte: IMAGO
Blick in den Flur einer russischen Kommunalka (Gemeinschaftswohnung)
Wo man Bad, Küche, Flur mit anderen Familien teilen muss, bleiben Streitigkeiten nicht aus. Die Zellen engsten Zusammenlebens sind längst ein Forschungsthema für Soziologen. Doch auch Literaten beschäftigen sich immer wieder gern mit der Kommunalka. Der weltbekannte Autor Michail Bulgakow, der selbst in einer lebte, schrieb in seinem Roman "Der Meister und Margarita" über die soziale Kontrolle in den Kommunalkas: "Das Hauskomitee hat ein Auge, und auf dem Hauskomitee ruht noch ein Auge!" Bildrechte: IMAGO
Blick über die Moskwa auf ein Stalin-Hochhaus im Zuckerbäckerstil.
Doch nicht nur in den Kommunalkas ist es eng. Rein rechnerisch, so schrieb die "Süddeutsche Zeitung" im März 2016, leben in einem Zimmer in Moskau durchschnittlich 1,3 Personen. Während ein Europäer im Durchschnitt um die 35 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung hat, sind es für Moskauer nur 22 Quadratmeter. Es ist in der russischen Hauptstadt einfach mal enger. Bildrechte: IMAGO
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Vom Luxusauto bis Volkswagen

Lada, Moskwitsch & Co.

Der Lada galt als der "Mercedes des Ostens", der Moskwitsch war für die Sowjetbürger eine Art Volkswagen. Doch die Sowjetunion brachte auch andere Klassiker auf den Ostmarkt.

Tschaika - russische Luxuslimousine
Tschaika Der Tschaika, zu Deutsch die Möwe, ist eine durchaus eindrucksvolle Luxuslimousine, die in zwei Versionen im Automobilwerk Gorki gebaut wurde. 1959 rollte das erste Modell, der GAZ 13, vom Band, 1977 der modernisierte GAZ 14 (Foto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Tschaika - russische Luxuslimousine
Tschaika Der Tschaika, zu Deutsch die Möwe, ist eine durchaus eindrucksvolle Luxuslimousine, die in zwei Versionen im Automobilwerk Gorki gebaut wurde. 1959 rollte das erste Modell, der GAZ 13, vom Band, 1977 der modernisierte GAZ 14 (Foto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Tschaika - russische Luxuslimousine
Tschaika (Innenausstattung) Der Tschaika orientierte sich im Design stark an den jeweiligen amerikanischen Straßenkreuzern und war ausschließlich hohen Staats- und Parteifunktionären der UdSSR sowie deren sozialistischen Bruderstaaten vorbehalten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Tschaika - russische Luxuslimousine
Tschaika (Heckansicht) Die tonnenschweren Luxuskarossen schluckten freilich recht ordentlich - zwischen 16 und 22 Liter Benzin auf 100 Kilometer bei Tempo 50. Bei schnelleren Ausfahrten verdoppelte sich der Spritverbrauch. Gut erhaltene Tschaika sind bei Sammlern heute hoch begehrt und schlagen mit bis zu 50.000 Euro zu Buche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Wolga GAZ 21
1956 lief der erste Wolga GAZ 21 in der Automobilfabrik in Nischni Nowgorod vom Band (Foto: Wolga, Baujahr 1966). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zil 111
ZIS 110 Von der repräsentativen Luxuslimousine ZIS 110 wurde zwischen 1946 bis 1958 insgesamt 2089 Modelle hergestellt. Er war gut sechs Meter lang und sein Motor leistete 140 PS. Der ZIS war ausschließlich höchsten Partei- und Staatsfunktionären vorbehalten. Im Bild: Josef Stalins ZIS 11 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Autos aus der UdSSR
Moskwitsch Die ersten Moskwitsch, die Ende der 1940er-Jahre gefertigt wurden, basierten auf einem Modell des Opel Kadett von 1938, dessen Fertigungsstrecke nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges demontiert und in die UdSSR verbracht worden war. Populär wurde der Moskwitsch Anfang der 1960er-Jahre (das Foto zeigt einen Moskwitsch 407, Baujahr 1962.) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Autos aus der UdSSR
Eine Besonderheit dieses Moskwitsch 408, Baujahr 1964, bestand darin, dass die Scheibenwischer direkt an die Nockenwelle angebracht waren und sich daher im Verhältnis zur Geschwindigkeit des Autos bewegten – je schneller der Wagen fuhr, umso wilder wedelten die Scheibenwischer. Bei längerer Fahrt bei Tempo 100 kam es aber schon mal vor, dass sich die Blätter lösten und wegflogen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Autos aus der UdSSR
In der DDR war der als alltagstauglich und robust geltende Moskwitsch, der etwas weniger als ein Wartburg kostete, vor allem auch als Behörden-, Fahrschul- und Dienstwagen im Einsatz. Nach zehn Jahren war ein Moskwitsch in der Regel aber durchgerostet, was den Wagen im Volksmund den Spottnamen „Rostkwitsch“ einbrachte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zil 111
Der ZIL 111 wurde von 1958 bis 1963 gefertigt. Das luxuriöse Oberklasse-Fahrzeug, das ebenfalls ausschließlich Partei- und Staatsfunktionären vorbehalten war, wurde von einem V8-Motor angetrieben, der stolze 200 PS entwickelte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Innenausstattung eines Pkw Zil 111
Der ZIL 111 verfügte über Servolenkung, Servobremsen und Klimaanlage. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Autos aus der UdSSR
Saporoshez SAS 965 In seinen letzten Lebensjahren befahl Stalin seinen Automobilingenieuren die Entwicklung eines simplen und billigen Fahrzeugs für die Kriegsversehrten des kommunistischen Riesenreichs. Aber erst unter seinem Nachfolger Chruschtschow lief 1960 im ukrainischen Saporoshe der Kleinwagen Saporoshez SAS 965 vom Band. Das mit einem 30 PS starken Viertaktmotor ausgestattete Fahrzeug sah dem italienischen FIAT 600 recht ähnlich, war tatsächlich simpel und mit 2.200 Rubel auch noch einigermaßen preiswert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Roter Zaporosch 965
In der DDR konnte man den traktorähnlich ratternden „Sapo“ ab Mitte der sechziger Jahre erwerben. Es gab ihn ohne Wartezeit und er war billiger als ein Trabant. Doch dafür musste das im Volksmund als „Kolchosentraktor“ verspottete Gefährt nicht selten bereits kurz nach der Auslieferung in die Werkstatt und seine Besitzer mussten sich den Spottvers anhören: "Wer früher einen Ochsen drosch, fährt heute einen Saporosh." Bildrechte: MDR/Weigert
Autos aus der UdSSR
Saporoshez SAS 966 1970 wurde ein rundum modernisierter Saporoshez vorgestellt – der Saporoshez 966. Er glich jetzt eher einem NSU, doch an der miserablen Qualität des Fahrzeugs hatte sich nichts geändert. So konnte man 1971 in einem Testbericht des DDR-Automagazins "Straßenverkehr" unter anderem über den SAS 966 lesen: "Der für einen Kleinwagen anfangs extrem große Wendekreis erwies sich bei näherer Prüfung als Nachlässigkeit in der Montage. Die Anschlagschrauben der Lenkhebel waren nicht entsprechend dem maximal möglichen Radeinschlag eingestellt"… Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein weißer Lada Kombi
Ab 1970 lief der Lada als Lizenzproduktion des FIAT 124 in Togliatti vom Band. Der robuste und gleichzeitig doch ziemlich schick gestaltete Lada galt als der "Mercedes des Ostens". Trotz einiger kosmetischer Kortrekturen fuhr der Lada fast unverändert bis in die achtziger Jahre. In der DDR kostete der Lada, auf den man bis zu 20 Jahren warten musste, etwas mehr als 23.000 Mark. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Ein weißer Lada Kombi
Ab 1970 lief der Lada als Lizenzproduktion des FIAT 124 in Togliatti vom Band. Der robuste und gleichzeitig doch ziemlich schick gestaltete Lada galt als der "Mercedes des Ostens". Trotz einiger kosmetischer Kortrekturen fuhr der Lada fast unverändert bis in die achtziger Jahre. In der DDR kostete der Lada, auf den man bis zu 20 Jahren warten musste, etwas mehr als 23.000 Mark. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein alter Wolga 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV:

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Heute im Osten.Dok | 25.03.2016 | 18:05 Uhr