Ein Trabant steht auf einem Podest, bereit hinab zu fahren.
Trabant "Murmel" und das Team um Michael Kahlfuß mussten bei der Rallye in Kenia einige Strapazen meistern. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

Tagebuch East African Safari Rallye: Ein Sachsen-Anhalter mit seinem Trabant in Kenia

Von Annette Schneider-Solis, MDR SACHSEN-ANHALT

20. Dezember 2023, 09:56 Uhr

Es war eine Belastungsprobe für Team und Fahrzeug: Neun Tage lang ist Michael Kahlfuß aus Sachsen-Anhalt mit seinem umgebauten Trabant über die staubigen Straßen Kenias gebrettert. Bei kleineren und mittelgroßen Schäden wurde direkt selbst Hand angelegt und an dem Wagen geschraubt, das Ziel der East African Safari Rallye fest vor Augen. Ein Tagebuch.

Montag, 18.12.23, Tsavo nach Mombasa – wer rasiert, der verliert

"Diese Rallye stellt alles in den Schatten, was ich bisher erlebt habe", gesteht Michael Kahlfuß. Glücklich rollt er über die Rampe in Mombasa. Es gibt viel Applaus für das Team mit dem Trabi aus Zwickau. Doch auch diese letzte Etappe stellte noch einmal große Herausforderungen auch an das Serviceteam.

"Wir hatten teilweise Probleme, die Servicepunkte rechtzeitig zu erreichen, weil wir ebenfalls so anspruchsvolle Strecken fahren mussten", verrät Daniel Arendt. Die Handgriffe dann sind eingespielt: Tassilo Weiß und Daniel Steinhoff bocken das Fahrzeug auf, Räder abbauen, Bremsen reinigen, reparieren, wo etwas repariert werden muss.

Alles lief gut – bis zur letzten Prüfung. Da meldete sich der Motor. Doch auch dieses Problem konnte auf der Straße behoben werden. Der Trabant ist einfach konstruiert, und das ist bei solchen Unternehmungen ein Vorteil. Da noch jede Menge Autos vor der Prüfung warteten, empfahl der Veranstalter, die letzte Prüfung auszulassen und gleich nach Mombasa zu fahren. Dort stieg dann die Party. Die Mannschaft aus Mitteldeutschland errang den 39. Gesamtplatz, den 3. in seiner Klasse unter 1000 Kubikzentimeter und einen Sonderpreis – für besondere Leistungen, praktisch der Sieger der Herzen.

Ralley Kenia
Das Team belegte den dritten Platz in seiner Klasse und den Sonderpreis für besondere Leistung. Bildrechte: MDR/Anette Schneider-Solis

Das ist die East African Safari Rallye

Die East African Safari Rallye führt durch die afrikanischen Länder Kenia und Tansania und gilt als große Herausforderung im Motorsport. Die einzelnen Etappen sind teilweise mehr als 150 Kilometer lang und dürfen von den Teams nur mithilfe eines Roadbooks absolviert werden.

Sonntag, 17.12.23, Amboseli Nationalpark – noch einmal härter

Die heutige Etappe führte rund um den Amboseli Nationalpark. Drei Einzelprüfungen warteten auf Michael Kahlfuß, Ronald Bauer, Trabi Murmel und das Technikteam. Tiefe Schlammpisten, steinige Abschnitte und steile Anstiege brachten den Trabi an die Grenze der Leistungsfähigkeit. Der Veranstalter musste eine Prüfung um 20 Kilometer verkürzen. Die Etappe war laut Michael Kahlfuß noch schwerer als die gestern.

Am Abend mussten die Mechaniker kiloweise roten krustigen Schlamm aus allen Ritzen klopfen. "Das Auto ist gleich einen Zentner leichter", kommentiert das Swen Liness, indem er brockenweise roten Schlamm unter dem Auto abklopft. Wichtig ist: der Trabi ist ohne größere Probleme ins Ziel der letzten Tagesetappe gekommen. Daniel Arendt bestätigt, dass die Stoßdämpferprobleme behoben sind. Bevor der Trabi in den Servicepark gerollt ist, wurde er nochmal richtig abgekärchert. Swen Liness hat das mit Argwohn zur Kenntnis genommen - "wer rasiert, der verliert", unkt er.

Sonnabend, 16.12.23: Siebter Rallye-Tag im Ambosoli Nationalpark

In der Nacht hatte es nochmal richtig geregnet. Ein echter Tropenregen prasselte auf Kenia hinab, und dementsprechend ließ das einiges erwarten, was die Straßenverhältnisse angeht. Tatsächlich sollte das für das Team um Piloten Michael Kahlfuß die schwierigste Etappe werden: Schlammlöcher, in denen sich ein Auto nach dem anderen festfuhr, Flussdurchfahrten, bei denen das Wasser auch in den Innenraum der Fahrzeuge gelangte, Fahrzeuge, die sich auf der Strecke überschlugen.

Auch bei Trabant "Murmel" drang bei einer Flussdurchfahrt Wasser in den Innenraum, sodass er bei der nächsten Gelegenheit schräggestellt werden musste, damit es ablaufen konnte. Auch der Trabi mit der Startnummer 58 blieb im Schlamm stecken – das zweite Mal kurz vorm Ende der dritten Prüfung. Bis dahin hatten Michael Kahlfuß und Ronald Bauer gut in der Zeit gelegen. Doch bis sie aus dem Schlamm gezogen waren, vergingen wertvolle 30 Minuten. Trotzdem konnte das Team aus Sachsen-Anhalt und Sachsen Platz 39 halten. Noch zwei Tage, dann wartet das Ziel in Mombasa.

Freitag, 15.12.23: Sechster Rallye-Tag von Nairobi zum Ambosoli Nationalpark

Um 6 Uhr setzte sich der Tross nach dem Pausentag von Nairobi aus in Bewegung. Es ging raus aus der Stadt, bevor die Rushhour begann. Die erste Prüfung: aufgeweichte Straßen, eine anspruchsvolle Strecke. Die große Herausforderung wartete bei Prüfung 2: Ein Fluss, den die Autos normalerweise mit seinen 30 Zentimetern Tiefe locker durchqueren können, war zu einem reißenden Strom geworden. Es bestand die Gefahr, dass die Rallye-Fahrzeuge mitgerissen werden.

Prüfung 2 wurde deshalb kurzerhand abgesagt. Die dritte Prüfung des Tages fand dann wieder statt – eine Herausforderung. Viele Schaulustige hatten sich um die zwei Matschpfützen versammelt. In der ersten fuhr sich auch der Trabi von Michael Kahlfuß und Ronald Bauer fest und musste von einem der bereitstehenden Fahrzeuge herausgezogen werden. Auch die zweite Matschpfütze schluckte etliche Autos – hier war der Trabant mit seinem leichten Gewicht im Vorteil.

Am Ende durfte sich das Team aus Sachsen-Anhalt über Platz 39 in der Gesamtwertung freuen. "Eine 3 vorn, das sieht toll aus", freute sich Michael Kahlfuß, während sein Service-Team das Auto wieder auseinandernahm.

Donnerstag, 14.12.23, Nairobi: Wellnesskur für den Trabi

Rest Day bei der East African Safari Classic Rally – aber eine Pause war das für das Team nicht wirklich. Insbesondere die Mechaniker sowie Copilot und Pilot hatten alle Hände voll zu tun. Ein sechsstündiges Zeitfenster stand zur Verfügung, um das Fahrzeug wieder richtig in Schuss zu bringen. Während der Fahrt querfeldein durch Kenia mit anspruchsvollen Steigungen und huckeligen Pisten hatten sie immer nur sehr begrenzt Zeit, um die Rallye-Autos wieder fit zu machen.

Jetzt konnten auch aufwändigere Arbeiten verrichtet werden. So wurde der Radkasten nochmal richtig verschweißt. Der hatte unter den unwegsamen Strecken am meisten gelitten. Dafür mussten Tank und Motor ausgebaut werden. Auch da wurde noch einmal nachgezogen. Stoßdämpfer, Bremsen – alles kam auf den Prüfstand.

Daniel Ahrendt verrät einen Trick: Der Trabi mit seinen knapp 50 PS hat an den steilen Anstiegen ordentlich zu tun. Da die Strecke auch durchs Hochland führt, wird es noch schwerer, denn die Luft wird dünner. Dadurch ist das Kraftstoff-Luft-Gemisch nicht mehr optimal. Bei Murmel sind Messfühler eingebaut, die das genau überwachen. Wenn das Gemisch nicht mehr optimal ist, wird einfach eine andere Düse in den Vergaser eingebaut. Da ist der Trabi den anderen Autos gegenüber im Vorteil, weil er nur einen Vergaser hat, an den man auch gut herankommt. Die Nadel kann Copilot Ronald Bauer auch unterwegs mit wenigen Handgriffen wechseln. So kann der Trabi die Anstiege besser meistern, wo andere Autos Probleme haben.

Mittwoch, 13.12.23, von Lake Naivasha nach Nairobi

Die Nacht war kurz – vor allem für Mechaniker und Fahrer. Sie waren erst nach 1 Uhr im Hotel und mussten früh wieder raus. Die nächste Etappe wartete. Nach den Hammeretappen gestern und vorgestern wurde es heute zwar etwas ruhiger, aber es warteten einige Herausforderungen: Steile Steigungen zum Beispiel, bei denen der Trabant mit seinem 600er Motor klar das schwächste Fahrzeug war. Aber er machte seine Sache gut und Pilot Michael Kahlfuß ließ sich am Ende des Tages zu Begeisterung hinreißen: "Es ist Wahnsinn, was dieses kleine Auto alles schafft!" Die ersten beiden Prüfungen lieferte das Team aus Sachsen-Anhalt und Sachsen gut – die zweite Prüfung wurde später gecancelt, weil einige Teams Probleme hatten. Schade, denn Team Kahlfuß hatte die Etappe gemeistert.

Größere technische Probleme blieben diesmal aus. Bei der letzten, 100 km langen Prüfung, gab's dann noch einen Platten. Aber Co-Pilot Ronald Bauer wechselte das Rad in nur vier Minuten, sodass nicht allzu viel Zeit verlorenging. Morgen wartet nun ein Ruhetag in der wuseligen Hauptstadt Nairobi. Nun ja, das mit der Ruhe ist relativ – sechs Stunden darf am Auto geschraubt werden und das Mechanikerteam wird die wohl voll ausnutzen, um Trabi Murmel fitzumachen für die zweite Hälfte der Safari-Rallye.

Dienstag, 12.12.2023, von Amboselo nach Lake Naivasha

Zum Glück hat es in der Nacht nicht noch mehr geregnet. Die Straßen haben unter den wochenlangen Starkregenfällen genug gelitten. Drei Prüfungen stehen an. Bei der ersten macht die Achse wieder Probleme. Erneut müssen die Mechaniker am Service Point an die Stoßdämpfer ran. Auch bei der zweiten Prüfung sind die Straßenverhältnisse nichts für schwache Nerven. Der Trabi quittiert es mit einem Riss im Radkasten. Der nächste Service Point ist an einer Tankstelle. Der Riss muss geschweißt werden. Unter den Blicken einheimischer Schaulustiger meistert die Crew auch das. In der dritten Prüfung ist die Besatzung aus Sachsen-Anhalt wahnsinnig schnell und nimmt stärker motorisierten Startern wieder einen Platz ab.

Nach dem dritten Tag hat sich das Team auf Platz 41 vorgearbeitet. In der gleichen Zeit kämpfen sich auch die beiden Begleitfahrzeuge in Richtung Zielpunkt durch. Keine einfache Sache, denn eine Straße gibt es teilweise nicht. Eine Crew aus Tschechien kehrt um, weil sie plötzlich im Grünen steht. Bei der Weiterfahrt über Stock und Stein fährt sich eines der Fahrzeuge fest. 21:30 Uhr kommen die letzten am Parque Fermé an. Der Trabi wartet draußen, denn von dem Moment an, wo er über die Linie fährt, läuft die Zeit für die Mechaniker. Erst als sie aufgebaut haben, kommt auch der Trabi. Weil die Reise hierher so chaotisch war, ist das Zeitlimit für die Wartungsarbeiten von zwei auf drei Stunden hochgesetzt worden. Es wird eine kurze Nacht für die Mechaniker. Morgen starten die ersten Autos wieder um 6 Uhr in der Frühe.

Montag, 11.12.2023, von Tsavo nach Amboselo

In der Nacht hat es stark geregnet, und das ließ für heute eine harte Etappe erwarten. Die wurde es auch. Ein großer Teil dieser Etappe führte über unbefestigte Straßen durch den Tsavo Nationalpark und durchs Gebiet der Massai. Riesige Schlaglöcher, kniehoher Schlamm. Reihenweise fuhren selbst die Begleitfahrzeuge mit ihrem Allradantrieb in die Gräben und blieben stecken. Mit Traktoren und viel Manpower wurden die Fahrzeuge herausgezogen, die heimische Bevölkerung half nach Leibeskräften.

Zeitweise ging auf den Straßen nichts mehr, so dass die Zielzeiten ausgesetzt und auch die Strecken verändert wurden. Trabi Murmel mit Michael Kahlfuß und Ronald Bauer blieben nur einmal kurz stecken – auf dem Weg durch einen Fluss, das Team war aber schnell wieder auf der Piste. Die rauhe Strecke war nach dem Geschmack des Piloten: "Das ist Rallye in Afrika", freute sich Michael Kahlfuß im Ziel.

Der Trabi bekam schon auf dem ersten Teil der Strecke einen neuen Stoßdämpfer – ansonsten haben alle drei diese zweite Etappe in den Amboseli Nationalpark gut überstanden. Die Nacht verbringt das Team in Sichtweite des Kilimandscharo. Majestätisch thront der Berg – zwar viele Kilometer weg in Tanzania, aber scheinbar direkt gegenüber des Hotels. Giraffen, Impalas, Antilopen waren heute auf dem Weg ebenfalls zu sehen.

Sonntag, 10.12.2023, Tsavo Nationalpark

Der erste richtige Rallye-Tag. Nach dem Prolog gestern stand heute die erste Etappe quer ins Land an. Über 200 Kilometer in drei Abschnitten, teils über Straßen, teils über Stock und Stein. Autos fuhren sich in tiefen Pfützen fest, mussten herausgezogen werden. Trabi Murmel mit Michael Kahlfuß am Lenkrad und Ronald Bauer auf dem Beifahrersitz konnte das nicht stoppen.

Obwohl am Sonnabendabend noch ein Leck im Reservetank festgestellt und bis in die Nacht geschraubt wurde, war der Trabant am Morgen wieder einsatzbereit. Mit einer provisorischen Lösung, denn einen Aluminiumtank schweißen – dafür reichte das Equipment nicht aus. Aber ein heimischer Fahrer konnte helfen und eine Werkstatt vermitteln, die im Laufe des Sonntags das Leck zuschweißen konnte. Auf der heutigen Etappe dann riss die Aufhängung fürs Getriebe nach 50 Kilometern, aber Ronald Bauer konnte in nur zehn Minuten eine Behelfslösung schaffen. Das Mechanikerteam hatte an den Servicestopps und nach der Etappe alle Hände voll zu tun.

Das sachsen-anhaltisch – sächsische Team kam auf Platz 43 ins Ziel – von insgesamt 60 Startern.

Sonnabend, 9.12.2023, Mombasa

Und auf geht's! Trabi Murmel mit Pilot Michael Kahlfuß und Copilot Ronald Bauer ist unterwegs. Der Prolog heute ist so ein bisschen was wie aufwärmen. Die 15,5-Kilometer-Strecke hielt die ersten Prüfungen bereit, die das sachsen-anhaltische Team meisterte.

Mit der Startnummer 58 ging es an den Start und fand sich am Ende auf Platz 48 der Gesamtwertung wieder. Damit ist das insgesamt 8-köpfige Team super zufrieden. Mit knapp 50 PS hat der Trabi P 60 die mit Abstand geringste Motorleistung. Die ersten fünf Autos hat es bereits auf den ersten Kilometern in den Graben gedrückt.

Morgen stehen die nächsten 100 Kilometer an – dann wird es spannend, denn der Regen hat sehr viel Land unter Wasser gesetzt.

Freitag, 8.12.2023, Mombasa

Murmel hat den Transport mit dem Schiff nach Mombasa gut überstanden. Der erste Weg vom Flughafen führte zu der Firma, die den Container mit dem Kugelporsche aufbewahrt hat. Der Zoll war dabei, als Michael Kahlfuß und sein Team den Container öffneten und aufatmeten.

Eine Gruppe Männer arbeitet an einem Trabant
Michael Kahlfuß und sein Team kontrollieren, ob der Trabant den Transport gut überstanden hat. Bildrechte: MDR/Annette Schneider-Solis

In einer angemieteten Garage hat das Technikteam den Trabant P2 nochmal völlig auseinandergebaut und vieles optimiert. Heute nun technische Abnahme, die der kleine Zwickauer mit Bravour bestanden hat.

Der Trabant ist der Star unter den Startern, beliebtes Fotomotiv. Da kommt kein Porsche mit – das "kleine Auto" hat hier in Kenia viele Fans. Morgen früh geht's los.

MDR (Annette Schneider-Solis)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13. Januar 2024 | 19:00 Uhr

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