"Zentrum für Politische Schönheit" Künstlergruppe hat schon vor Landtagswahl AfD-Flyer entwendet

Die Anti-AfD-Aktion des "Zentrums für Politische Schönheit" hat schon vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt begonnen. Die Künstlergruppe hatte vor der Bundestagswahl fünf Millionen AfD-Flyer nicht verteilt. In Sachsen-Anhalt waren es laut Partei bis zu 2.000.

Das Logo der AfD auf einem Flyer
Bereits vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind AfD-Flyer verschwunden. Bildrechte: dpa

Die Künstlergruppe "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS) hat ihre Anti-AfD-Aktion zur Bundestagswahl, bei der nach eigenen Angaben fünf Millionen Flyer nicht ausgeliefert wurden, bereits früher begonnen, als bisher bekannt. Wie der AfD-Landtagsabgeordnete und Rechtsaußen Hans-Thomas Tillschneider MDR SACHSEN-ANHALT bestätigte, wurden bereits beim Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt Flyer entwendet. Zuvor hatten die Aktivisten selbst in einem Video von der Aktion berichtet.

Demnach hat man sich als freiwillige Wahlkampfhelfer aus Bitterfeld angeboten und sei am Ende sogar zu einer Grillparty eingeladen worden. AfD-Politiker Tillschneider erklärte, die vermeintlichen Wahlkampfhelfer seien bei einer Verteilaktion in Querfurt mit 1.000 bis 2.000 Flyern verschwunden und anschließend nicht mehr erreichbar gewesen. Einen Schaden für den Wahlkampf schloss Tillschneider aus. Es habe sich um einen Sachwert von 20 bis 30 Euro gehandelt.

Aktion zur Bundestagswahl sorgte für Schlagzeilen

Das "Zentrum für politische Schönheit" ist nach eigenen Angaben verantwortlich für eine Aktion, mit der die AfD im Bundestags-Wahlkampf hinters Licht geführt worden war. Das Künstlerkollektiv habe einen "Flyerservice Hahn" gegründet und der AfD angeboten, als Dienstleister Werbematerial für sie zu verteilen, erklärte eine Sprecherin der Gruppe in einem Video und wirft der Partei vor, zu leichtfertig mit der Vergabe von Aufträgen umgegangen zu sein. "Ohne Auftragsbestätigung oder rechtsgültigen Vertrag kamen Woche für Woche ganze Lkw-Ladungen der AfD an", erklärte das Künstlerkollektiv. Die AfD habe wegen der günstigen Bedingungen eine "windige Firma ohne Handelsregistereintrag" ausgewählt.

Anstatt das Material zu verteilen, habe das ZPS die fünf Millionen Flyer von verschiedenen Kreisverbänden der Partei gesammelt, um sie später zu entsorgen. Die Partei selbst sprach von rund einer Million Flyer. Der genaue Umfang des entstandenen Schadens sei noch nicht bekannt. Die AfD kündigte an, zeitnah eine Strafanzeige stellen zu wollen.

Was ist das "Zentrum für Politische Schönheit"?

Das "Zentrum für Politische Schönheit" ist ein Zusammenschluss von rund 70 Aktionskünstlern. Immer wieder sorgt das ZPS für Schlagzeilen. 2017 sorgte der Nachbau des Holocaust-Mahnmals vor dem Haus des thüringischen AfD-Chefs Höcke für Aufsehen. Die Künstlerinnen und Künstler wollen Aktionen und Menschenrechte miteinander verbinden.

AfD-Rechtsaußen Tillschneider, bei dem es Hinweise gibt, dass der Verfassungschutz ihn im Blick haben könnte, kritisierte die Aktion aufs Schärfste: "Das ist die Vorstufe eines Bürgerkriegs." Das sei Sabotage und habe mit Demokratie nichts zu tun. Die Gerichte müssten nun einschreiten.

Sachsen-Anhalt-AfD hat im Bundestagswahlkampf auf Dienstleister verzichtet

Im Bundestagswahlkampf habe der Landesvorstand in Sachsen-Anhalt aus Kostengründen bewusst auf externe Dienstleister für eine landesweite Flyer-Aktion verzichtet, so Tillschneider. Er habe stattdessen auf einzelne Firmen und Ehrenamtliche gesetzt, die er persönlich kenne. Er könne aber nicht ausschließen, dass Kreis- oder Ortsverbände auf das Angebot der fiktiven Firma eingegangen sind. Für sich selbst und seinen Kreisverband schließt Tillschneider das aber aus. Dem "Zentrum für politische Schönheit" zufolge sollen bundesweit 85 AfD-Parteiverbände auf das unseriöse Angebot eingegangen sein.

Quelle: MDR/Karsten Kiesant, Simon Kremer, Dennis Blatt, Mario Köhne

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. September 2021 | 15:00 Uhr

37 Kommentare

Gernot vor 8 Wochen

#Uwezi Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! Ich habe ,betreff AFD , von zwei Varianten gesprochen: Eine wäre die Prüfung auf Verbot unter Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit!!!! Sollte das nicht umsetzbar sein, haben wir alle zumindest den Bestand der Partei zu akzeptieren!
Und dann sprach ich davon, nicht den gleichen Fehler in Sachen Umgang mit der AFD zu machen, wie es mit der PDS praktiziert wird.Dieser Partei wird seit 31 Jahren vorgeworfen, nicht demokratisch ausgerichtet zu sein. Eine Abklärung dieser Vorwürfe fand nämlich nie wirklich statt. Also. Immer schön geschmeidig!

Mikro vor 8 Wochen

Karl Schmidt Mirko heißt Mikro das nur nebenbei.Ich habe gar nicht geschrieben,das ich keine Wahlwerbung der demokratischen AfD bekommen habe.Und diese selbstverständlich auch gewählt habe.Für Sie noch mal erklärt.....nicht geklappt heißt das ich nicht nur ausschließlich Werbung der Blauen bekommen habe,sondern zusätzlich von den anderen unwählbaren Parteien.Und das wollte ich nicht.Schon mal darüber nachgedacht?

Uwezi vor 8 Wochen

Sie machen sich einfach nur lächerlich mit Ihrem Kommentar. Linke "seit 31 Jahren undemokratisch, verfassungsfeindlich", AfD einfach mal verbieten. Ihre Meinung ist in hohem Maß undemokratisch, weil Sie diktatorische Verbote fo
rdern, nur weil etwas mit Ihrer persönlichen Meinung nicht übereinstimmt. Und was verfassungsfeindlich ist entscheiden zum Glück nicht Privatpersonen wie Sie, sondern Gerichte nach Zuarbeit von Ermittlungsorganen. Da dies bisher nicht geschehen ist sollten Sie sich mit derartigen Äußerungen zurückhalten.

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