Schriftlichen Abiturprüfung im Fach Deutsch
Panne oder Straftat bei Abitur in Sachsen-Anhalt? Die Prüfungen für das Fach Geschichte sind vorher in Chatgruppen bekannt geworden. (Symbolbild) Bildrechte: picture alliance / Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa | Jens Büttner

Im Fach Geschichte Bildungsministerin über geleakte Abi-Prüfungen: "Keine Panne – sondern Straftat"

09. Mai 2023, 16:59 Uhr

In Sachsen-Anhalt hat es kurz vor den Abiturprüfungen im Fach Geschichte eine Panne gegeben. Die Themen waren vorab bekannt geworden, indem sie in Chatgruppen geteilt wurden. Deswegen hatten die Prüfungen am Montag mit einer Verzögerung begonnen. Nun gibt es neue Details.

Nach dem Leak von Abiturprüfungen in Sachsen-Anhalt im Fach Geschichte gibt es neue Details. Wie Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) am Dienstag auf der Landespressekonferenz mitteilte, wurden die Themen vorab über Chatgruppen des Messengers WhatsApp verbreitet. Eine entsprechende Meldung sei am Sonntag beim Landesschulamt eingegangen. Die Aufgaben seien jedoch bereits am Samstag in den Gruppe geteilt worden.

"Keine Panne der Behörde"

Nachdem das Landesschulamt von dem Vorfall erfahren habe, sei ein Notfallplan in Kraft gesetzt worden. Alle Schulleitungen seien informiert worden, teilte das Bildungsministerium mit. Ministerin Feußner lobte am Dienstag die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Sollten im Zuge der Ermittlungen Lücken im Sicherheitssystem aufgedeckt werden, würden diese geschlossen. Feußner betonte aber: "Es war eine Straftat eines Einzelnen und keine Panne der Behörden."

Es war eine Straftat eines Einzelnen und keine Panne der Behörden.

Eva Feußner, CDU Bildungsministerin von Sachsen-Anhalt

Die Prüfungsaufgaben werden laut Feußner elektronisch und verschlüsselt als Dateien zur Verfügung gestellt. Sie können nur von autorisierten Personen von einem Server des Landes heruntergeladen werden. Anschließend würden sie auf einem separaten Drucker, zu dem nicht alle Lehrer Zugang hätten, ausgedruckt und in einem Tresor aufbewahrt.

Anzeige gegen Unbekannt

An die Öffentlichkeit geraten waren nach den Worten eines Ministeriumssprecher von Montag nicht die gesamten Aufgaben, sondern Überschriften. Das Bildungsministerium will den Vorfall nun zügig aufarbeiten. Man habe Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Magdeburg erstattet. "Wir versuchen alles rauszukriegen, was rauszukriegen ist", so der Sprecher am Montag. Man gehe aktuell nicht von einem Hackerangriff aus, wahrscheinlich liege "menschliches Versagen" vor.

Der Schriftzug «ABITUR Bitte Ruhe» hängt während der schriftlichen Abiturprüfung in Biologie im Treppenhaus im Leibniz-Gymnasium.
Am Montag sei ein Notfallplan wirksam geworden. Abiturienten mussten Reserveaufgaben lösen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Silas Stein

Prüfungen eine Stunde nach hinten verlegt

Für die Abi-Prüfungen am Montag waren in der Folge Reserveaufgaben bereitgestellt worden. Um den Schulen ausreichend Zeit zur Vorbereitung einzuräumen, hatten die Prüfungen eine Stunde später begonnen. Feußner betonte am Dienstag, dabei sei alles planmäßig verlaufen.

Die geleakten Abituraufgaben waren am 8. Mai eines der drei wichtigsten Themen in Sachsen-Anhalt.

dpa/MDR (Cornelia Winkler) | Erstmals veröffentlicht am 08.05.2023

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. Mai 2023 | 12:00 Uhr

22 Kommentare

Anita L. vor 49 Wochen

P.S.@Shantuma, allein dass Sie Geschichte derart verkürzt betrachten ("Geopolitik", "Internationale Politik"), zeigt mir doch, dass sie in ihrem weit umfassenderen Maße zu erkunden doch sehr wichtig ist. Geschichte ist erstens mehr als internationale Politik, zweitens steht internationale Politik logischerweise immer mit den Interessen der beteiligten Länder in Zusammenhang (wie sonst ist "inter-national" zu verstehen?), drittens ist die Art, wie ein Land internationale Politik betreibt, auch von seinem innenpolitischen Status abhängig (die römische Antike ist dafür ein gutes historisches Beispiel), viertens ist Demokratie, zumindest aber Rechtsstaatlichkeit Voraussetzung bzw. förderlich für das Erreichen unserer außenpolitischen Ziele.
Welche Souveränität anerkennen wir eigentlich gerade nicht? Ich kenne in Europa gerade nur ein Land, das mit der Souveränität seines Nachbarn offensichtlich Probleme hat, was sich tatsächlich auch in seiner internationalen Politik offenbart.

Anita L. vor 49 Wochen

@Shantuma, Rassismus/Ausländerfeindlichkeit gibt es überall, hier in diesen Kommentaren habe ich ihn nur an einer Stelle gelesen. Und nur diesen Foristen sprach ich darauf an.
Auch Herr Bahr muss, um auf seine Erkenntnis gekommen zu sein (die er garantiert nicht gern als pauschale Abverurteilung der Geschichte missbraucht sehen würde), zunächst überhaupt erst einmal Kenntnisse über Geschichte gehabt haben. Q.e.d.
Ansonsten bleibt mir nur zu Ihrem Beitrag festzustellen, dass da verflixt viel Meinung und halbgare Phrasen versteckt sind, mit denen man freilich jedes gesellschaftliche Interesse totschlagen kann. Wie sinnvoll das ist und wem das dann nutzen soll, das auszudiskutieren, führte an dieser Stelle wohl zu weit.

DER Beobachter vor 49 Wochen

Zum letzten Satz: Könnte ja sein dass unsere unqualifizierten Kräfte und die alternativen "Experten" mal ausnahmsweise, aber neidisch beunruhigt über den Tellerrand geblickt haben... Wegen der geleakten Fragen bin ich ganz dankbar, dass im beschaulich altmodischen Sachsen die Lehrer auch erst mit den Schülern die genauen Aufgaben erfahren und erst am Mittag vorher bereitzustellende Gerätschaften oder Lektüre... Wobei, irgendwann ist mal irgendwo ein Schultresotr geknackt worden oder hat der Druckereifahrer Mist gebaut, aber die Schüler haben wohl erst so knapp davon erfahren, dass es die Ersatzaufgaben gibt, dass die vermeintlichen Profiteure ganz schön dumm aus der Wäsche gesehen haben...

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