Schenkung Neue Schätze für Schachmuseum Löberitz: "Seltene Handarbeiten, Unikate, unfassbar!"

Das Löberitzer Schachmuseum ist um einige Schätze reicher: Ein Sammler hat dem Museum wertvolle Schachbretter überlassen. Was die neuen Exponate auszeichnet.

Schachmuseum Löberitz, Museumsleiter Konrad Reiß
Seltene Schachfiguren wie diese aus Asien sind im Löberitzer Schachmuseum zu bestaunen. Bildrechte: MDR/Martin Krause

  • Das Schachmuseum Löberitz in Anhalt-Bitterfeld zeigt auf mehreren Etagen rund 400 Schachspiele - und ist jetzt um einige Schätze reicher.
  • Ein Sammler aus Köthen musste sich aus Platzgründen von wertvollen Ausstellungsstücken aus aller Welt trennen.
  • Museumsleiter Konrad Reiß freut sichüber die neuen, sehr seltenen Exponate.

Konrad Reiß kann sein Glück kaum fassen. Der Museumsleiter aus Löberitz packt Schachtel um Schachtel aus - und strahlt über das ganze Gesicht. . "Das sind einzigartige Schachspiele", sagt er. "Seltene Handarbeiten, Unikate, unfassbar!"

Reiß hält eine Figur in der Hand, die aussieht wie ein Mönch. Es ist der König eines Spiels mit Bart, Mantel und asiatischer Kopfbedeckung, kunstvoll aus Elfenbein geschnitzt. Das Schachbrett stamme aus China, sagt der Museumsdirektor und stellt das filigrane Kunstwerk vorsichtig in eine Vitrine. "Die Figuren sind handgearbeitet, hierzulande unbezahlbar", weiß der Schachexperte und greift zum nächsten Karton.

Zu verdanken hat das Löberitzer Schachmuseum die neuen Kostbarkeiten einem Sammler aus Köthen. Aus Platzgründen musste er sich von den Stücken trennen - und nun haben sie im Schachmuseum eine neue Heimat gefunden.

Schachmuseum Löberitz, Museumsleiter Konrad Reiß
Konrad Reiß blickt auf eines der vielen neuen Exponate. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Die Leute sehen, dass wir hier ordentlich arbeiten.

Museumsleiter Konrad Reiß sieht die Schenkung auch als Wertschätzung für die Arbeit des Schachmuseums Löberitz

Anerkennung für Museums-Arbeit

Insgesamt freut sich das Museum in Zörbiger über zwei Dutzend neue Schachspiele aus aller Welt. Da ist ein Spiel mit Bronzefiguren aus Indien, neben schwarz-weiß karierten Schachbrettern aus Tirol, Osteuropa oder Afrika. Die Mischung ist bunt. Es gibt nichts, was es nicht gibt: nur grob geschliffene Figuren aus Speckstein. Ein kunstvoll gestaltetes Schach-Ensemble aus Porzellan. Und ein übergroßes Schachbrett, das auffällig matt glänzt.

"Es ist aus Büffelleder gestaltet und kommt aus Afrika", sagt Reiß und rückt die Figuren aus Schlangenleder zurecht. Dabei stutzt der Experte kurz. Ist es die Dame oder der König? Es sei gar nicht so leicht, das immer sofort zu erkennen, sagt Reiß. Zum Schachspielen seien die Figuren weniger geeignet. Es seien exklusive Bretter eher für das Auge, so der Museumsleiter

Dass die Exponate nicht im Schweizer Schachmuseum, eine weitere renommierte Anlaufstelle, sondern in Löberitz gelandet sind, empfindet Konrad Reiß als große Wertschätzung. "Die Leute sehen, dass wir hier ordentlich arbeiten", sagt der Museumsleiter stolz.

Schachmuseum Löberitz, Museumsleiter Konrad Reiß
Die Schachbretter werden im Schachmuseum Löberitz sorgfältig ausgestellt und gepflegt. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Älteste Bretter mehr als 300 Jahre alt

Die mehrstöckige Sammlung umfasst heute rund 400 Schachspiele. Ein faszinierender Streifzug durch die Geschichte des königlichen Spiels. Die ältesten Bretter sind über 300 Jahre alt – und immer auch ein Spiegel ihrer Zeit. Die Vielfalt ist grenzenlos. Mal stehen sich grimmig dreinschauende Soldaten auf dem gemusterten Feld gegenüber. Mal sind es golden glänzende Pharaonen mit ihrem Gefolge.

"Wir haben auch echte Kuriositäten aufgetrieben", freut sich Reis und deutet auf ein Schachspiel im Bauhaus-Stil. Auch eine 3-D-Variante ist ausgestellt. Und nebenan lacht verschmitzt Altkanzlerin Angela Merkel. "Sie gehört zu einem Politiker-Schachspiel, eine streng limitierte Auflage", erklärt Rentner Reiß. Auch dieses Brett ist Teil der Schenkung und nun in Löberitz zu bewundern.

Schachmuseum Löberitz, Museumsleiter Konrad Reiß
Die Sammlung des Löberitzer Schachmuseums umfasst mittlerweile etwa 400 Schachspiele, ausgestellt auf mehrere Etagen. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Löberitz, das Schachdorf

Der 1.000-Einwohner-Ort im Landkreis Anhalt-Bitterfeld kann auf eine lange Schachtradition zurückblicken. Die Schach-Gemeinschaft Löberitz wurde bereits 1871 gegründet, zählt damit zu den ältesten in Deutschland. Die Damen-Mannschaft spielt derzeit um den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga. Vieles dreht sich also im Zörbiger Ortsteil um das königliche Spiel.

Konrad Reiß war selbst viele Jahre Vorsitzender der Schachgemeinschaft. Vor mehr als 15 Jahren hat er dann das Museum gegründet und mit der Zeit eine beachtliche Sammlung aufgebaut. "Wir haben wohl die größte Schachbuchsammlung im Osten Deutschlands", erzählt der passionierte Spieler. 5.300 Bände stehen fein säuberlich sortiert in den Regalen.

Schachmuseum Löberitz, Museumsleiter Konrad Reiß
Die Schachbretter und Schachfiguren stammen aus aller Welt, diese hier aus Afrika. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Zusätzliche Aufmerksamkeit durch Schenkung

Zu bestaunen sind auch Schachbriefmarken, Stempel, Bilder und Grafiken. Unüberhörbar ticken auch zahlreiche Schach-Uhren in den Ausstellungsräumen, in allen Formen und Farben. Preiswerte Exemplare und Luxusvarianten.

Hauptattraktion bleiben aber die zahlreichen Schachbretter. Und die Schenkung sorgt offenbar zusätzlich für Aufmerksamkeit bei Liebhabern des königlichen Spiels. "Wir haben bereits etliche Anfragen von Schachinteressierten bekommen", berichtet Konrad Reiß.

Und eines ist sicher: Wenn die wertvollen Zugänge künftig also noch mehr Besucher aus dem In- und Ausland in das Löberitzer Schach-Museum locken, wird Konrad Reiß sein Glück erneut kaum fassen können.

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