Nach Brand 2019 Kein Geld vom Bund für Ströbecker Schachmuseum

15. Dezember 2022, 07:24 Uhr

2019 hatte das Schachmuseum von Ströbeck gebrannt. Seitdem macht sich das Dorf mit der 1.000-jährigen Schachtradition für einen Wiederaufbau stark. Eine Förderung des Bundes hätte die Sache beschleunigen können – doch die gibt es nicht.

Mann mit grauen haaren und roten Fleece-Pullover macht ein Selfie vor einem Fachwerkhaus mit MDR-Logo
Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Ströbeck bei Halberstadt wird zunächst keine Fördergelder des Bundes für den Wiederaufbau des Schachmuseums bekommen. Die Mitglieder des Haushaltsausschusses des Bundestages haben am Mittwoch über die Vergabe von 457 Millionen Euro entschieden. 148 Projekte wurden berücksichtigt – das das Ströbecker Museum war nicht darunter. Es war vor drei Jahren bei einem Brand zerstört worden und ist seitdem geschlossen. Nun sollen künftige Förderprogramme abgewartet werden.

Lange Schachtradition

In Ströbeck dreht sich schon sehr lange sehr viel um das königliche Spiel. Dort wird Schach sogar in der Schule unterrichtet. Und der zentrale Platz im Ort heißt nicht Markt oder Anger, sondern Platz am Schachspiel. Das alte Schachmuseum war der Ort, an dem diese Tradition bewahrt wurde. Rund 6.000 Exponate gehören zum Bestand, von der einzelnen Schachfigur bis zu seltenen Schachbüchern und uralten Vereinsfahnen.

Wie das Schachspiel nach Ströbeck kam

Gunzelin von Kuckenburg soll das Schachspiel ursprünglich nach Ströbeck gebracht haben. Acht Jahre lang, von 1009 bis 1017, wurde der frühere Markgraf von Meißen auf Geheiß des Königs vom Halberstädter Bischof Arnulf in Ströbeck gefangen gehalten. Und hier soll er im Jahr 1011 seinen Bewachern das Schachspiel beigebracht haben. Seitdem spielen es auch die Ströbecker, so die Legende. Erstmals schriftlich erwähnt wurde das Schachspiel in Ströbeck aber erst im Jahr 1515. 1689 werden erstmals öffentliche Schachspiel-Aufführungen mit lebenden Schachfiguren beschrieben.

Schachmuseum Ströbeck brannte 2019

Als das Museum am 14. November 2019 brannte, gab es einen Aufschrei im Ort. Die Sorge um die Zeugnisse der Tradition war groß. Doch die Feuerwehrleute konnten fast alle Ausstellungsstücke retten, ein wahrer Glücksfall. Nur etwa 30 Exponate nahmen Schaden.

Was dann folgte, war eine riesige Spendenwelle. Vereine, Firmenbelegschaften und einzelne Bürger spenden Geld für die Restaurierung, und auch die Versicherung zahlte. So konnte inzwischen bis auf ganz wenige Stücke alles restauriert werden.

Diskussion um Zukunft des Museums

Schon kurz nach dem Brand begann auch die Diskussion um die Zukunft des Museums. Im alten Gebäude war es sehr eng und verwinkelt. Ein Wiederaufbau dort kam nicht infrage. Gegenüber sollte das ehemalige "Gasthaus zum Schachspiel" zu einem Bürgerhaus umgebaut werden. Dafür waren bereits Fördermittel beantragt worden.

Es entstand die Idee, dort auch das Schachmuseum zu integrieren. Dann wurde ausgeschrieben, neu gerechnet und geplant, und es kam heraus, dass das Gesamtprojekt viel zu teuer für das anvisierte Förderprogramm wird. Selbst wenn der Bund die beantragten Fördermittel in Höhe von 3,5 Millionen Euro bewilligt hätte, hätte die Kommune noch einmal 875.000 Euro als Eigenanteil dazu packen müssen, was auch noch einmal eine Herausforderung gewesen wäre.

Mit ihrer Schachtradition haben es die Ströbecker sogar auf die Liste des immateriellen Kulturerbes von Deutschland geschafft. Dazu gehört auch das Museum. Ziel ist die Welterbeliste der UNESCO und dafür ist das Schachmuseum unabdingbar.

MDR (Carsten Reuß, Annekathrin Queck, André Plaul) | Zuerst veröffentlicht am 14.12.2022

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. Dezember 2022 | 06:30 Uhr

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