Menschen arbeiten an einem Tisch
Mit kreativen Ideen wollen Start-ups aus Sachsen-Anhalt das Leben leichter machen. Bildrechte: imago images/Westend61

Podcast "Digital leben" Neue Start-ups hat das Land

02. August 2022, 15:56 Uhr

Neue Ideen, neue Berufe, neue Arbeitsplätze und neues Arbeiten – Start-ups sind zwar klein, haben aber oft große Ideen und können sich erstaunlich entwickeln. Sachsen-Anhalt hat Start-up-Gründer ins Land geholt und an spannenden Ideen mangelt es hier auch nicht.

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Nur 0,9 Prozent der deutschen Start-ups haben ihren Sitz in Sachsen-Anhalt. Das geht aus einer Befragung des Deutschen Start-up-Verbandes (PDF) aus dem vergangenen Jahr hervor. Das sind zwar mehr als im Saarland (0,5 Prozent) – aber auch weniger als in Brandenburg (1,5 Prozent), Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern (je 1,6 Prozent) und Sachsen (2,7 Prozent).

Das Durchschnittsalter der deutschen Start-up-Gründerinnen und Gründer liegt bei 36 Jahren, drei Viertel sind zwischen 25 und 44 Jahre alt, knapp sieben Prozent sind jünger und mehr als 17 Prozent sind älter als 44 Jahre.

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Für Sachsen-Anhalt gibt es keine solche Erhebung. Aber MDR SACHSEN-ANHALT stellt einmal im Jahr die spannendsten Start-ups des Landes im Podcast "Digital leben" vor.

SenCircle aus Halle: Leben von Seniorinnen und Senioren verbessern

Daniel Krüger ist einer von drei Gründern, die im vergangenen Dezember SenCirle in Halle gegründet haben. Ihr Produkt heißt SenAssist und ist ein Tablet mit spezieller Software-Oberfläche, sodass es auch Seniorinnen und Senioren leicht bedienen können sollen. Das Besondere: Das Gerät erfragt beim ersten Start, wie viel Digital-Erfahrung die Nutzerinnen und Nutzer haben und stellt so entsprechend die Steuerung ein. So kann das Tablet zum Beispiel auch per Sprache gesteuert werden. In Leipzig testen gerade 250 Seniorinnen und Senioren das Tablet von SenCirle.

Im kommenden Jahr will SenCircle 3.500 Menschen mit einem Tablet ausstatten. Vertragspartner von SenCircle sind zum Beispiel Wohnungsgesellschaften, die betreutes Wohnen anbieten. So können sich die Seniorinnen und Senioren auch vernetzen, sagt Daniel Krüger: "Es nützt nichts, wenn eine Person in einem riesengroßen Gebäude wohnt und stundenlang vor dem Fernsehen sitzt. Wir wollen sagen, geht raus, vernetzt euch." Denn das Tablet merkt sich die Interessen und könne so die Menschen mit gleichen Interessen zusammenbringen und der Vereinsamung vorbeugen. Auch eine externe Kommunikation und Online-Bestellungen sind möglich.

Wie SenCirle mit SenAssist Geld verdienen will und warum das Geschäftsmodell auch in zwanzig Jahren noch funktioniert, erzählt Daniel Krüger im Podcast "Digital leben" von MDR SACHSEN-ANHALT.

Wingfield aus Magdeburg: Tennisplätze smart machen

Der Tennisplatz, der mitdenken soll – den hat Wingfield für Vereine entwickelt. Auf dem Tennisplatz wird dafür ein Netzpfosten ersetzt. An seiner Stelle wird das Gerät von Wingfield eingerichtet. Tennisspieler sehen so auf ihrer Smartphone-App ihre Punkte, Geschwindigkeit und Flugkurve ihres Balls.

Möglich machen sollen das zwei Kameras und eine Prozessoreinheit in dem Gerät. Maik Burlage von Wingfield sagt: "Am Posten ist ein Touchscreen, dort checken sich die Tennisspieler ein und bekommen am Ende des Spiels die gleichen Daten, die bislang nur Tennisprofis in dieser Art bekommen haben." Und so können Amateur-Tennisspieler sehen, wie sie sich verbessern – genauso wie Läufer oder Gewichtheber, die ihren Fortschritt einfacher sehen können.

Für die Spieler sind die Nutzung des Geräts und die Basis-Version der App kostenlos. Kunden von Wingfield sind Tennisplätze und Tennisvereine. In Deutschland hat Wingfield bereits mehr als 300 Geräte verkauft – Vereine können die Geräte selbst aufstellen. Sie kosten knapp 6.300 Euro.

Auf welche Sportart Maik Burlage mit Wingfield noch schauen will und ob er glaubt, dass er mit Wingfield die Welt verbessert, erzählt Maik Burlage im Podcast "Digital leben" von MDR SACHSEN-ANHALT.

Autonomy on Board aus Halle: livil will das Arbeiten im Auto sicherer machen

Für bahnfahrende Geschäftsreisende ist es Alltag: Telefonate führen, Präsentationen vorbereiten, E-Mails beantworten, Termine koordinieren. Wer im Auto zu Geschäftsterminen unterwegs ist, muss sich vor allem auf den Verkehr konzentrieren. "Es gibt einen erschreckend hohen Anteil von Leuten, die während der Autofahrt E-Mails lesen oder auch schreiben. Und da wollen wir mit unserer sprachgesteuerten Software entgegenwirken", sagt Nils Frers von "Autonomy on Board".

Produktiv sein – auch während der Autofahrt. Frers und sein Mitgründer haben 2020 begonnen, ihre Kunden sind Automobilhersteller oder Unternehmen mit einer Fahrzeugflotte. Ihre Software ist laut Frers mit allen gängigen Sprachassistenten und allen Lösungen der Automobilhersteller selbst kompatibel.

Frers hat die letzten Jahre in England gelebt und dort für Automobilhersteller gearbeitet. Jetzt ist sein Start-up nach Halle gezogen. Seine Software ermöglicht es beim Autofahren per Sprachsteuerung E-Mails oder Nachrichten zu schreiben, den Kalender zu koordinieren oder Kundeninformationen abzurufen. "livil" nennt Frers sein Produkt. Die Sicherheit soll dabei im Vordergrund stehen, sagt Frers: "Die App nutzt bestimmte Schnittstellen, um festzustellen wie schnell ist das Auto oder ob es eine Gefahrensituation gibt. So berechnen wir, wie und oder ob das Arbeiten erlaubt sein soll." So können Autofahrer während der Autobahnfahrt nicht die gleichen Tätigkeiten machen wie beim Parken oder Tanken.

SecureAir aus Magdeburg: Virentötende Maske

Eine Corona-Maske, bei der das Atmen leicht fällt. Die wollten Mario Spiewack und seine drei Mitgründer von SecureAire entwickeln. Mit Unterstützung der experimentellen Fabrik und der Uni Magdeburg haben sie das getan und die Lösung bereits auf der diesjährigen Hannover Messe gezeigt.

In der Maske, die eher einer futuristischen Mischung aus Kopfhörern und Schlauch gleicht, kommen UVC-LEDs zum Einsatz. "Die tötet jegliche Viren und schützt damit den Träger der Maske vollständig", versichert Spiewack. Und weil auch die ausgeatmete Luft über solche LEDs fließt, soll auch der Gegenüber des Maskenträgers geschützt sein. Und weil die gereinigte Luft mit leichtem Überdruck in die Mund-Nase-Schale gepustet werde, spüre die Trägerin keinen Atemwiderstand.

Spiewack sagt, SecureAir sei erstmalig gelungen, die UVC-Lichttechnik in ein tragbares und akkubetriebenes Gerät einzubauen. Weil UVC-Licht für das Auge schädlich ist, seien auch besondere Sicherheitsvorkehrungen eingebaut worden. Fünf verschiedenen Filterstufen hat die Maske – sie mache auch Feinstaub, Pollen, Allergene und Bakterien unschädlich. Fünfzehn Liter Frischluft könne sie pro Minute reinigen. "Hightech Gesundheitsschutz" nennt das Spiewack und kalkuliert, dass ein Gerät etwa 500 Euro kostet.

Eine ähnlich funktionierendes System mit UVC-Licht hat Carsten Hermann in Raguhn als Luftfilter für ganze Räume entwickelt.

Derzeit würde die Maske im 3D-Druck in Leipzig gefertigt. Die Serienreife stehe kurz bevor. 350.000 Euro wurden bislang investiert. Die Gründer überlegen gerade, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten.

Das Team von SecureAir älter als andere Start-up-Gründer. Ob Mario Spiewack das als Vor- oder Nachteil sieht, sagt er im Podcast "Digital leben" von MDR SACHSEN-ANHALT.

recable.it aus Merseburg: recyclebare USB-Ladekabel

Hermann Hetzer aus Merseburg ist 39 Jahre alt und hat 2009 vireo gegründet – ein Online-Shop, der sich auf nachhaltige Elektronik spezialisiert hat. Das Unternehmen macht mittlerweile zwei Millionen Euro Umsatz, beschäftigt 20 Menschen in vier Bundesländern, hat 1.200 Quadratmeter Lagerfläche in Merseburg und verschickt pro Tag bis zu 150 Bestellungen.

Das hat erstaunlicherweise alles gut funktioniert.

Start-Up-Gründer Herrmann Hetzer aus Merseburg

Die Idee, nachhaltige Produkte online zu verkaufen, kam Hetzer nach dem Studium bei einer Fahrradreise durch Frankreich: "Ich wollte die Reise so nachhaltig wie möglich machen und hatte ein solarbetriebenes Ladegerät, ein Kurbelradio und eine Taschenlampe, die man durch Schütteln antreibt, dabei. Das hat erstaunlicherweise alles gut funktioniert." Das sei so interessant gewesen, dass er mit einem Freund darüber nachgedacht habe, was kann grüne oder nachhaltig Elektronik sein könne.

Deshalb begeistert sich Hetzer auch nicht nur für das Versenden nachhaltiger Produkte: "Mich treibt an, nachhaltigere Lösungen für bestehende Produkte zu finden. Das ist auch immer eine sehr gute Investition. Und es ist eine politische Entscheidung, wie ich mein Geld ausgebe." Deshalb hat er recable.it entwickelt: Ein selbstgefertigtes USB-Ladekabel, bei dem kein PVC, keine Schwermetalle und Weichmacher oder Rohstoffe aus Konfliktregionen verwendet werden. 90 Prozent der Komponenten könnten recycelt werden.

Was recable.it noch besonders macht: geht ein Stecker kaputt oder bricht ein Kabel, können die Besitzer all das reparieren, weil die Stecker nicht mit dem Kabel vergossen sind. Reparaturanleitungen und Ersatzteile hat Hetzer auch auf die Seite gestellt.

Im Juni hat recable.it sogar einen internationalen Preis gewonnen: den Green Product Award. Aktuell hat Hetzer ein nachhaltiges Ladegerät bauen lassen, sein nächstes Ziel: eine nachhaltige Powerbank.

MDR (Marcel Roth)

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2 Kommentare

Shantuma am 02.08.2022

Idee 1 ist naja, wenn Senior das möchte ... gerne.

Idee 2 ist ... hm ... sollen sich die Leute überwachen lassen. Aber wehe auch nur einer meckert dann herum, wenn solche Daten für andere Zwecke "missbraucht" werden.

Idee 3 ist schlecht .... entweder ich fahre Auto oder ich arbeite. Wer beides gleichzeitig versucht macht weder das eine noch das andere richtig.
Oder noch besser ... Bahn fahren!

Idee 4 ... tragt sie einfach ... macht es ... die Pharma-Lobby freut sich. Denn die geht schon nach dem Prinzip, dass Menschen nur soviel wert sind, wie man mit ihnen auch verdienen kann.

Idee 5 finde ich sogar gut.
Okay nachhaltige Powerbank ... achja digitale Überwachungsgesellschaft, dass muss man ja toll finden, ist halt hipp und modern.
Vor so etwas wurde schon vor fast 80 Jahren gewarnt, als die damalige Generation noch nicht einmal wusste was digital ist.

Und ja, ich verdiene mein Geld mit der Digitalisierungssucht der Menschen.

pwsksk am 02.08.2022

Ich finde ihren Kommentar gut. Als Ing. in Rente erkenne ich sehr gut, warum und wo es den (selbstgemachten) Fachkräftemangel gibt.

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