Borkenkäfer Tschechien: Fichtenwälder ahoj!

Tschechien scheint den Kampf gegen den Borkenkäfer verloren zu haben. Fast die Hälfte aller Fichten ist befallen. In 15 Jahren wird es im Nachbarland kaum noch Fichtenwälder geben, so die Prognose von Experten.

Fichtenwald, Naturschutzgebiet Jeseniky
Schlechte Aussichten für den tschechischen Fichtenwald Bildrechte: imago/imagebroker

Wie in Deutschland fressen sich auch in Tschechien seit Monaten wieder Bataillone von Borkenkäfern durch die Fichtenwälder. Doch während hierzulande nur 28 Prozent der Waldfläche aus Fichten bestehen, sind es in Tschechien 50 Prozent. Knapp die Hälfte davon ist bereits abgestorben oder steht kurz davor. Eine Katastrophe, findet Tschechiens Umweltminister Richard Brabec. Seine Einschätzung der Lage fällt deshalb wenig optimistisch aus: "Wir kämpfen an allen Fronten, aber momentan verlieren wir erbärmlich", sagte er unlängst in den tschechischen Medien. Fachleute prophezeien, dass es in Tschechien in zehn bis 15 Jahren so gut wie keine Fichtenwälder mehr geben wird. Das befürchtet auch Umweltminister Brabec und sieht die Fichte auf dem Weg zu einem exotischen Baum.

Nordmähren ist am stärksten betroffen

Die größten Schäden hat der Borkenkäfer in der Region Nordmähren in der Ebene rund um Olomouc angerichtet. Stark betroffen ist aber auch der Bezirk Vysočina in Zentral-Tschechien, an der Grenze zu Österreich. In den Beskiden, im Altvatergebirge, im Böhmerwald und in der Böhmischen Schweiz sind die Fichtenbestände auf riesigen Flächen tot. Und der Borkenkäfer frisst sich weiter voran.

Auf den Kuppen der Krusne-Hory-Berge ist der Fichten-Wald grossflächig abgestorben. 1994
Vor allem in Nordmähren hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet. Bildrechte: imago/EST&OST

Holzpreise im Keller  

Für die Waldbesitzer ist der Lage prekär. Da der Borkenkäfer schon seit einigen Jahren auf dem Vormarsch ist, sind die Holzpreise in den Keller gegangen. Alleine innerhalb des letzten Jahres haben sie sich halbiert. Denn durch den Schädlingsbefall werden deutlich mehr Bäume gefällt als üblich, was zu einem Überangebot auf dem Markt führt. Und auch die schlechtere Holzqualität der befallenen Bäume macht sich am Preis bemerkbar.

Geschlagene Bäume liegen gestapelt und werden bis zur Weiterverarbeitung beregnet.
Holz von Borkenkäfer-Fichten bringt weniger Geld. Bildrechte: imago/Jochen Tack

2,5 Milliarden Kronen für private Waldbesitzer

Die tschechische Regierung hat inzwischen ein Hilfsprogramm für private Waldbesitzer aufgelegt. 2,5 Milliarden tschechische Kronen, umgerechnet knapp 97 Millionen Euro, stehen in diesem und nächsten Jahr für Ausgleichszahlungen zur Verfügung. Die Waldbesitzer sollen so in die Lage versetzt werden, ihre Wälder aufzuräumen, aufzuforsten und den Borkenkäfer zu bekämpfen. Das Landwirtschaftsministerium bezuschusst auch das Pflanzen von Laubbäumen, die der Borkenkäfer nicht befällt und die widerstandsfähiger gegen trockenes Klima sind. Bei Waldneuanpflanzungen und Aufforstungen ist in Tschechien überdies künftig ein Mindestanteil von Laubbäumen vorgeschrieben. Praktisch umsetzen lässt sich das zur Zeit allerdings nicht: Baumschulen können nicht genügend Setzlinge liefern.

(voq/baz)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL TV | 09. August 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2019, 05:00 Uhr

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