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Eine schnelle Sanierung aller Straßen ist nicht in Sicht, so die Landesstraßenbaubehörde. Mehr dazu im Audio. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack
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Laut Landesstraßenbaubehörde sind 60 Prozent der Landesstraßen in einem schlechten, oder sogar sehr schlechten Zustand.

MDR SACHSEN-ANHALT Fr 21.06.2024 09:16Uhr 00:37 min

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Besserung in Sicht? Sanierungsstau: Mehr als jede zweite Landesstraße marode

21. Juni 2024, 10:12 Uhr

Etliche Landesstraßen in Sachsen-Anhalt sind dringend sanierungsbedürftig. Ingesamt 60 Prozent der 3.900 Kilometer Landesstraßen befinden sich in einem schlechten oder sogar sehr schlechtem Zustand. Eine schnelle und flächendeckende Verbesserung sei nicht in Sicht.

In Sachsen-Anhalt ist ein großer Anteil der Landesstraßen sanierungsbedürftig. Der Landesstraßenbaubehörde zufolge befinden sich 1.642 Kilometer und damit fast die Hälfte des gesamten Landesstraßennetzes (44,8 Prozent) in einem sehr schlechten Zustand. Weitere 557 Kilometer des Netzes (15,2 Prozent) seien derzeit in einem schlechten Zustand.

Das Landesstraßennetz umfasst insgesamt knapp 3.900 Kilometer. Die Werte stammen aus einer Auswertung der zuletzt durchgeführten Zustandserfassung und –bewertung (ZEB) aus dem Jahr 2022.

Zuständige Behörde ist selbst unzufrieden

Die Landesstraßenbaubehörde bestätigte MDR SACHSEN-ANHALT, selbst mit den Werten unzufrieden zu sein. Behördenpräsident Stefan Hörold sagte: "Für uns als Landesstraßenbaubehörde ist natürlich 60 Prozent in einem nicht ausreichenden Zustand keine positive Zahl. Sodass wir natürlich für unseren Erhaltungsaufwand hier auch einen Bedarf weiterhin sehen, der uns kontinuierlich in die Lage versetzt, entsprechend das Straßennetz zu erneuern und damit in seinem Zustand zu verbessern." Eine schnelle Sanierung aller Straßen sei jedoch nicht in Sicht.

Straße wird asphaltiert
Ein Straßennetz ganz ohne Schäden wird es laut Behörde nie geben, allein schon wegen des normalen Alterungsprozesses. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Shotshop

Die Landesstraßenbaubehörde möchte die Straßen nach eigenen Angaben zunächst schrittweise sanieren. Dafür seien fünf bis fünfzehn Jahre vorgesehen, so Hörold: "Der Anspruch sollte dann auch sein, diese Zahl deutlich unter die 50 bzw. 40 Prozentmarke zu drücken. Es wird nie so sein, dass es keine schlechten Straßenabschnitte gibt. Der normale Alterungsprozess ist hier auch maßgeblich, aber natürlich eine deutliche Reduzierung muss das Ziel sein."

Geld für nötige Sanierungen fehlt

Für die Erhaltung der Straßen stünden der Landesstraßenbaubehörde 40 bis 50 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Das reiche aber nicht aus, um alle Straßen zu sanieren. Nach eigenen Angaben benötigt die Behörde insgesamt 70 Millionen Euro pro Jahr.

MDR (Tim Magas, Kalina Bunk)

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Juni 2024 | 08:00 Uhr

8 Kommentare

W.Merseburger vor 4 Wochen

Der Zustand der Strassen ist doch nicht deswegen schlecht, weil einfach der Ausbau vernachlässigt wurde, sondern weil das Material (Asphalt, Beton) die Belastung durch den Gütertransport nicht aushält. Die deutschen Autobahnen und Bundesstrassen sind die Lager unserer Industrie und der Lebensmittel Lieferketten. Just in time hat seinen Preis. Diese grosse Effektivitätssteigerung durch eben dieses System ist an seine Grenzen gelangt. Die Verlagerung der "Industrieparks" vom Schienanschluss an die Autobahnnähe mit LKW Anschluss ist kurzfristig oder überhaupt nicht rückgängig zu machen.

steka vor 4 Wochen

Da helfen wieder Autos, die auch schlechte Straßen vertragen. trabbis und Wartburgs haben sowas ausgehalten. Ansonsten 60 kmh oder langsamer statt mit 120 über Landstraßen oder mit 250 über die Autobahnen zu rasen.

Kaiser_Otto vor 4 Wochen

Dazu passt doch die Meldung des MDR am 30.05.2024 (https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/landespolitik/lkw-verkehr-tonnen-strassen-bruecken-transport100.html):
"Das Pilotprojekt war im Dezember im Landtag beschlossen worden. Auf ausgewählten Strecken in Sachsen-Anhalt sollen demnach statt 40 künftig 44 Tonnen schwere Lkw in Sachsen-Anhalt unterwegs sein dürfen."
Gott oder wem auch immer sei Dank, dass der Bund die Zulassung von 44-Tonnen-LKW vorerst verhindert, dass das Bundesverkehrsministerium eine Ausnahmegenehmigung vorerst verweigert.
Aber falls die 44-Tonner doch irgendwann im Interesse von Speditionen, Transport- und Logistikunternehmen zugelassen werden, werden auch die zur Zeit noch intakten 40% der Landesstraßen kaputtgefahren. DAS schaffen wir!

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