Ein Mann fühlt am Handgelenk seinen Puls
Bildrechte: imago/Steinach

Belastung fürs Herz Wann ein hoher Puls gefährlich werden kann

Ein hoher Puls hat meist harmlose Ursachen. Schlägt das Herz allerdings auch in Ruhesituationen permanent zu schnell, wird es enorm belastet. Wann es gefährlich wird und wie sich der Puls senken lässt, erklärt Experte Dr. Thomas Dietz.

Ein Mann fühlt am Handgelenk seinen Puls
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Hoher Puls gleich schwaches Herz?

In Stress- oder Angstsituationen ist es normal, wenn der Puls kurzzeitig rast, also nach oben geht. Wenn unser Herz allerdings auch in Ruhesituationen permanent zu schnell schlägt, kann dies gefährlich werden.

Schon ein Ruhepuls von mehr als 70 Schlägen pro Minute geht mit einem 60 Prozent höheren Risiko für einen vorzeitigen Tod einher, auch bei gesunden Menschen. Denn das zu häufige Schlagen ist auf Dauer anstrengend für den Herzmuskel und schwächt ihn. Je niedriger der Puls, desto besser, solange er nicht unter 50 sinkt.

Ein zu hoher Pulsschlag kann die Folge einer ungesunden Lebensführung sein, es kann aber auch eine ernst zu nehmende Herzerkrankung dahinter stecken.

Den Puls messen

Den Puls kann man entweder mit zwei Fingern an einer Seite des Halses, seitlich des Kehlkopfes, oder an der Innenseite des Handgelenks ertasten. Zur Pulsmessung eignen sich auch Pulsuhren oder Fitnessarmbänder.

Auf den Puls gefühlt

Der Puls variiert nach Alter, Belastung und Trainingszustand. Bei Spitzenathleten schlägt das Herz im Ruhezustand pro Minute nur etwa 40 Mal. Freizeitsportler haben einen Puls von 60 bis 70. Untrainierte kommen auf über 80. 

Ein gut trainiertes Herz kann in Ruhe langsamer schlagen, weil es sehr kräftig schlägt und pro Schlag sehr viel Blut transportiert. Ein schwaches Herz hat pro Schlag nur relativ wenig Auswurf und muss deshalb häufiger schlagen.

Spitzensportler können ihrem Herzen alles abverlangen und Pulsspitzen von über 200 erreichen, mäßig Trainierte 180. Ein schwaches Herz bringt es auf gerade einmal 160 Schläge. Je größer die Herzfrequenzvariabilität, die Spannbreite zwischen Ruhe- und Belastungspuls, desto besser.

Bei Gesunden kommt es während der Nacht zu einem Absinken des Pulses: Der Körper geht in einen Ruhemodus, braucht weniger Blut. Ein schwaches Herz aber kommt auch nachts nicht zur Ruhe und schlägt weiter 80 Mal pro Minute. 

Ursachen für einen hohen Ruhepuls

  • ungesunde Lebensweise, z.B. Rauchen, hoher Kaffee- und Alkoholkonsum, zu wenig Ausdauersport
  • zu hohes Gewicht
  • erblich bedingte Faktoren
  • psychischer Stress
  • Bluthochdruck
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • hormonelle Erkrankung
  • Nebenwirkung von Medikamenten
  • ernstzunehmende Herzerkrankung, z.B. Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern

Was kann man selbst tun, um seinen Ruhepuls zu senken?

Mit Sport, insbesondere Ausdauertraining, lässt sich der Ruhepuls gezielt senken oder durch Entspannungsübungen, beispielsweise Tai Chi, Yoga oder autogenes Training.

Anfallsartiges Pulsrasen – mögliche Ursache: Vorhofflimmern

Ist der Puls nicht permanent erhöht, sondern schießt kurzzeitig in die Höhe, ohne jegliche körperliche Anstrengung, sollte man dies unbedingt ärztlich abklären lassen. Denn hinter einem plötzlichen Herzrasen mit Frequenzen zwischen 130 und 150 Schlägen pro Minute kann eine gefährliche Herzrhythmusstörung wie Vorhofflimmern stecken.

Sprechstundenhilfe misst den Blutdruck einer Patientin.
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Dabei arbeiten die Vorhöfe, die die Herzkammern mit Blut füllen fehlerhaft. Dadurch gerät die Blutströmung so stark durcheinander, dass sich Blutgerinnsel bilden. Gelangen diese mit dem Blutfluss ins Gehirn, kann es zu einem Schlaganfall kommen. Vorhofflimmern nimmt mit dem Alter stark zu und betrifft rund 15 Prozent der Menschen über 80 Jahre.

Vorhofflimmern wird zunächst medikamentös mit sogenannten Antiarrhythmika behandelt, die den Puls senken, und zusätzlich mit Blutverdünnern, also gerinnungshemmenden Medikamenten. Hilft das nicht, kann zum Beispiel das operative Veröden der elektrischen Störquellen mittels Katheter-Ablation, also per Sonde, eine Therapieoption sein.

Dabei wird ein Kälte-Ballon über einen Katheter zum Herzen vorgeschoben – dorthin, wo die Störimpulse herkommen. Dann wird ein kaltes Gas in den Ballon geleitet, das das Gewebe, aus dem die Störimpulse kommen, zerstört. Vorhof und Kammer ziehen sich wieder in ihrem normalen Rhythmus zusammen.

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Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 18. April 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2019, 10:17 Uhr